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08.11.2016

Hohenems im Ersten Weltkrieg (26)

Der Feldpost-Brief von Anton Peter an seinen Cousin Johann im Lazarett Montmédy (27. VIII. 1916) kam ungeöffnet mit dem Vermerk zurück: „Starb den Heldentot fürs Vaterland“ (Privatarchiv Alfons Peter)

Die Lage auf den Kriegsschauplätzen entwickelte sich nicht günstig. Statt eines ersehnten Friedens gab es neue Fronten. In der Bevölkerung war zunehmende Mutlosigkeit festzustellen. Herbstregen schmälerte die Ernteerträge.

Der oft zitiere Wahlspruch „Viel Feind´, viel Ehr´!“ wurde zur bedrückenden Realität. Die Kriegsgegner für die Mittelmächte wurden mehr, die Aussichten auf einen Frieden schwanden. Rumänien erklärte Ende August der Donaumonarchie den Krieg. Und Italien tat desgleichen gegenüber Deutschland, das war seit 1914 die 33. Kriegserklärung zwischen den sich bekämpfenden Staaten. Zudem schwächte die territoriale Ausweitung des Krieges die Offensiven im Südwesten.

Feldpost von der Front

Von der deutsch-französischen Front kamen auch Briefe nach Hohenems. Anton Peter hatte gute verwandtschaftliche Kontakte mit seinem Cousin Johann, der in der Nähe von Bad Waldsee lebte und daher im deutschen Heer diente. Nach einem Kurzurlaub in Hohenems musste Johann wieder an die französische Front und wurde schwer verwundet. Anton Peter – zu dieser Zeit selbst auf Heimaturlaub – schrieb seinem Cousin ins Lazarett in der Nähe von Sedan: „Kaum trennt uns ein Monat, seitdem Du uns durch deinen Besuch so große Freude bereitest und heute liegst du schon auf dem Schmerzenslager eines Lazaretts, getroffen von feindlicher Macht. Aus deinem Berichte kann ich mir ein Bild machen was für Stunden in Sorgen und Schmerz du inzwischen erlebt und durchgemacht haben magst. […]“ (Privatarchiv Alfons Peter)

Das Volk ging und folgte der Pflicht

Der nicht enden wollende Krieg und die Ernährungskrise verdrängten die anfängliche Kriegsbegeisterung. Militärische Erschöpfung und Versorgungsnot führten sowohl unter den Soldaten als auch unter der Zivilbevölkerung zu Kriegsmüdigkeit.

Zuhause fehlten in den Familien Arbeitskräfte und die Ungewissheit über das Schicksal von Vätern, Söhnen und Verwandten zehrte an der Zuversicht. „Man wunderte sich oft“, schrieb Pfarrer Renn Ende August, „über die gewaltige Macht des Staates, war sich aber doch bewusst: Einmal hats doch eine Grenze und nach und nach lässt diese Spannkraft der militärischen Diktatur nach.“ (emser almanach no. 30 S. 66)

Acht Kinder und der Mann im Krieg

Gasthaus „zur Habsburg“ in der Graf-Maximilian-Straße 19. Im Hintergrund rechts die Stickerei Drexel. Aufnahme um 1922. (Foto: Kulturkreis Hohenems)

Besonders kinderreiche Familien traf das Fehlen der Männer hart. So geschehen bei Johann Georg Amann (vulgo „Gutschers“), der die neu erbaute „Habsburg“ gekauft und ab1910 die Gastwirtschaft geführt hatte. Wegen der schlechten Versorgungslage konnte er den Gastbetrieb ab Jänner 1916 nicht mehr weiterführen.
Anfang August 1916 bekam Johann Georg (Jg. 1873) nach erneuter Musterung den Marschbefehl. Seine Gattin Katharina hatte sechs unmündige Kinder zu versorgen und erwartete Zwillinge. Da auf dem Besitz keine „Lasten“ eingetragen waren, bekam sie keine zusätzlichen Unterhaltsbeiträge für ihren eingerückten Mann. (StaHo. Sch. 64-Reg.Nr. 9, Zl. 2286/A.B. )

Zensurierter Patriotismus

Die Schlacht bei Gettysburg (1863), ein amerikanischer Kriegsfilm aus dem Jahre 1913 über eine Entscheidungsschlacht im Bürgerkrieg. (HGBl. Nr. 30/1916)

Das „1. Hohenemser Turnhalle Kino“ bot an Sonn- und Feiertagen ein buntes Programm. Kriegsbilder, Stummfilme aus den USA oder Vorführungen wie „Mit Gott für Kaiser und Reich“ (HGBl. Nr. 37/1916) sollten den Patriotismus stärken. Thematisch waren die Filme dem Kriegsgeschehen angepasst, in den Pausen gab es Musikvorträge. Verwundete und kranke Soldaten hatten freien Eintritt. Alle gezeigten Programmpunkte unterlagen der Zensur.

Ernteausfälle

Lange Trockenheit im August und anschließend eine vierwöchige Regenperiode wirkten sich auf die Ernteerträge aus. Obst gab es nur wenig, und für die Getreide-, Mais- und Kartoffelernte sah es nicht besser aus.
Da bei der Gemeinde Klagen wegen „Obstabreißen“ und „Aufsammeln“ von Früchten eingegangen waren, setzte die Gemeinde erneut eine Flurwache ein. Diese erhielt polizeiliche Befugnisse und hatte bestimmte Gebiete Tag und Nacht zu kontrollieren. Die Bewohner der Gemeinde wurden angehalten, „die außerhalb der Gemeinde liegenden Felder und Wiesen vor morgens halb 7 Uhr nicht zu betreten und dieselben spätestens abends 7 Uhr zu verlassen.“ (HGBl. Nr. 37/1916)
Anna Peter schrieb ihrem Bruder Anton, der trotz Heimaturlaub vorzeitig zum „Art. Baon in Szöny b. Komaron, Ungarn“ abkommandiert worden war, dass es auch ungebetene „Erntehelfer“ gebe: „Wir sind schon fleißig am einheimsen mit Obst, Türken und dgl. indem [weil] es häufig anderweitige Füsse bekommt.“ (Privatarchiv Alfons Peter)

PS: Anfang November 1916 wird in den USA Präsident Woodrow Wilson für eine zweite Amtszeit gewählt. Er war vor allem wegen seiner Antikriegshaltung populär. Auf den Wahlplakaten war zu lesen: „He kept us out of war!“ – „Er hat uns aus dem Krieg herausgehalten!“

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems