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Bürgermeldungen
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Stadtplan
25.02.2015

Zur Nachahmung empfohlen: Althaussanierungen zum 4. Mal ausgezeichnet

Nach der Revitalisierung: Im Juli 2013 konnte das neue Büro der Tourismus und Stadtmarketing Hohenems Gmbh besichtigt werden.
Vorher und nachher: Moderne Büroräume in historischer Baustruktur: Das Stadtmarketingbüro im früheren Mesnerhaus der Pfarre St. Karl (Foto: Beate Nadler-Kopf)
Vorher und nachher: Moderne Büroräume in historischer Baustruktur: Das Stadtmarketingbüro im früheren Mesnerhaus der Pfarre St. Karl (Foto: Beate Nadler-Kopf)
Vorher und Nachher: Das einstige Armenhaus präsentiert sich als Schmuckstück. (Foton: Ursula Dünser
Vorher und Nachher: Das einstige Armenhaus präsentiert sich als Schmuckstück. (Foton: Ursula Dünser)

Vergangenen Freitag, den 20. Februar, wurden vor Publikum im Salomon-Sulzer-Saal die Sanierungsprojekte „Ehemaliges Jüdisches Armenhaus“ und „Ehemaliges Mesnerhaus“ vorgestellt.

Seit dem Jahr 2008 zeichnen das Bundesdenkmalamt, die Stadt Hohenems und der Hohenemser Kulturkreis in unregelmäßigen Abständen lokale Haussanierungsprojekte aus, die einen besonders sorgfältigen Umgang mit historischer Bausubstanz (ob denkmalgeschützt oder nicht) bewiesen. Die Leistungen und die Umsicht verständiger Bauherren, guter Berater und Planer, der richtigen Handwerker und wohlwollender Finanziers sollen gewürdigt werden. Gerade die vieldiskutierte, 2010 erfolgte Unterschutzstellung der Marktstraße bestätigte darin, anhand beispielhafter Sanierungen die Bandbreite an Möglichkeiten aufzuzeigen und zur Nachahmung zu empfehlen.

Vizebürgermeister und Kulturstadtrat Günter Linder und Mag. Edmund Banzer sprachen seitens der Stadt und des Kulturkreises zum Projekt und seiner Wichtigkeit, während
Mag. Georg Mack als Jurymitglied wie Vertreter des Bundesdenkmalamtes die heurigen Auszeichnungen vorstellte und begründete: Architektin DI Beate Nadler-Kopf berichtete zum Projekt der Sanierung des Hauses Marktstraße 2, des ehemaligen Mesnerhauses, das seit bald zwei Jahren als neues Büro des Hohenemser Stadtmarketings in Verwendung ist. DI Markus Schadenbauer-Lacha als Bauherr des Hauses Jakob-Hannibal-Straße 8 – das einstige Armenhaus im Jüdischen Viertel – wusste wiederum zu erzählen, wie das stark baufällige Haus mit Geschichte ein neues Heim für eine Familie wurde. Beide Objekte hatten in den Jahren 2012 bis 2013 grundlegende Revitalisierungsmaßnahmen erfahren.

Der Althauspreis ist nicht monetär: Im Rahmen der Veranstaltung überreichte Messingtafeln werden an den Gebäuden künftig auf deren Auszeichnung hinweisen und enthalten Eckdaten.

Traditionellerweise wurde auch diese Auszeichnungsveranstaltung im Sulzer-Saal von Schülern der im  selben Gebäude beheimateten tonart Musikschule gestaltet: Paul Amann und Matthias Schallert werden kommenden Monat im Bewerb „Prima La Musica“ antreten und belegten mit Gitarrenstücken von Ferdinando Carulli und Reginald Smith Brindle bereits an diesem Abend eindrücklich ihr Können.

Ehemaliges Jüdisches Armenhaus (Jakob-Hannibal-Straße 8)
Im Kern wird das Bürgerhaus im Jüdischen Viertel auf das 17. Jahrhundert datiert, während die Fassade der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuzuordnen ist. Nach einiger Zeit als Wohnhaus wurde das Gebäude umgebaut und von 1871 bis 1924 als Armenhaus der Jüdischen Gemeinde von Hohenems geführt. Anschließend diente es nochmals einige Zeit als Wohnhaus. In den Jahren 2012 und 2013 erfolgte schließlich nach langem Leerstand eine private Sanierung durch Jessica Lacha und DI Markus Schadenbauer-Lacha gemeinsam mit Architekt DI Ernst Waibel, um das Gebäude als Wohn- wie Geschäftshaus zu nutzen. Besondere Herausforderung bei dieser umfangreichen wie sensiblen Revitalisierung in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt waren die niedrigen Raumhöhen: Die Blockbauweise erlaubte durch Absenkungen und Erhöhungen jedoch eine zeitgemäße Nutzung, bei welcher Treppe und Raumaufteilung unverändert blieben. Viele Details werden der ursprünglichen Erscheinungsweise gerecht: So sind zum Teil die Fenster in ihrer historischer Form mit Holzwindläden erhalten, die Fassaden sind mit geglättetem Kellenputz in lichtem Ziegelton gekalkt. Im Haus selbst sind noch einige historische Elemente wie Türen und Stuckleistendecken bewahrt.

Ehemaliges Mesnerhaus (Marktstraße 2)
Seit dem Juli 2013 hat die Tourismus- und Stadtmarketing Gmbh hier ihr Zuhause gefunden: Das einstige Mesnerhaus am Kirchplatz wird im Kern auf das Jahr 1605 datiert, das äußere Erscheinungsbild des zweigeschoßigen Massivbaus auf das 18. Jahrhundert; beim großen Stadtbrand 1777 zerstört, war es in Folge auf dem Kellergeschoß wieder errichtet worden. Die Revitalisierung des langfristig durch die Stadt von der Pfarre angemieteten Hauses erfolgte in enger Zusammenarbeit der Hohenemser Architektin DI Beate Nadler-Kopf mit dem Bundesdenkmalamt. Die Revitalisierung des historischen Gebäudes bewahrte so auch charakteristische Details der Außenansicht wie die Putzquaderungen der Hausecken und das Gesims zwischen den Stockwerken. Auch unter Berücksichtigung der Auflagen des Denkmalschutzes ließen sich die Innenräume auf eine praktische Nutzung hin adaptieren, so beispielsweise mit einem einladenden, verglasten Eingangsbereich sowie Büros und ein Sitzungszimmer im ersten Stock. Die Sanierung war ebenfalls in den Jahren 2012 und 2013 erfolgt.