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28.11.2016

Hohenems im Ersten Weltkrieg (29)

Anton Peter mit der Kaffeemühle. Er bat um ein Italienisch-Lexikon, um sich im Lager die Zeit mit Lernen zu vertreiben. (Brief und Foto: Alfons Peter)

Mit der Regierungsübernahme von Kaiser Karl I. hoffte man auf ein Ende der Kampfhandlungen. Zuhause sahen die Menschen einem weiteren Hungerwinter entgegen und sorgten sich um ihre Soldaten und Kriegsgefangenen.

Kaiser Karl – An meine Völker: Noch ist der Wahn der Feinde nicht gebrochen. (HGBl. Nr. 49/1916)

Unmittelbar mit dem Tod von Kaiser Franz Josef trat Erzherzog Karl die Thronfolge an. In seinem Manifest versprach er, das Werk seines Vorfahren „fortzusetzen und zu vollenden“. Seine Wortwahl war geprägt von der Kriegsrhetorik, vermittelte aber in der Bevölkerung Optimismus. (HGBl. Nr. 48/1916) Kaiser Karl I. war sich bewusst, dass der Fortbestand seiner Donaumonarchie mit einem siegreichen Ende des Krieges verknüpft war.

Treuegelöbnis

Die Gemeindeväter betonten ihre Verbundenheit mit der Monarchie: „Wir alle wollen uns in altgewohnter Treue um den Thron der Habsburger scharren […]“. Sie erneuerten das „Gelöbnis der Liebe und Treue“ zu Kaiser und Reich: „Was in unseren schwachen Kräften liegt, wollen wir tun, um diesen Weltkrieg zu einem für uns glücklichen Ende zu führen, für die Ehre und den Ruhm des alten und doch ewig jungen Habsburger Reiches …“ (HGBl. Nr. 48/1916)

Neue Köpfe – neue Politik

Der politisch unerfahrene Karl übernahm eine für ihn kaum lösbare Aufgabe. Trotzdem versuchte er, mit neuen Köpfen in der Politik und im Militär die brennenden Probleme der geschwächten Monarchie anzugehen. Was er an den Frontlinien sah, machte ihm die dramatische Lage seiner Truppen immer bewusster. Daher suchte nach einem Weg, die Kampfhandlungen zu beenden. Allerdings war ein Alleingang ohne den Partner Deutschland unmöglich.

Der dritte Kriegswinter

Nach fünf Monaten brachte die Schlacht an der Somme mit unvorstellbaren Verlusten von rund 500.000 deutschen, rund 200.000 französischen und über 500.000 britischen Soldaten Ende November keine Entscheidung. Im Osten war die russische Kampfkraft mit weit über einer Million Gefallenen oder Verwundeten erschöpft. Ohne Kommunikation glitten die kriegführenden Staaten in einen dritten Kriegswinter hinüber. Das Kriegsministerium zog Hanfbindfaden-Vorräte ein, aus denen Strohschuhe als „Kälteschutzmittel sehr dringend für unsere im Winter im Felde befindlichen Soldaten“ erzeugt wurden. (HGBl. Nr. 44/1916)

Die Sprache des Feindes

Aus Friseur wurde ein Haarschneider, aus Dessinateur ein Zeichner und aus Modes eine Hutmacherin. (StaHo. 1916-1-G)

Kaum zu glauben, wo sich der Feind in Hohenems überall zeigte. Einige Geschäftsinhaber verwendeten seit Jahren auf ihren Firmenschildern französische Berufsbezeichnungen. Ab sofort mussten diese durch deutsche Worte ersetzt werden. Auch die Hutmacherin Anna Drexel hatte ihr Geschäftsschild „Modes“ zu entfernen.

Soldaten in Feindeshand

Gefangene – Weihnachtsfest fern von der Heimat. (HGBl. Nr. 45/1916)

Den Kriegsgefangenen, deren Aufenthalt bekannt war, konnten Pakete in die Lager geschickt werden. Die Kriegerhilfe Dornbirn unterstützte diese Aktion. Willkommen waren Zigarren und Schokolade wegen ihrer Haltbarkeit und als Tauschobjekte. Anfang November befanden sich 90 Soldaten aus Hohenems in Feindeshand. Die Gemeinde bat um Geld- und Sachspenden für Weihnachtspakete: „Jeder gebe etwas für die in Gefangenschaft schmachtenden Hohenemser Bürger, jede Spende ist willkommen.“ (HGBl. Nr. 45/1916)

Gefangenenlager auf Sizilien

Im Herbst war Anton Peter an der italienischen Front in Gefangenschaft geraten. Aus dem Lager in Piazza-Armerina (Sizilien) bedankte er sich für ein Paket von zuhause: „Es war alles in Ordnung und wurde erst hier in meiner Gegenwart zensuriert. Es bekommt mir alles recht wohl, was ihr mir geschickt habt, besonders die Tabaksachen, das Handtüchel, usw. […]“ Im Gefangenenlager hatte er für die Offiziere täglich frischen Kaffee zu mahlen und zu kochen. Meist schrieben Soldaten nur über private und familiäre Angelegenheiten. Hinweise auf eine militärische Situation wurden zensuriert, d .h. mit schwarzen Balken unlesbar gemacht.

PS: Wir gehen heute auf leisen Sohlen. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielten in den USA Stoffschuhe mit einer weichen Gummisohle den Spitznamen „sneakers“ (Schleicher). 1916 kam „Keds Champion“ – der berühmteste Tennisschuh Amerikas – auf den Markt.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems