A+
A+
A+
Bürgermeldungen
drucken
Stadtplan
11.10.2016

Hohenems im Ersten Weltkrieg (22)

Endlich kommt der Rechte! Albanien – personifiziert als Mädchen – begrüßt den österreichischen Soldaten, der Italiener verzieht sich verärgert. (Zeitschrift Kikeriki, 6. Februar 1916)

Auch in den Wintermonaten gingen die Kampfhandlungen weiter. Deutschland suchte die Entscheidung gegen Frankreich und tat einen ersten Schritt in die Wirklichkeit des Vernichtungskrieges.

In Zeitungsberichten trat das Gesicht dieses Krieges immer deutlicher vor Augen. Jeder Krieg hat seine Gewinner und Verlierer. Die amerikanische Rüstungsindustrie boomte, die US-Waffen-Exporte an Krieg führende Staaten stiegen 1916 fast um das Vierfache. Großbritannien, Frankreich und Italien erhielten Waffen im Wert von über zwei Milliarden Dollar. Selbst Deutschland war Kunde der amerikanischen Waffenlobby. Die Entente rüstete auf, der Furor des Krieges erhielt neue Nahrung.

Erfolg im Süden

Albanien stand auf dem „Speisezettel“ mehrerer Nachbarstaaten, neben Österreich-Ungarn spekulierten Italien und auch andere mit einer Einnahme Albaniens. Im Jänner 1916 besetzten k. u. k. Truppen zwei Drittel des albanischen Territoriums. Sie bezeichneten sich nicht als Feinde, sondern als Freunde, um Christen und Muslime in gleicher Weise zu schützen. Entscheidend war dieser Erfolg nicht, aber kleine Siege machen große Niederlagen erträglicher.

Die Hölle von Verdun

Der gewaltige Angriff auf Verdun war vorherzusehen. Alle Zivil- und Militärhospitäler wurden geräumt, die Schulen geschlossen. Bereits im Februar wurden Teile der Bevölkerung evakuiert. (VoV, 5. März 1916)

An der Westfront begann im Februar die Offensive gegen Frankreich. Neben Flugzeugen, Panzern und Maschinengewehren kamen auch Flammenwerfer, Giftgas und zum ersten Mal Fesselballone zum Einsatz. Die Feldluftschiffer lieferten Informationen über Feindbewegungen und Treffsicherheit der Kanonen. Deutsches Trommelfeuer aus über 1.200 Geschützen donnerte auf die Stadt und Festung Verdun herab.

Damit rollte eine neue Phase des industrialisierten Krieges an. Diese Schlacht markierte den Höhepunkt der Materialschlachten an der französisch-deutschen Frontlinie. Bereits im März berichteten Zeitungen über die mörderischen Kämpfe, die Soldaten bezeichneten den Ort als „Blutmühle“ und „Hölle von Verdun“.

Nach Wochen hatte sich der Krieg festgefahren, die Kämpfe dauerten bis in den Dezember hinein an, der Frontverlauf war nahezu unverändert geblieben. Mehr als 700.000 deutsche und französische Soldaten waren in der Schlacht um die Stadt und die Festung Verdun getötet oder verletzt worden. Verdun kann man als stellvertretendes Ereignis für den blutigen und zugleich sinnlosen Stellungskrieg bezeichnen, der schon lange eigenen Regeln folgte.

Die Gräuel des Krieges

Ein Aufruf der Arbeiter-Versicherungs-Anstalt für Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg in Salzburg. (HGBl. Nr. 2/1916)

Nur punktuell waren Nachrichten über den Kriegsverlauf auch ein Thema im Gemeindeblatt. „Um auch allen unwahren Gerüchten und Redereien entgegentreten zu können“, veröffentlichte die Gemeinde erstmals Todesmeldungen von 62 Soldaten, die „Auf dem Felde der Ehre“ gefallen waren. (HGBl. Nr. 28/1916)

Bemerkenswert ist ein Inserat, das auf Probleme nach dem Krieg hinwies. Noch war Krieg, die Verwundeten und Amputierten in den Lazaretten. Die körperlichen Beeinträchtigungen vieler Kriegsverletzter blieben der Bevölkerung großteils verborgen. In den Zeitungen fehlten die Bilder, Briefe und Postkarten der Soldaten unterlagen strenger Zensur, die Verantwortlichen wussten schon warum. Bereits vor über 2.000 Jahren schrieb der Historiker Titus Livius: „Zeigt [den Menschen] nur den Krieg, und ihr werdet Frieden haben.“ (Ostendite modo bellum, pacem habebitis.)

Nachmusterungen

Standschützen-Urlaube: Im Falle der Familie Fenkart konnte diese Mitteilung die Emotionen in der Bevölkerung nicht besänftigen. HGBl. Nr. 15/1916

Die gelichteten Reihen der Frontsoldaten mussten aufgefüllt werden, laufend wurden Jahrgänge für den Landsturm nachgemustert. Auch Hohenemser, die von Berufs wegen vom Dienst mit der Waffe bis anhin befreit waren – wie Lehrpersonen, Geistliche, Rabbiner, Mesner oder Apotheker – wurden zur Nachmusterung aufgefordert. Die Zahl der Tauglichen sank stark, von 265 Mann der Jahrgänge 1897 – 1866 waren nur 48 tauglich. Körperliche Arbeit, Alter und schlechte Ernährung wirkten sich auf die Gesundheit aus. Die Familie Witzemann im Unterklien hatte bereits sechs Söhne im Krieg, auch der Älteste erhielt nun den Marschbefehl. (HGBl. Nr. 24/1916)

Keine Beurlaubung für Standschützen

Hart traf das Schicksal den Bäckermeister Johann Fenkart, der vom Tod seiner Frau Theresia erfahren musste und vier kleine Kinder zuhause hatte. „Der Gatte durfte zum Leichenbegängnis nicht aus dem Felde. Dann sollten aber höhere Offiziere bei ähnlichen Anlässen auch nicht heim dürfen oder wie der Generalstabchef Hötzendorf geschiedene Weiber als Konkubinen halten dürfen.“ Solch kritische Worte war man von Pfarrer Renn nicht gewohnt. (emser almanach no. 30, S. 58)

PS: Voll Begeisterung meldete sich der Maler Franz Marc (Kreis des „Blauen Reiter“) 1914 als Freiwilliger. Marc schildert Verdun als das „Unglaubliche“, er fällt am 4. März 1916 in der „Knochenmühle Verdun“.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems