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05.07.2016

Beethoven und Mahler in der Kirche

Das Kammerorchester Arpeggione sorgte erneut für einen unvergesslichen Abend.

Das traditionelle Open-Air-Konzert des Kammerorchesters Arpeggione am vergangenen Samstag, dem 2. Juli 2016, fand witterungsbedingt in der Pfarrkirche St. Karl statt.

Die Auswahl der Werke, die ausführenden Künstler und nicht zuletzt der Ort des Geschehens haben das Flair des Besonderen. Doch oft muss das Konzert witterungsbedingt vom stimmungsvollen Hof des Palastes in die benachbarte Pfarrkirche St. Karl verlegt werden, und so war es auch an diesem verregneten Samstagabend. Damit geht vor allem eine Veränderung des Klangbildes einher. Denn der Palasthof hätte, wenigstens annähernd, die Akustik eines Konzertsaales, die hohe und weite Kirche aber ist nicht gebaut für ein klassisches Symphoniekonzert. Der Nachhall ist sehr lang, sodass sich vor allem bei raschen Passagen die Klänge überlagern, umgekehrt kommen zart musizierte Stellen kaum zur Geltung. Das kann als Nachteil empfunden werden. Jedoch könnte man auch wertschätzen, hier einmal ein Klangerlebnis zu haben, das nicht alltäglich ist, nämlich anders als den perfekt gestylten Klang, den wir ständig aus allen möglichen Quellen zur Verfügung haben.

In der Kirche war dieser Klang sogar physisch erlebbar, wenn bei den kraftvollen Stellen die Kirchenbänke vibrierten. Solche Überlegungen konnten natürlich kaum die Spielweise des „Arpeggione“ unter seinem Gast Muhai Tang beeinflussen, vielmehr ließen sie die gleiche Sorgfalt walten, wie im Konzertsaal. Beethovens berühmte dritte Sinfonie „Eroica“ erfreute mit gut gewählten Tempi, mit mitreißender Energie und Dynamik. Das hat der prominente – 1949 in eine chinesische Künstlerfamilie hineingeborene – Dirigent bei Herbert von Karajan gelernt, der ihn einst gefördert hat. Das „Arpeggione“ folgte Muhai Tang mit großem Elan und Können, besonders die in dieser Sinfonie sehr exponierten Holzbläser stachen hervor. Diese hatten auch beim ersten Programmpunkt des Abends eine herausragende Rolle, den „Kintertotenliedern“ von Gustav Mahler. Stargast des Abends war erneut die Mezzosopranistin Vesselina Kasarova, die schon im letzten Jahr beim „Arpeggione“ sang. Ihre Stimme hat den weiten Umfang, den diese Lieder erfordern, sie hat auch die große Linie und eine klare Diktion, die die wunderbaren Texte Friedrich Rückerts wenigstens halbwegs verständlich machten.

Es war faszinierend, ihre erdigen Töne zu vernehmen und ihre harmonischen Bewegungen zu sehen: Alles war so authentisch, so aussagestark wie nur große Kunst es ist. Da ist es unbedeutend, dass der eine oder andere Ton nicht die vom Komponisten gewünschte Tonhöhe hatte. Frau Kasarova erntete großen Applaus für ihre Darbietung. Stadtrat Günter Mathis zeigte sich ebenfalls sehr angetan. Auch die gelungene Organisation, die trotz des Schauplatzwechsels vom Palasthof in die Pfarrkirche St. Karl – dank Unterstützung des Gesangvereins – reibungslos funktionierte, sei hier explizit hervorgehoben.