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Stadtplan
24.08.2016

Das „Moritz“ im Jüdischen Viertel

… und heute
Chef Martin Fink in seinem Refugium
Das Moritz einst …

Das Moritz gehört heute zu den „Perlen“ des Jüdischen Viertels und zu den besten Gasthäusern Vorarlbergs.

Es ist ein Haus mit bewegter und großer Geschichte. Einst war die „Israelitische Schule“ in den Gemäuern der heutigen Gaststätte beherbergt. Diese Schule war mehr als die moderne Bildungseinrichtung einer international verflochtenen Gemeinde. Sie war auch ein Ort der Begegnung auf Augenhöhe zwischen Juden und Christen und wurde bald zum Symbol für politisch-kulturelle Zusammenarbeit über kulturelle und konfessionelle Grenzen hinweg. Der längstdienende Lehrer und Direktor der Schule, Moritz Federmann, war für seine Arbeit weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Nicht ohne Grund sind die heutigen Räumlichkeiten nach ihm benannt. Als die Schule 1913 geschlossen werden musste, wechselte das Gebäude mehrmals den Besitzer und gelangte 1955 schließlich in private Hand: Damals erwarb der Hohenemser Karl Anton Blenk das Haus von der israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck. 1973 kaufte die Stadt Hohenems wiederum die ehemalige Schule, sie wurde hauptsächlich als Wohnhaus genutzt und als solches auch bis an die Grenzen des Zumutbaren abgewohnt.

Gerhard Lacha ermöglicht die Sanierung

2006 wurden die alten Gemäuer schließlich an Gerhard Lacha verkauft, der zuvor schon große Teile des ehemaligen Jüdischen Viertels saniert hatte – teils privat, teils mit seiner Projektmanagement- und Projektentwicklungsgesellschaft Lacha & Partner GmbH. Lachas eigene Geschichte ist mit der Schule verknüpft: „Meine Großeltern wohnten vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten mit ihren Kindern kurzzeitig in der Schule. In der Mikwe, vom ‚Volksmund‘ als Waschküche bezeichnet, hatte mein Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg seine Wagner-Werkstatt“, erinnert sich Gerhard Lacha. DI Markus Schadenbauer-Lacha, der die Geschäftsführung der Lacha & Partner GmbH von seinem Schwiegervater übernommen hat, freut sich ebenso über die Entwicklung: „Dank der mittlerweile eingespielten Zusammenarbeit mit der Stadt konnten wir mit dem Salomon-Sulzer-Saal und der ehemaligen Synagoge einen kulturellen und musikerzieherischen Mittelpunkt im Jüdischen Viertel von Hohenems schaffen. Und das „Moritz“, welches nach einer umfassenden Restaurierung in der ehemaligen Schule seine Pforten geöffnet hat, ist zu einem modernen, lebendigen und auch kulinarischen Zentrum des ganzen Viertels geworden“.

Geschichte bleibt sichtbar und kostbar

Ins Auge sticht sofort die zeitgemäß-stilvolle und liebevolle Einrichtung, bei der jedes Detail stimmt. Die dicken historischen Mauern spiegeln auf ehrwürdige Weise die Vergangenheit des Hauses wider. Ebenso gibt seine weitreichende Geschichte heute der Küche des Hauses eine ganz persönliche Note. Damit seine Gäste die Einzigartigkeit des Hauses nicht nur sehen, sondern auch kosten können, kreiert Martin Fink moderne und ausgefeilte Menüs, die nahöstliche Einflüsse elegant mit der Küche der Kronländer verbindet. „Ein Segment, welchem wir uns zunehmend zuwenden, ist die vegane Küche, die bei unseren Gästen immer größeren Anklang findet“, ergänzt der 29-jährige Küchenchef. Zu seinem Mitarbeiterstamm zählen sechs Gastronomieprofis und auch in der Auswahl der Produkte orientiert Fink sich kompromisslos an höchster Qualität – regional und saisonal.

Seine Gäste schätzen den hohen Standard – und seine Erfahrung. Nach der Hotelfachschule in Bludenz hat es ihn in viele Küchen verschlagen, bis hin zu Auslandsjahren in Mexiko. Heute weiß er, was zählt: „Wir legen viel Wert auf einen gästeorientierten und professionellen Service. Denn wenn ich selbst in anderen Häusern zu Gast bin, ist der Service auch das erste, worauf ich achte.“

„Der Moritz“

Ob er für die „Gasthausgeschichten“ auch noch eine bizarre Geschichte erzählen kann? „Oh ja, bei uns spukt es!“, erzählt Martin Fink mit einem Augenzwinkern. Und seine Servicekraft Cornelia ergänzt: „Eines Tages habe ich die hintere Türe nicht aufbekommen, obwohl sie eindeutig offen und nicht versperrt war. Als hätte etwas die Türe zugehalten. Und manchmal hört man auch ein Knarren in Ecken, in denen niemand zu sehen ist. Aber wir haben uns schon daran gewöhnt“, lacht die Kellnerin, „so ist das nun mal in Häusern mit Geschichte.“ Ob sie ihrem Geist schon einen Namen gegeben haben? „Natürlich. Wenn wir nicht wissen, wers war, dann wars der Moritz.“ Das ist doch eine nette Art, mit Ungereimtheiten umzugehen.