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21.11.2016

Hohenems im Ersten Weltkrieg (28)

Kaiser Franz Josef – der Nestor unter den Monarchen – um 1910 (Foto: Bundesmobilienverwaltung)

Der Tod des Kaisers Franz Josef ließ das Kriegsgeschehen für kurze Zeit in den Hintergrund treten. Auf den großen Schlachtfeldern im Westen und Osten gab es nach wie vor keine Entscheidungen.

Im November 1916 schienen die Fronten im Westen und Osten unverrückbar, zerfurcht vom Beschuss der Kanonen, Massengräber für hunderttausende Soldaten. Auch vor den Toren von Schloss Schönbrunn machte der Tod nicht Halt.

Überall verstummten Spiel und Gesang

Wien trägt Trauer. (Vorarlberger Volksblatt, 23. November 1916)

„Nun ist es geschehen, das lange Gefürchtete, Unabwendbare.“ Diese Worte bestätigten Meldungen, die seit Tagen über die angegriffene Gesundheit des Kaisers kursierten. Kaiser Franz Joseph I. starb am 21. November 1916 im damals biblischen Alter von 86 Jahren. Eine Ära ging zu Ende.

Auf dem „Partezettel“ für den Monarchen war zu lesen: „Kaiser Franz Josef I., der Nestor unter den Monarchen, hat für immer die Augen geschlossen und ist heimgegangen zu seinen Vätern. Das Szepter ist der milden und doch starken Hand des Fürsten entfallen, mitten in dem furchtbarsten aller Kriege, den die Weltgeschichte kennt.“

Das Schicksal ersparte ihm nichts

In den Wirren der Revolution von 1848 hatte Franz Joseph I. die Regentschaft übernommen. Er war bestrebt, den auseinanderbrechenden Vielvölkerstaat zusammenzuhalten. Doch für die Schaffung der Doppelmonarchie war er zu weitreichenden Konzessionen gezwungen.

Während seiner 68-jährigen Regierungszeit trafen ihn mehrere Schicksalsschläge: Sein Bruder Maximilian wurde als Kaiser von Mexiko 1867 hingerichtet. Ein Attentäter ermordete 1898 Kaiserin Sisi in Genf, neun Jahre zuvor hatte sich der gemeinsame Sohn, Kronprinz Rudolf, in Mayerling das Leben genommen. Und dann 1914 die tödlichen Schüsse von Sarajevo auf den Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Gattin. Einmal äußerte sich der Kaiser resignierend: „Mir bleibt eigentlich nichts erspart!“

Krieg – ein Sargnagel für die Monarchie

Für einige Politiker im Umfeld des Kaisers – man sprach von der Wiener Kriegspartei – drängten nach dem Attentat in Sarajewo darauf, den Krieg gegen Serbien auszulösen. Die Historiker sind uneins, wie sehr der Kaiser diesen Krieg wollte und die Tragweite seiner Entscheidung bedachte. Der Generalstabchef Conrad von Hötzendorf warnte den Kaiser, dass der Krieg „zum Sargnagel für die Monarchie“ werden könnte.

Krieg sät Krieg

„Serbien muss sterbien!“ Propagandapostkarte, 1914 (Foto: Wien Museum)

1914 herrschte eine Mischung aus Kriegslust und politischem Leichtsinn. Fatal war sicherlich die Einschätzung, dass es sich nur um einen lokalen Konflikt handle, der schnell mit einem Sieg beendet werden könne. Die Unterschrift des Kaisers unter die Kriegserklärung an Serbien löste eine Kettenreaktion aus. Die europäischen Bündnisse und die Interessen Russlands wurden ebenso wenig mitbedacht. Die Kriegsmaschinerie setzte sich in Bewegung, die Europa in die „Urkatastrophe" führte.

Dankbarkeit und Treue

Für den 23. November 1916 lud Bürgermeister Alois Amann die Mitglieder des Gemeindesausschusses zu einer Trauersitzung ein. Er bekräftigte die Dankbarkeit der Gemeinde gegenüber dem verstorbenen Monarchen und gelobte Treue dem Nachfolger: „Es ist bekannt, wie unser Kaiser bestrebt war, Europa den Frieden zu wahren, es ist bekannt, wie schwer ihm der Entschluss gefallen ist, zu den Waffen zu greifen, um das Reich endlich von seinen Feinden zu erretten.“ (HGBl. Nr. 48/1916) Ein einstündiges „Trauergeläute“ trug die Kunde vom Tod des Kaisers in alle Häuser.

Und das Leben ging weiter

Die anfängliche Euphorie vom Kämpfen und Siegen ebbte allmählich ab. (HGBl. Nr. 46/1916)

Neben dem Gedenken für den verstorbenen Kaiser holte der Kriegsalltag die Menschen schnell wieder ein. Es mangelte an allem. Die Frauen wurden beim Einkaufen von Brot „ebenso höflich als dringend ersucht, die Papiersäcke in gutem Zustande […] zurückzubringen“. In die Metzgerei waren für gekauftes Fleisch „das Papier oder ein Gefäß selbst mitzubringen“ (HGBl. Nr. 48/1916). Mit der Dauer des Krieges folgte der Kriegsbegeisterung die Ernüchterung:
„Auch in des Dichters Zeilen wandelt´ sich der Sinn, verblasst´ die Euphorie vom schnellen Kriegsgewinn. Noch vor zwei Jahren wollt´ er den Krieg nur preisen, nun wurden Frauen Witwen, Kinder oft zu Waisen.“ [bed]

PS: In den USA baute Frank Conrad 1916 einen eigenen Radiosender. Jeden Mittwoch und Sonntag nachts bot er den Hörer/innen für zwei Stunden neben Nachrichten auch Unterhaltung und Musik an.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems