Wie wird aus einer versiegelten Fläche wieder ein Stück Grün? Und worauf kommt es bei einer Entsiegelung in der Praxis an? Antworten auf diese Fragen gab der DIY-Entsiegelungs- und Begrünungsworkshop in Hohenems am Samstag, 29. August 2026. Gemeinsam mit dem Verein Bodenfreiheit und der KLAR! am Rhein lud die Stadt Hohenems interessierte Bürgerinnen und Bürger dazu ein, selbst Hand anzulegen. Gegenüber des Weltackers an der Schweizer Straße wurde eine rund 100 Quadratmeter große Fläche vollständig entsiegelt und für ihre neue Nutzung als Grün- und Aufenthaltsfläche vorbereitet.
Von der Theorie direkt in die Praxis
Zu Beginn des Workshops erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fachkundige Informationen rund um das Thema Entsiegelung und Begrünung. Ein Erdbaufachmann und eine Landschaftsplanerin erklärten, worauf bei der Umsetzung zu achten ist, welche Werkzeuge und Materialien benötigt werden und wie eine Entsiegelung Schritt für Schritt durchgeführt werden kann. Danach ging es direkt an die Arbeit. Der Asphalt wurde geschnitten, die befestigte Fläche aufgebrochen und die vorhandenen Asphaltschichten entfernt. Gemeinsam wurde der Untergrund freigelegt und für die anschließende Begrünung vorbereitet. Dabei konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst verschiedene Geräte ausprobieren und die einzelnen Arbeitsschritte unmittelbar kennenlernen.
Gerade dieser praktische Zugang war ein wichtiger Bestandteil des Workshops: Die Teilnehmenden sollten nicht nur erfahren, warum Entsiegelung sinnvoll ist, sondern auch sehen und ausprobieren, wie sich kleinere Projekte mit dem richtigen Wissen und geeigneten Werkzeugen selbst umsetzen lassen.
Aus versiegelter Fläche wird Blühfläche
Nach der Entfernung der befestigten Oberfläche wurde die Fläche für ihre künftige Begrünung vorbereitet. Der überwiegende Teil der rund 100 Quadratmeter wird als grüne Blühfläche gestaltet. Zum Einsatz kommen mehrjährige heimische Pflanzen, die im Laufe der Zeit eine vielfältige und naturnahe Fläche entstehen lassen sollen. Damit wird aus dem ehemaligen versiegelten Bereich nicht nur eine grüne Fläche, sondern auch ein kleiner Lebens- und Rückzugsraum für Insekten und andere Tiere. Heimische Pflanzen bieten Nahrung und geeignete Strukturen für unterschiedliche Insektenarten und tragen so zur Artenvielfalt bei.
Auch aus Sicht der Klimaanpassung bringt die Entsiegelung Vorteile: Regenwasser kann auf unversiegelten Flächen wieder besser in den Boden gelangen, anstatt oberflächlich über befestigte Flächen abzufließen. Gleichzeitig kann die Begrünung dazu beitragen, die Aufheizung der Fläche und ihrer Umgebung an heißen Tagen zu reduzieren.
Ein neuer Rastplatz an der Landesradroute
Die Fläche soll künftig aber nicht nur der Natur zur Verfügung stehen. Durch ihre Lage direkt an der Landesradroute entsteht hier auch ein neuer Ort zum kurzen Verweilen.
Ein Teil der Fläche wird deshalb als kleiner Rastplatz gestaltet. Eine Sitzbank lädt nun zum Ausruhen ein. Zwei Feldahornbäume werden die Gestaltung ergänzen und in den kommenden Jahren zunehmend für Schatten sorgen. Die Bäume werden im Herbst als letzter Teil der Maßnahme gepflanzt, anschließend wird der Rastplatz vollständig fertiggestellt. Direkt gegenüber des Weltackers entsteht damit ein attraktiver Zwischenstopp für Radfahrende und Spaziergängerinnen und Spaziergänger. Vielleicht lädt die neue Sitzbank dabei nicht nur zum kurzen Verschnaufen ein, sondern auch dazu, den Weltacker auf der gegenüberliegenden Seite zu entdecken und einen Besuch abzustatten. So verbindet die Fläche künftig zwei Funktionen: Sie schafft einen angenehmen Aufenthaltsort für Menschen und gleichzeitig neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere, besonders Insekten.
Gemeinsam anpacken für ein sichtbares Ergebnis
Der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie viel sich durch gemeinsames Engagement in kurzer Zeit bewegen lässt. Aus einer vollständig versiegelten Fläche entsteht Schritt für Schritt ein neuer Grün- und Aufenthaltsraum. Besonders erfreulich war, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur zuschauen, sondern selbst mitarbeiten konnten. Asphalt schneiden, Aufbrechen, Schaufeln und Vorbereiten und Begrünen machten die einzelnen Arbeitsschritte einer Entsiegelung unmittelbar erlebbar. Damit soll die Aktion auch über die Fläche an der Schweizer Straße hinaus wirken: Wer selbst erlebt hat, wie eine Entsiegelung funktioniert, nimmt Wissen und praktische Erfahrung mit nach Hause. Vielleicht entsteht daraus die eine oder andere Idee für eine eigene kleine Entsiegelungsmaßnahme, sei es bei einer Einfahrt, einem Parkplatz oder einer anderen befestigten Fläche.
Ein herzliches Dankeschön gilt daher allen fleißigen Helferinnen und Helfern, die mit viel Engagement und Muskelkraft angepackt und die Umsetzung dieses Projekts unterstützt haben. Ebenso bedankt sich die Stadt Hohenems beim Verein Bodenfreiheit für die fachkundige Begleitung und die gemeinsame Durchführung des Workshops sowie bei der KLAR! am Rhein für die finanzielle Unterstützung. Wenn im Herbst die beiden Feldahornbäume gepflanzt und die letzten Arbeiten am Rastplatz abgeschlossen sind, ist die neue Grünfläche komplett. Dann entsteht gegenüber des Weltackers ein Ort, der zum Verweilen, Entdecken und Durchatmen einlädt und gleichzeitig zeigt, wie aus 100 Quadratmetern versiegelter Fläche wieder wertvoller Raum für Natur und Menschen werden kann.