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Stadtplan
09.06.2016

Portrait: Gabriele Bösch

Quelle ihrer Inspiration: Der eigene Garten.
Gabriele Bösch (Foto: Anna Ritsch)
Quelle ihrer Inspiration: Der eigene Garten.

Im vergangenen April ist die in Hohenems lebende Schriftstellerin Gabriele Bösch zum zweiten Mal mit einem Literaturstipendium des Landes Vorarlberg ausgezeichnet worden. Die Redaktion des Gemeindeblattes hat dies zum Anlass genommen, sie bei sich zuhause zu besuchen und ein wenig mit Gabriele über ihren Werdegang zu plaudern.

Dass die Natur für sie ein zentrales Element darstellt - das bekommt man sofort zu spüren wenn man Gabriele Böschs Garten im Hohenemser Stadtteil Unterklien betritt: Gepflegt und ordentlich, aber gleichzeitig möglichst natürlich belassen, und die Pflanzen dürfen hier auch so sein wie sie selbst sein wollen – und nicht so, wie sie der Mensch zwanghaft haben will.
Hier verbringt die 1964 in Koblach geborene und seit 1993 in Hohenems lebende Schriftstellerin und fünffache Mutter viel Zeit, hier holt sie sich Kraft und Inspiration für ihr kreatives Schaffen.10 Jahre hat sie in Innsbruck mit dem Studium der Medizin, Geographie und Geschichte verbracht, ehe die Familie – und der Hohenemser Ehemann – sie schließlich in die Nibelungenstadt holten. Begonnen hat sie anfangs mit dem Schreiben von Gedichten, erste davon wurden 1998 im Sammelband „Hohenemser Naturschönheiten“ veröffentlicht. Ein Auslöser dafür war eine vergleichsweise spontane Reise nach Dresden zu einem Lyrik-Workshop. Schon kurz darauf - im Jahr 2004 - erhält sie den Literaturpreis des Landes für ihr erstes Buch „Der geometrische Himmel“, 2005 war sie damit Zweite beim Prosapreis Brixen/Hall. Ihre Werke finden ihren Weg auf Schauspielbühnen und werden auch in Live-Hörspielen vertont. 2012 folgt ihr zweiter viel beachteter Roman: „Schattenfuge“.

Ihren jüngsten Erfolg feiert Bösch im vergangenen April: Sie gewinnt ein Literaturstipendium des Landes Vorarlberg für ihren Gedichtzyklus „camera obscura“. Zuvor ermöglichte ihr unter anderem eine Studienreise nach Italien, die Fotografie und das Zeichnen als neue Ausdrucksmöglichkeiten ihres künstlerischen Schaffens zu entdecken. Erste Werke werden übrigens schon bald bei einer Ausstellung in der Feldkircher Wexelstube zu bewundern sein. Sie bleibt trotz ihrer künstlerischen Vielfältigkeit aber immer ihrer „ersten Liebe“ treu: Den Gedichten, der für sie „intensivsten Form des Schreibens, weil es ein von-innen-heraus-schreiben ist“, so Bösch selbst über ihre Leidenschaft.
An Hohenems schätzt sie die Tatkraft und Kreativität, die die Hohenemser und Hohenemserinnen an den Tag legen, um die Stadt zu gestalten und neu zu erfinden, was sich auch in der zunehmenden Zahl an lebendigen Geschäften in der Innenstadt niederschlägt.

Wenn Sie einer jungen Zunftkollegin einen Rat mitgeben müsste, dann würde sie vor allem eins raten: „Drabliba und geduldig si! Mit der Zeit kommt die Weisheit, mit der Weisheit kommt die Verlangsamung, und durch Verlangsamung kommt Genauigkeit, und nur durch genaues Hinschauen kann man die Essenz von Dingen erkennen und auch beschreiben. Wie in einem Garten: Wenn man lange und geduldig genug hinschaut, erkennt man die Geschichten, die er zu erzählen hat.“

Zum Schluss erzählt uns Gabriele Bösch von einem interessanten Feedback einer Kritikerin auf ihre Bücher: „Sie meinte: ,Ein normales Buch, das kann man auch schnell lesen. Oder zügig quer drüberlesen. Das muss man als Kritikerin manchmal aus Zeitnot oder aus Qualitätsgründen auch machen. Aber für Deine Bücher Gabriele, dafür braucht man Zeit, die kann man nur langsam lesen. Denn ansonsten entgeht einem der Kern von dem, was Du sagen willst.´ Dieses Feedback hat mich wirklich sehr gefreut!“ schmunzelt Bösch.