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Bürgermeldungen
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Stadtplan
03.11.2016

Hohenems im Ersten Weltkrieg 1916 (25)

Das Tank-Modell Mark I hatte zu viele Kinderkrankheiten, mechanische Schäden reduzierten seine Einsatzmöglichkeiten. Das Überraschungsmoment ging verloren. (© Ernest Brooks)

Die Offensiven der Entente brachten geringe Erfolge, die erwartete Schwächung der Mittelmächte blieb aus. In den Städten gab es erste Hungerproteste und Plünderungen von Geschäften. Zuhause verstummte der Klang der Großen Glocke.

Am 4. Juni 1916 begann Russland an der Ostfront mit einem Großangriff. Im südlichen Frontabschnitt wurden die österreichisch-ungarischen Truppen von den Russen überrannt. In nur drei Tagen hatte Österreich-Ungarn über 200.000 Soldaten verloren. Entscheidend für diese Niederlage war – nach der Meinung von Historikern – die schwache Kampfmoral. Denn fast die Hälfte der Verluste waren Gefangene. Weitere russische Offensiven waren zu erwarten.

Britische Tanks

Die französischen Streitkräfte waren bei Verdun in arger Bedrängnis. Zur deren Entlastung begannen britische Verbände Ende Juni 1916 eine Großoffensive mit einer Armee aus Freiwilligen. Ihr Befehl lautete, am Flüsschen Somme (Nordfrankreich) die deutsche Front zu durchbrechen. Erstmals setzten die Briten Tanks ein, die Deutschen nannten sie „Panzerautos“. Der Einsatz der „Tankwaffe“ schockte den deutschen Generalstab.

Gewaltige Verluste ohne Landgewinn

Trotz einwöchigem Trommelfeuer gelang es aber nicht, die deutschen Stellungen zu zerstören. Erste Angriffe der britischen Freiwilligeninfanterie endeten im Stacheldraht und Maschinengewehrfeuer der Deutschen. Auf Seiten der Angreifer und Verteidiger stiegen die Verluste in die Hunderttausende. Der Frontverlauf blieb beinahe unverändert.

Listen der Gefallenen

Meldungen von Verlusten und Niederlagen waren Anlass für allerlei Gerede, da von den eingerückten Soldaten wenige Nachrichten eintrafen. Um „Gerüchte und Redereien“ zu unterbinden, wurden Listen der Gefallenen aus Hohenems seit 1914 im Gemeindeblatt abgedruckt. Bis Anfang Juli 1916 waren insgesamt 62 Todesmeldungen bei der Gemeinde eingetroffen, neue Nachrichten zu „Auf dem Felde der Ehre sind gefallen“ sollten künftig ebenfalls im Gemeindeblatt veröffentlicht werden. (HGBl. Nr. 28/1916)

Die Teuerung schritt weiter voran

Die Einführung neuer Steuern und die zunehmend schlechte Versorgung führte zur Schließung der Wirtschaft Krone (HGBl. Nr. 27/1916)

Da zusätzliche Steuern angekündigt wurden, kauften die Leute einige Waren auf Vorrat wie Zündhölzer, die durch die Kriegssteuer doppelt so teuer wurden. Die Preise für Rauchwaren stiegen ebenfalls, Zigaretten waren Mangelware. Für Biertrinker kamen schlechte Zeiten: Von 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends durfte nur ein 1 Liter pro Person ausgeschenkt werden; das Bier hatte zudem weder Gerste noch Malz gesehen. (HGBl. Nr. 40/1916)

Hungerkrawalle

In Wien war es bereits im Mai zu den ersten Unruhen gekommen. Jugendliche schlugen Schaufenster ein und plünderten Lebensmittelgeschäfte. Frauen gingen auf die Straße und forderten ein Ende des Krieges. Die Polizei reagierte mit Verhaftungen und Ausgangssperren, noch sorgte die Zensur dafür, dass darüber in den Zeitungen nichts zu lesen war. Lange Menschenschlangen vor den Geschäften und sinkende Lebensmittelrationen bildeten in den Städten ein latentes Potential neuer Unruhen.

Wochenmarkt

Markt mit Feld- und Gartenfrüchten: Zusätzlich gab es Informationen und Kurs-Angebote zum Anbau von Gemüse. (HGBl. Nr. 27/1916)

Die Gemeinde organisierte einen Wochenmarkt auf dem Kirchplatz, das Angebot von Gartengeräten sollte die Bewirtschaftung zusätzlicher Ackerflächen und damit die teilweise Selbstversorgung der Bevölkerung ermöglichen.

Als sich das Militär am Glockengut vergriff

Die „Große Glocke“ wog 2.650 kg und wurde am 30. August 1857 erstmals geläutet. Ein Tribut der Pfarrgemeinde Hohenems an den Krieg. (Foto: Kulturkreis Hohenems)

Die Kriegsfurie forderte Metalle und besonders Kupfer. Ende Juli hatten Frauen viele kupferne Küchengeräte abgegeben, doch das war noch nicht genug.
Am 18. August 1916 musste die „Große Glocke“ als Kriegsopfer abliefert werden. Als diese zum letzten Mal läutete, „haben harte und weiche Männer in dieser Stunde geweint.“ Die Schalllöcher des Turmes waren zu schmal, um die Glocke als Ganze herunterzuholen. „So wurde sie auf dem Turm zerschlagen. Es waren wehmütige Töne, die man hören musste.“

Mit großer Betroffenheit beschrieb Pfarrer Renn dieses Ereignis: „Vielen Leuten schwand das Vertrauen in die Mittelmächte, als sich das Militär am Glockengut vergriff.“ (emser almanach no. 30, S. 64f) Andere wiederum meinten, dass der Krieg bald zu Ende sein werde, wenn die Kugeln aus dem geweihten Glockenmetall den Gegnern um die Ohren flögen.

PS: Es gab auch friedliche Projekte während des Krieges: Die Transsibirische Eisenbahn, die längste Eisenbahnstrecke der Welt, wurde 1916 ihrer Bestimmung übergeben.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems