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Stadtplan
03.02.2021

Ein ehrwürdiges Geburtstagsfest für den Hohenemser Rabbiner Aron Tänzer

Aron Tänzers Enkel Uri war live aus den USA zugeschaltet – hier im Gespräch mit Hanno Loewy.

Anlässlich des 150. Geburtstags von Aron Tänzer veranstaltete das Jüdische Museum Hohenems in Kooperation mit der Stadt Hohenems am vergangenen Samstag, dem 30. Jänner 2021, einen „Online-Festakt“.

An diesem virtuellen Geburtstagsfest konnten somit die Nachkommen aus den USA sowie internationale Vertreter aus Ländern seiner Wirkungsstätten teilnehmen, wie die Jüdische Gemeinde Bratislava, die Stadt Göppingen und das Jüdische Museum Meran. Gemeinsam wurde an den Mann, der sich durch seine Großzügigkeit, sein soziales Engagement und seine Wissbegierigkeit auszeichnete, erinnert.

Aron Tänzer wurde im Jahr 1871 in Bratislava geboren und kam nach seinem Studium 1896 als Rabbiner mit seiner Frau nach Hohenems. Tänzer gilt auch als jüdischer Reformer, engagierter Volksbildner und setzte sich für viele Themen des gesellschaftlichen Lebens ein. Er gründete unter anderem den „Bildungsclub Hohenems“, ein Verein für Erwachsenenbildung, in dem er Vorträge über Literatur und Geschichte hielt.

Darüber hinaus publizierte er zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Sein 1905 veröffentlichtes Werk, die „Geschichte der Juden in Hohenems“ gilt als eine der wichtigsten Grundlagen für das Jüdische Museum Hohenems. Im Zuge seiner Recherchearbeiten musste er feststellen, dass die Akten der Gemeinde in keinem guten Zustand waren und diese wissenschaftliches Arbeiten nicht ermöglichten. Somit vereinbarte er mit dem damaligen Bürgermeister August Reis, mit dem er freundschaftlich verbunden war, das Archivgut zu sichten, zu sortieren und zu dokumentieren. Er gliederte den Bestand in 61 sogenannte „Faszikel“ und dokumentierte diese in einem „Archiv-Register“.

Bereits im Jahr 1905 verließ Tänzer Hohenems wieder. Das von ihm angelegte Archiv wurde zunächst fortgeführt, jedoch überarbeitet und ergänzt. Das damals entstandene Archiv wird bis heute als Aron-Tänzer-Archiv bezeichnet und häufig in historischen Forschungen zitiert. Leider sind in den Wirren des 20. Jahrhunderts einige von Tänzers verzeichneten Akten verloren gegangen und nach dem Zweiten Weltkrieg brach die strukturierte Archivarbeit fast vollständig ein. Erst ab 1985 wurde das Archiv von Mitgliedern des Hohenemser Kulturkreises wieder betreut.

Der Stadt Hohenems ist es ein besonderes Anliegen, das Stadtarchiv weiterzuentwickeln und zu modernisieren. Mittelfristig soll dieses vom derzeitigen Standort im Pfarrheim in größere und geeignetere Räumlichkeiten übersiedeln und der Öffentlichkeit stärker zugänglich gemacht werden. Seit März 2020 bemüht sich der neue Stadtarchivar Mario Lechner um dieses historische Erbe.

Das Geburtstagsgeschenk

Dem Jüdischen Museum Hohenems, den Nachkommen von Aron Tänzer und der gesamten Stadt Hohenems wird ein besonderes Geschenk gemacht: Der Ort vor dem Jüdischen Museum soll die Bezeichnung „Aron-Tänzer-Platz“ bekommen. Direktor Hanno Loewy überreichte Bürgermeister Dieter Egger symbolisch das künftige Straßenschild. Die Benennung soll in der nächsten Stadtvertretungssitzung ihren offiziellen Beschluss bekommen.

„Mit diesem Schritt möchten wir das Andenken von Aron Tänzer in Hohenems ehren“, so Bürgermeister Dieter Egger. Uri Tänzer, der Enkelsohn von Aron Tänzer, der aus New Jersey (USA) an der digitalen Feier teilnahm, war sichtlich gerührt und bedankte sich beim Bürgermeister für dieses wertschätzende Geschenk.