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03.07.2015

Que Du Luu erhielt 4. Hohenemser Literaturpreis

Hohenemser Literaturpreis 2015
Hohenemser Literaturpreis 2015
Hohenemser Literaturpreis 2015

Am Samstag, dem 27. Juni 2015, nahm die Autorin den mit 10.000 Euro dotierten Preis im Salomon-Sulzer-Saal entgegen.

1973 als Kind chinesischer Einwanderer in Vietnam geboren, war die Autorin vierjährig nach Deutschland gekommen. Bereits mit ihrem 2006 erschienenen Debutroman „Totalschaden“ machte sie sich in der Literaturszene einen Namen. Ihre unveröffentlichte, eigens für diesen Wettbewerb verfasste Erzählung „Das Fest des ersten Morgens“ hatte auch die Jury des „Hohenemser Literaturpreises für deutschsprachige AutorInnen nichtdeutscher Muttersprache“ überzeugt.

Höhepunkt der Preisverleihung, durch welche Moderatorin Dr. Eva Häfele und Harfenistin Julia Scheier begleiteten, war die erstmalige Lesung des Siegertextes durch Que Du Luu selbst – dies war auch ihre erst zweite Lesung in Österreich. Die Geschichte einer der Tet-Offensive entkommenen vietnamesischen Flüchtlingsfamilie bannte die Zuhörer/innen nicht nur ob der stilistischen Perfektion, sondern auch, weil sie in ihrer Behandlung des Vietnamkrieges – dessen Ende sich heuer zum 40. Mal jährt – ein ganz besonderes „Verweilen beim Grauen“ ermöglicht, wie Jurymitglied Sudabeh Mohafez in ihrer, von Kollegin Anna Mitgutsch vorgetragenen, Laudatio vermerkt: „Das Fest des ersten Morgens generiert seine Brillanz aus einem diskontinuierlichen und verknappten Sprechen […] und aus der Wahl einer hauptsächlich konstatierenden, beinahe schlicht daherkommende Stimme, die sich da im Schreiben erhebt und an uns wendet.“

„Über Fremd- und Eigensprachen, Dialekte, Muttersprachen und andere Uneindeutigkeiten“
Die Rede zur diesjährigen Verleihung hielt Vladimir Vertlib: „Ich selbst finde es durchaus stimmig, dass dieser Preis gerade in Hohenems vergeben wird, und zwar nicht nur aufgrund der besonderen Geschichte dieses Ortes, der einst eine wichtige jüdische Gemeinde beherbergte, oder der Tatsache, dass es hier so viele Zuwanderer gibt, sondern weil viele Menschen in dieser Region in Wirklichkeit zweisprachig sind, deren Muttersprache eben nicht Deutsch (Hochdeutsch nämlich), sondern ein Dialekt ist, der sich in einigen lokalen Varianten, die in diesem Bundesland gesprochen werden, von der Hochsprache so stark unterscheidet, wie zum Beispiel das längst offiziell als Sprache anerkannte Ukrainische vom Russischen, das Letzebuergesche vom Deutschen oder das Dänische vom Norwegischen.“

Vertlib, Autor und Mitglied der diesjährigen Jury weiter: „Was Autor/innen, denen der Literaturpreis, der heute vergeben wird, zugedacht ist, auf jeden Fall in die Literatur einbringen, ist die Spannung, die Ambivalenz, die aus der Prägung durch zwei oder mehrere oft sehr verschiedene Kulturen entsteht. Dazu gehören neben vielen anderen Aspekten die sich unterscheidenden Geschichten von Worten und Idiomen, von Begriffen und stehenden Formulierungen, in welchen sich die historischen und kulturellen Entwicklungen der jeweiligen Regionen sowie die persönlichen Erfahrungen der einzelnen Autorinnen und Autoren spiegeln.“

Bürgermeister DI Richard Amann betonte in seinen Worten den Preis als Kulturprojekt, das in der Tradition einer geschichtlichen Offenheit von Hohenems stehe: „Im Grunde soll dieser Wettbewerb ein Tribut an die deutsche Sprache sein. Sowohl ein Tribut an diese traditionsreiche Literatursprache, als auch ein Tribut an all jene Menschen, die sie unter ganz besonderen Bedingungen zu perfektionieren wissen. Und so wie die Handelsbeziehungen der ‚Herren von Ems‘ bereits vor Jahrhunderten beitrugen, diesen Ort mit der Welt zu verknüpfen, soll das auch dieser Wettbewerb tun.“ Ebenfalls mit Grußworten stellte sich Landesrätin Dr. Bernadette Mennel ein, die auf die lebendige Literaturszene in Vorarlberg verwies und dem Preis einen ganz besonderen Stellenwert darin zusprach.

www.hohenems.at/literaturpreis