Stadtverwaltung Hohenems
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Stadtplan
05.06.2019

Nachruf

Priscilla Gräfin Waldburg-Zeil-Hohenems

auf Gräfin Priscilla zu Waldburg-Zeil-Hohenems
von Bürgermeister Dieter Egger

Auch das Rathaus trägt Trauer

Die Nachricht vom Ableben der Hohenemser Gräfin Priscilla zu Waldburg-Zeil erfüllt mich persönlich mit tiefer Traurigkeit.
Geboren als Gräfin von Schönborn-Wiesentheid am 5.2.1934 in München, heiratete sie 1956 Franz Josef Waldburg-Zeil und zog nach der Hochzeit in den Emser Palast ein – und wurde damit nicht nur zu einem Teil des Palastes, sondern auch zu einem wichtigen und sichtbaren Teil von Hohenems.

Die 63 Jahre andauernde überaus glückliche Ehe mit Franz Josef Waldburg-Zeil brachte sieben gesunde Kinder hervor – von denen leider eine kleine Tochter im Alter von sechs Jahren nach einem tragischen Verkehrsunfall in der Lustenauer Straße ihr Leben lassen musste.

Wer wie ich in Hohenems aufgewachsen ist, verbindet unzählige schöne Erinnerungen von offiziellen Veranstaltungen in der Stadt auch mit ihrer vertrauten Anwesenheit und ihrem milden, stillen Lächeln an der Seite ihres Mannes – auch wenn sie selbst sich öffentlich stets bescheiden und zurückhaltend präsentiert hat. Wer sie privat gekannt hat, der schätzte ihre humorvolle Art und enorme Schaffenskraft. Sie war auch die maßgebende Triebfeder zur Sanierung und Öffnung des Palastes für Feierlichkeiten und Besucher und war damit eine echte Gräfin „zum Anfassen“. Von dieser modernen, entspannten Weltoffenheit profitiert die Stadt nachweislich bis heute. Darüber hinaus hat sie die Kulturszene der Stadt Dank ihrer Liebe zur klassischen Musik maßgeblich bestimmt: Weltkulturmarken wie die „Schubertiade“ oder die Konzertreihe der „Arpeggione“ im Palasthof wären ohne ihre Mitbegründung wohl nicht möglich oder existent. Ihre repräsentativen Aufgaben als Fahnenpatin der Schützengilde Hohenems, als frühere Fahnenpatin der Bürgermusik Hohenems und als Patronin der Pfarrkirche St. Karl Borromäus (als einzige Patronatskirche in Vorarlberg), erfüllte sie mit großer Gewissenhaftigkeit und Hingabe bis zum Schluss.

Die Zeit, als in Österreich die Macht vom Hochadel ausging und vererbt wurde, und nicht vom Volk demokratisch „verliehen“ wurde, mag zu guter Recht Vergangenheit sein.
Wenn wir uns aber anschauen, welche edlen Werte das Hohenemser Fürstenhaus – und Priscilla Waldburg-Zeil im besonderen – stets hochgehalten und vorgelebt hat: Würde, Respekt, Anstand, Handschlagqualität, Bildung und Aufklärung, Kunstfertigkeit, Humanismus und Großherzigkeit (denn Priscilla war auch stets bekannt dafür, hilfesuchende und hilfsbedürftige Personen zu unterstützen), dann sage ich in einer Zeit, in derer diese Werte nicht immer selbstverständlich sind: man kann nur froh und dankbar sein, dass Hohenems durch die Verstorbene und ihre Hinterbliebenen buchstäblich geadelt wird.

Aus diesem Grund, und auch aus tiefer Dankbarkeit für die stets konstruktive und freundschaftliche, öffentliche Zusammenarbeit mit dem Fürstenhaus, trägt auch das Rathaus bis zur Beerdigung von Altgräfin Priscilla zu Waldburg-Zeil offiziell Trauer und wird entsprechend schwarz beflaggt.

Ich wünsche allen Hinterbliebenen viel Kraft in dieser Zeit und spreche daher im Namen der ganzen Stadt aufrichtiges Beileid und Mitgefühl aus.

Mit Priscilla Waldburg-Zeil verliert die Stadt auch ein gutes Stück von sich selbst.

In tiefer Anteilnahme
Bürgermeister Dieter Egger