A+
A+
A+
Bürgermeldungen
drucken
Stadtplan
18.10.2016

Hohenems im Ersten Weltkrieg 1916 (23)

Eugen Peter – Ab und zu gab es auch eine Ruhepause an der Front. (Foto: Lydia Häfele)

Im Südwesten sollte eine Offensive einen schnellen Sieg erzwingen. Doch Wetterkapriolen vereitelten die erwarteten Erfolge. Zuhause musste die Bevölkerung weitere Einschränkungen hinnehmen, die Preise für Lebensmittel stiegen enorm an.

Anfang 1916 informierten sich Deutschland und Österreich-Ungarn eigenartigerweise nicht über ihre militärischen Pläne. Beide versuchten mit neuen Taktiken, die feindlichen Linien aufzubrechen und so den Gegner aus den gesicherten Stellungen zu vertreiben. Der Einsatz von Truppen und Material wurde auf beiden Seiten gesteigert, Verwüstung und Vernichtung waren Töchter des Krieges.

Lage im Südwesten

Die österreichisch-ungarische Front hatte im Herbst 1915 gegen das neu in den Krieg eingetretene Italien standgehalten. Anfangs war es ein „Krieg der Bergführer“. Patrouillen und Gruppen besetzten Höhenstellungen als Beobachtungsposten, um eine Umgehung von Talstellungen zu verhindern. Für 1916 plante der österreichisch-ungarische Generalstab eine Offensive, da man den italienischen Verstärkungen zuvorkommen wollte. Doch durch einen Wintereinbruch im Mai und eine schlechte Koordination der Truppen ging der Überraschungseffekt verloren. Zudem entwickelte sich die Kriegslage direkt an der Front anders als am grünen Tisch geplant.

Aus einem Kriegstagebuch

Die Brüder Anton, Eugen und Josef Peter waren an verschiedenen Abschnitten der Front im Südtirol stationiert. Anton schilderte seine Eindrücke in Tagebüchern: „[…] Am Vorabend dieses Tages [9. Mai] verließen die Unsrigen die Stellung auf Capi und Defentionsmanier. Wurde aber wieder genommen. Es waren heftige Gefechte. Beiderseits bedeutende Verluste, hauptsächlich durch Artillerie und Steinschläge. Die verhältnismäßig kleine Stellung ‚Bergrücken‘, am Abhang gegen das Ledrotal einerseits und gegen die Ponalestraße andererseits, wurde vom Feinde mit ca. 28 Batterien beschossen.“ (Privatarchiv, Alfons Peter)

Der Krieg ist der Vater aller Dinge

Auf Anordnung des Bürgermeisters mussten alle öffentlichen Uhren „vorgerückt“ werden. (HGBl. Nr. 18/1916)

Die Geschichte der Sommerzeit ist älter, als manche vermuten. Sie wurde im Deutschen Reich und ebenso in Österreich-Ungarn erstmals am 30. April 1916 eingeführt. Die Zeitumstellung sollte Energie sparen für die Waffenproduktion. Eine Stunde mehr Tageslicht bedeutete auch eine Stunde mehr Arbeitszeit, damals ein nicht unbedeutender Aspekt für die Rüstungsindustrie. Pfarrer Renn meinte zur Zeitumstellung: „Es war am Morgen recht bemerkbar, da es nicht tagen wollte.“ (emser almanach no. 30, S. 59)

Kupferpfannen für Munition

Die Wirtschaftblockaden gegen die Mittelmächte veranlassten immer drastischere Maßnahmen. Die Armeen brauchten Nachschub. Rohmaterialien fehlten, vor allem Edelmetalle wie Kupfer waren für die Produktion von Waffen und Munition notwendig. Firmen, Händler, Inhaber von Gast- und Schankbetrieben, Klöster und Vereine hatten nun ein Drittel ihrer Metallgeräte verpflichtend abzuliefern. Privathaushalte waren aufgefordert, Kochgeschirr, Pfannen und Wasserschiffe aus Kupfer freiwillig gegen Bezahlung abzugeben, d. h. es gab eine Gutschrift, die Auszahlung sollte später erfolgen.

Tuben aus Blei und Zinn

Drähte, Rohre, Armaturen und selbst Stanniolpapier waren verwertbare Rohstoffe. (HGBl. Nr. 30/1916) Die Direktion der Knaben-, Volks- und Bürgerschule und die Leitung der Mädchenschule forderten Eltern und Kinder dazu auf, den Mangel an Zinn und Blei durch Sammeln von leeren Cremetuben auszugleichen, um für die „Bedürfnisse der im Kampf stehenden Armee fortgesetzt Vorsorge zu treffen […]“. (HGBl. Nr. 26/1916)

Das Ende des Wiener Schnitzels

Oh diese Zeiten! Ab Ende1916 war in den Kaffeehäusern jeder Ausschank von Milch- und Nachmittagskaffee verboten. (Homunkulus alias Robert Weil, 1916)

Die Preise für Lebensmittel stiegen fortwährend. Vor dem Krieg kostete 1 kg Butter 2,40 Kronen, im zweiten Kriegsjahr 12 Kronen, für eine Packung Teigwaren musste man mehr als das Zehnfache bezahlen. Behörden setzten Höchstpreise für Fleisch und Nahrungsmittel fest.

Der 25. Juli 1916 war der erste „ganz fleischlose Tag“. Dem Gastgewerbe und den Haushaltungen wurden zwei fleischlose Wochentage (Dienstag und Freitag) vorgeschrieben; die Verordnung verbot überhaupt alle in zerlassenem Fett herausgebackenen oder gebratenen Speisen (HGBl. Nr. 31-33/1916). Die fettlosen Tage bedeuteten – voraussichtlich bis einige Zeit nach Kriegsende – das „Ende des Wiener Schnitzels“ oder von gerösteten Kartoffeln u. v. a. m. Manche Wiener Wirte reagierten darauf, indem sie für ihre Gäste vegetarische Speisen zubereiteten.

PS: Albert Einstein veröffentlichte im März 1916 in der Fachzeitschrift „Annalen der Physik“ den Artikel „Die Grundlage der allgemeinen Relativitätstheorie“.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems