A+
A+
A+
Bürgermeldungen
drucken
Stadtplan
24.10.2016

Hohenems im Ersten Weltkrieg (24)

Die Brandruinen zwischen Christen- und Judengasse zeigen die zerstörerische Gewalt des Feuers. (Foto: Kulturkreis Hohenems)

Im Gemeindeblatt wurden seitenweise behördliche Kundmachungen, Verlautbarungen und Verbote veröffentlicht.

Lokale Ereignisse wie der Großbrand im jüdischen Viertel blieben unerwähnt. Den geplanten Offensiven der Entente fehlten vorerst der Nachschub an Soldaten und Material.
In den kriegführenden Ländern hungerten die Menschen. Trotz der dürftigen Versorgungslage war die Gemeinde weiterhin zur Abgabe vorgeschriebener Kontingente verpflichtet. Das zu Heereszwecken eingezogene Heu und Stroh führte im Frühjahr zu großem Heumangel. Außerdem ging der Gemeinde durch das abzuliefernde Schlachtvieh eine größere Anzahl milchliefernder Tiere verloren. (HGBl. Nr. 4 und 9/1916)

Zwangsbewirtschaftung

In der Habsburgermonarchie fehlte es an allen Ecken und Enden, die Versorgung mit Lebensmitteln verschlechterte sich 1916 zunehmend. Die Behörden gingen zu einer rigoroseren Zwangsbewirtschaftung über, der Ausgabe von Brot- und Mehlkarten folgten Milch-, Fett- und Kartoffelkarten. Alle Sennereien des Landes waren verpflichtet, 40 % der Buttererzeugung an den Landeskulturrat abzugeben, der den Gemeinden Kontingente zuteilte. Verschiedene Nahrungsmittel wurden von der Gemeinde nur an Bezugsberechtigte abgegeben.

Mangel von Rohmaterialien

Neben Metallen waren auch andere Rohstoffe Mangelware. Die Vorarlberger Papierfabriken boten Höchstpreise für Makulaturpapier, alte Zeitungen, Bücher und Stickereikartons. (HGBl. Nr. 11/1916) Das Ergebnis der ersten Sammlungen für Wolle und Kautschuk war aufgebraucht. Nun erging nochmals der Aufruf „Unbrauchbare Gegenstände aus Wolle“, Stoffe, Kleider, Wäsche sowie Gummigegenstände zu spenden, um den „Mangel bei der Versorgung der Armee im Felde“ zu beheben. (HGBl. Nr. 26/1916)

Großbrand in Hohenems: 1. Juli 1916

Die Sennerei Au hatte aus ihrer Produktion Butter nach Hohenems zu liefern. (StaHo, 1916-3-S; Zl. 2740)

Neben den Beschwernissen des Kriegsalltags traf Hohenems ein harter Schlag. Ein Großbrand zerstörte mehrere Häuser. „Das Feuer entstand durch drei spielende Kinder, welche neben einem Schuppen ein kleines Feuer entzündeten“ und aus Angst wegrannten, als es zu groß wurde. (StaHo, 1916-1-D)

Großer Brand: „Möge uns der Himmel in dieser ernsten Zeit vor weiterem Unglück bewahren.“ (VoV, 4. Juli 1916, S. 4)

Starker Wind fachte die Flammen zusätzlich an. Zu dieser Zeit war ein Großteil der Frauen und Männer im Ried bei der Feldarbeit. Mit Mühe konnten die Feuerwehren und Hilfskräfte den Brand eindämmen und benachbarte Häuser retten.

Feuerversicherung

Der gesamte „Brandschaden inkl. Mobilien etc.“ belief sich nach Angaben des Bürgermeisters auf ca.135.000 Kronen. Die Gemeinde forderte die Versicherungen auf, den Geschädigten schnell zu helfen. Auch die Kosten für die Verpflegung der Feuermannschaften und für die Aufräumarbeiten sollten von den Versicherungen rückerstattet werden. Ebenso mussten 500 Meter Wasserschläuche, die durch die Löscharbeiten total abgenützt waren, ersetzt werden. (StaHo, 1916-1-D)

Nähere Details über diesen Brand sind im Gemeindeblatt nicht erwähnt. Allein Dankadressen betroffener Hausbesitzer für die vielfältigen Hilfeleistungen sind abgedruckt. (HGBl. Nr. 28/1916)

Zweifrontenkrieg gegen die Mittelmächte

Die Entente plante bereits mit Jahresbeginn 1916 im Westen und im Osten Großoffensiven, um eine Entscheidung herbeizuführen. Aufkommende Kriegsmüdigkeit war auch in diesen Ländern zu spüren. Zusammen mit der russischen Brussilow-Offensive wollte die Entente die Schlagkraft der Mittelmächte im Zweifrontenkrieg zermürben. Der deutsche Angriff auf Verdun kam dieser Taktik zuvor. Und das Grauen des Krieges bekam einen neuen Namen: Verdun.

PS: Der Nahe Osten, wie wir ihn kennen, entstand vor 100 Jahren. Durch ein geheimes Abkommen (16. Mai 1916) planten Briten und Franzosen die Zerschlagung des Osmanischen Reiches und sicherten sich Interessensgebiete. Für die Araber ein Verrat, für die Region bis heute ein Desaster.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems