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Stadtplan
10.11.2015

Hohenems wird glyphosatfrei

Foto: Naturschutzbund Deutschland

Die Stadtvertretung beschloss am Dienstag, dem 3. November 2015, auf Antrag der Emsigen & Grünen, dass die Stadt Hohenems zukünftig keine glyphosathaltigen Beikraut-Vernichtungsmittel mehr auf den stadteigenen Flächen einsetzt.

Ab sofort dürfen zur Beseitigung von unerwünschten Pflanzen nur Mittel und Maßnahmen eingesetzt werden, die nach den Richtlinien des Biolandbaus erlaubt sind. Glyphosat ist bislang der weltweit am häufigsten eingesetzte Wirkstoff zur „Unkrautbekämpfung“. „Damit setzen wir nach Lustenau, wo im September das Glyphosat-Verbot beschlossen wurde, nun auch in Hohenems ein gutes grünes Zeichen für gesunde und vielfältige Gartenpflege“, freut sich Stadträtin Mag. Patricia Tschallener. Unter anderem folgende Mittel enthalten Glyphosat: Roundup, Vorox, Ustinex, Clinic, etc. – eine vollständige Liste finden Sie am Ende dieser Seite.

Wahrscheinlich krebserregend

In den letzten Jahren verdichteten sich die Hinweise, dass der Wirkstoff Glyphosat gefährlicher ist, als bisher angenommen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) kam im Frühjahr 2015 nach zahlreichen Untersuchungen zu dem Schluss, dass Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ einzustufen ist. Nach diesem Bericht gebe es Nachweise an Menschen und Tieren für das krebserregende Potenzial.

Ebenso steht es im Verdacht, bei Tieren und Menschen die Fortpflanzung und Embryonal- bzw. Fötalentwicklung negativ zu beeinflussen. Außerdem sind toxische Effekte und hormonelle Wirkungen bekannt. Des Weiteren besteht ein Rückstandsproblem in Böden, Oberflächenwässern und Grundwässern, wodurch die Trinkwasserversorgung gefährdet wird. Zudem trägt der Einsatz von Glyphosat Mitschuld an der Abnahme von Blühpflanzen, die aber unbedingt als Nahrung für Bienen und andere Bestäuberinsekten gebraucht werden – und nicht zuletzt schädigt der Wirkstoff auch Amphibien und Bodennützlinge.

Aus Gründen des Umweltschutzes, der Artenvielfalt und der Gesundheit des Menschen ist es dringend erforderlich, gänzlich auf den Einsatz von Glyphosat zu verzichten.

„Blumenwiesenmischungen, weniger belastende Spritzmittel und biologischer wie vielfältiger Landbau tun unserer Gesundheit sowie der Gesundheit der vielen Werkhofmitarbeiter/innen gut. Mit dem Stadtvertretungs-Beschluss setzen wir daher einen wichtigen Schritt für die Förderung der gesunden und vielfältigen Grünflächenpflege in Hohenems“, so Tschallener.

Es gibt viele Alternativen für den Einsatz von Glyphosat:

  • Förderung der Akzeptanz und Anlegung einer natürlichen („wilden“) Vielfalt an Pflanzen, statt „geputzte“ Äcker und Gärten
  • Schaffung von bunten Blumenwiesen statt grüner Rasenflächen
  • Förderung des biologischen Landbaus und der Bio-Gärtnerei mit Verzicht auf Pestizide (Fruchtfolgen, Beikrautbeseitigung – händisch oder maschinell)
  • Einsatz von Flämmgeräten oder Dampfgeräten zur Beikrautvernichtung
  • Wenn unbedingt nötig: Nutzung anderer Herbizide, die im Biolandbau verwendet werden dürfen