A+
A+
A+
Bürgermeldungen
drucken
Stadtplan
20.07.2016

Gasthausgeschichten (1)

Der Palastgarten
Kulinarische Hochgenüsse
Nobles Ambiente für jegliche Art an Feierlichkeiten

Von Hexen, Eisdielen und englischen Wurzeln: Zu Gast im Palast Hohenems.

Mit der Serie „Gasthausgeschichten“ widmen wir uns der Hohenemser Gastronomieszene – und den Geschichten und Menschen dahinter. Den Auftakt machen wir mit dem vielleicht bekanntesten Hohenemser Gastronomen: Andrew Nussbaumer und dem Palast Hohenems.

In Hohenems nennt man ihn liebevoll „Nussi“ – in Wirklichkeit hat sein Name englische Wurzeln: Andrew Nussbaumer ist in England geboren. Seine Eltern arbeiteten damals in der Stadt „King´s Lynn“, rund zwei Autostunden nordöstlich von London, an der Küste gelegen. Zwei Jahre nach Andrews Geburt wanderten sie 1963 nach Bregenz aus, 1966 fasste die Familie Fuß in Hohenems. Andrew erlernte das Handwerk in der Hotelfachschule Villa Blanka in Innsbruck und begann seine ersten Gastronomie-Erfahrungen in der Eisdiele seiner Großmutter in Bregenz zu sammeln. 1983 eröffnete er mit 22 Jahren die erste Eisdiele in Hohenems: „Nussis Eisdiele“ im Herrenried.

Eis-Imperium

Bevor er den Palast übernehmen sollte, hatte Andrew schon ein kleines Eis-Imperium aufgebaut: Auf 19 Geschäfte mit 50 Mitarbeiter/innen kann er mittlerweile zurückblicken. Auf seine große Liebe – den Palast Hohenems – sollte er bei der Schubertiade 1986 stoßen: „Als ich die Räumlichkeiten damals gesehen habe, war mir sofort klar: Da will ich eines Tages wirten!“. Jahre später sollte es schließlich soweit sein: Die gräfliche Familie erlaubte Andrew die Räumlichkeiten zu pachten und umzubauen – auf eigenes Risiko. 1,6 Millionen Euro Investitionen später sollte es am 28. Februar 1998 dann endlich soweit sein: Der Palast öffnete seine Pforten und bot den Gästen eine gastronomische Erlebniswelt, die es ermöglicht, Geschichte in modernen Räumlichkeiten zu „atmen“.

Ritterschlag

Hausherr von Waldburg-Zeil persönlich bedankte sich bei Andrew für seine Arbeit mit einem symbolischen „Ritterschlag“ und den Worten: „Die Gäste mögen kommen und kommen!“
Und die Gäste kamen. Rund 2.000 bewirtet Andrew pro Woche, 28 Mitarbeiter/innen stehen bei ihm im Palast in Lohn und Brot und fünf Lehrlinge werden aktuell im Palast ausgebildet. „Mit das erste was unsere Lehrlinge lernen ist: Sie müssen sich auf den Gast einlassen. Wenn ihnen das gelingt und wenn sie es „im Blut“ haben, können sie bei mir Karriere machen. Ich hatte mal einen Tellerwäscher – der ist mittlerweile der Geschäftsführer aller meiner Eisdielen“, erzählt Andrew schmunzelnd.

Spuk im Palast

Die Geschichtsträchtigen Mauern des Palastes bargen aber auch Unheimliches: „Es stellte sich heraus, dass wir an einem bestimmten Tisch immer Probleme und Schwierigkeiten mit Gästen hatten. Das war mit der Zeit derart auffällig, dass wir tatsächlich eine Geist-Seherin konsultierten. Und bei genaueren Recherchen stellte sich dann heraus: Im Palast wurde im Mittelalter mit Barbara Wötzlin die letzte Hohenemser Hexe hingerichtet. Laut der Geist-Seherin war sie für die Unruhen an dem Tisch verantwortlich. Sie beschwor und besänftigte den Geist von Barbara Wötzlin, der daraufhin die Gemäuer verließ – und ich schwöre, dass ich im Moment der „Loslösung“ ganz deutlich eine Kette klirren gehört habe. Seitdem hatten wir auch keine Probleme mehr mit Gästen an diesem Tisch.“
Wer wissen will, um welchen Tisch es sich handelt, darf sich gerne an Andrew wenden und dem Tisch einen Besuch abstatten.

Lob für Zusammenarbeit

Abschließend zu unserer Gasthausgeschichte lobt Andrew, der seines Zeichens auch der Sprecher der Vorarlberger Gastwirte ist, die Hohenemser Gasthauskultur: „Es ist schön, dass die Wirte in Hohenems allgemein einfach gut zusammenarbeiten. Das ist nicht in allen Städten selbstverständlich. Und den Hohenemsern sei nahegelegt: Schaut wieder mal in euren städtischen Gasthäusern vorbei! Es hat sich in den letzten Jahren viel getan – und wir Wirte freuen uns auf euch!“