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Stadtplan
05.12.2016

Hohenems im Ersten Weltkrieg (30)

Der Redakteur des Volksblattes vertrat zudem die Meinung, dass „Die Gegner vor der Welt moralisch gerichtet wären“, wenn sie das Angebot nicht annähmen. (VoV, 15. Dez. 1916)

Die Mittelmächte suchten nach einem Weg aus dem Krieg. Wenig positive Nachrichten drückten die Stimmung. Die nationale Begeisterung wich einer Ernüchterung. Die Medien verschwiegen das Aufbegehren der Menschen.

Im August hatte Rumänien den Krieg gegen Österreich-Ungarn erklärt. Mit Hilfe der Alliierten erhoffte sich Rumänien Gebietsgewinne. Anfang Dezember 1916 fielen Bukarest und bedeutende Erdölgebiete in die Hand der Mittelmächte.

Friedensangebot

Im Aufwind dieses Sieges unterbreiteten die Mittelmächte am 12. Dezember 1916 den Alliierten ein Friedenangebot, da sie sich in der weit besseren Position für Verhandlungen sahen. Die Reichstage befürworteten die Friedensgespräche. Am selben Tag erließen die Kaiser strikte Tagesbefehle an ihre Soldaten: „Ihr werdet mit gleichem Heldenmut weiterkämpfen, bis der Friede geschlossen ist oder bis ihr den Feind entscheidend geschlagen habt.“ (Kaiser Karl I.)

Zum Frieden brauchts zwei

Die Alliierten gingen jedoch auf diese Note nicht ein, da die Mittelmächte keine konkreten Angebote formuliert hatten. Zwei Monate vorher hatte Ministerpräsident Aristide Briand jegliches Verhandeln mit Deutschland als „entwürdigend und ehrlos" bezeichnet. Auch der britische Kriegsminister Lloyd George forderte die Fortsetzung des Krieges bis zum „knock-out“ Deutschlands. Zum Frieden braucht's zwei – zum Krieg reicht einer.
Präsident Woodrow Wilson (USA) forderte alle Beteiligten auf, ihre Kriegsziele offenzulegen. Aus seiner diplomatischen Note konnte man das Konzept eines „Friedens ohne Sieger“ herauslesen.

Traurige Gewissheit

Bis Ende des Kriegsjahres stieg die Zahl der Gefallenen aus Hohenems auf 77. Für einige Soldaten, die in der Schlacht um Przemysl (1914) gefallen waren, trafen Todesmeldungen erst jetzt ein. (HGBl. Nr. 48/1916) Pfarrer Renn berichtet von der bedrückten Stimmung in der Gemeinde, da auch von den Gefangenen in Russland nur spärlich Nachrichten kamen. „Es arbeitet die russische Post wie es den Anschein hat, sehr unregelmäßig […]. Unsere Leute können das nicht begreifen und meinen, der Gefangene sei tot, wenn er lange nicht mehr schreibt.“ (emser almanach no. 30 S. 70–71).

Gefangene in Russland

Alfred Mathis (g. l. stehend) mit Serben und Ungarn in russischer Gefangenschaft vor der Mannschaftshütte. (Foto: Kurt Mathis)

Im Februar 1915 war Alfred Mathis eingerückt und Mitte Mai bei Gebirgskämpfen in den Karpaten in russische Gefangenschaft geraten. Nach Hause schrieb er am 4. Juli 1916 aus Agrys (Eisenbahnstation, 950 km östlich von Moskau): „Ich bin bald ein Jahr und 7 Monat auf Holzarbeit.“ Doch die Karte kam erst im Dezember an. Mit anderen Gefangenen musste er für den Eisenbahnbau Holz schlagen und auf Waggons verladen. Erst nach 38 Monaten Gefangenschaft kam Alfred Mathis nach Hause.
Ende Oktober schrieb August Waibel, dass er in Blagotatua (Tomsk, Sibirien) in einer Dampfmühle arbeite; er habe in der Mühle und im Haus das elektrische Licht installiert, was ihm bei der Herrschaft viel Gunst eintrug. Er wünschte Geld und Hosen. (VoV, 31. Dez. 1916)

Wandel und Handel

Inbetriebnahme der dritten Maismühle in Hohenems. (HGBl. Nr. 49/1916)

Für den privaten Gebrauch ließ man Mais (Türken) in kleineren Mengen mahlen, da das Mehl trocken aufbewahrt werden musste, damit es nicht verdarb. Durch den vermehrten Maisanbau sah Meinrad Büchele eine Verdienstmöglichkeit und baute in der Radetzkystraße eine Mühle, „so dass hier 3 bestehen“, schrieb Pfarrer Renn, „bei Anton Amann, Steaffes am Bach und Amann (Stoffeles) in der Säge am Reutebach oben“. (emser almanach, no. 30 S. 69)

Ambros Stöckl gab bekannt, dass er sein „Schuhmachergewerbe“ in der „Kaiserin-Elisabethstraße“ wieder ausübe und ersuchte die Bevölkerung „um geneigten Zuspruch“. (HGBl. Nr. 42/1916) Höchste Preise zahlte Jos. Ant. Wehinger, Säcke-Großhandlung, für „Alle Gattungen Säcke auch zerrissene und Jute-Emballage“, da es an Rohstoffen aller Art mangelte. (HGBl. Nr. 45/1916)

Abschied vom Gestern

Patriotisch oder realistisch? Lichtbildervortrag für Burschen am Ende des Jahres 1916. (HGBl. Nr. 52/1916)

Mit Jahresende nahm man Abschied von der Welt von gestern. Der Repräsentant der alten Zeit – Kaiser Franz Josef – war zu Grabe getragen worden. Hunger und Elend hatten den Hurrapatriotismus aus den Köpfen vertrieben. Überall dort, wo es noch etwas zu bekommen war, prägten Menschenschlangen vor den Geschäften das Stadtbild. Die Bevölkerung begriff sich zunehmend als Opfer des Krieges, der auch 1916 nicht enden wollte.

PS: Der Krieg hemmte auch den Ausbau der regionalen Stromversorgung. 1916 erfolgte die Umwandlung der „Elektrizitätswerke Jenny & Schindler OHG“ in die „Vorarlberger Kraftwerke GmbH (VKW).“

Mit diesem Beitrag endet die Artikelserie zum Kriegsjahr 1916.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems