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Stadtplan
08.06.2021

Corona zeigte neue Facetten von Armut auf



2020 war für alle ein herausforderndes Jahr, für viele Menschen auch mit großen persönlichen Krisen verbunden. Die Präsentation des Wirkungsberichts 2020 der Caritas Vorarlberg, die vergangene Woche im neuen Lerncafé in Hohenems stattfand, ist einerseits eine Rückschau auf ein ungewöhnliches Jahr, gleichzeitig aber auch ein Ausblick auf die anstehenden Herausforderungen.

Corona brachte mit sich, dass Menschen auf Hilfe angewiesen sind, die es nicht für möglich gehalten hätten, in solch eine prekäre Situation zu geraten. Aber auch im Bereich der Suchtberatung gibt es eine markante Zunahme: „Seit Jahresbeginn verzeichnen wir einen massiven Anstieg der Anfragen in der Suchtberatung um 140 Prozent. Das ist Ausdruck für den massiven Druck, unter dem viele Menschen und Familien derzeit stehen. Und schließlich macht auch die Erfahrung von Isolation und Einsamkeit Menschen in Vorarlberg massiv zu schaffen. Insgesamt hat die Caritas über 12.000 Menschen direkt geholfen – die große Zahl der Angehörigen nicht mitgezählt“, so Caritasdirektor Walter Schmolly.

Blick nach vorne: Fokus auf Kinder und Jugendliche

Um den wachsenden sozialen Problemlagen vorzubeugen, sieht die Caritas drei Handlungsstränge: 

  • Die Halbierung der Zahl von Armut betroffener oder gefährdeter Kinder.
  • Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen sichern.
  • Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der nachhaltigen Gestaltung der Zukunft.

Stabilität und Verlässlichkeit besonders gefragt

Die neun Lerncafés in ganz Vorarlberg boten im vergangenen Jahr insgesamt 312 Kindern und Jugendlichen Stabilität und Verlässlichkeit. „Eltern sorgen sich sehr, wenn ihre Kinder die Schule nicht gut bewältigen können. Umso mehr belastete es sie, wenn sie die Aufgaben im ‚Distance Learning‘ nicht gut begleiten konnten oder auf Grund der umfassenden Digitalisierung keinen Einblick in die Aufgaben ihrer Kinder hatten“, so Stellenleiterin Bea Bröll zu den Erfahrungen in den Lerncafés.

Strukturen und regelmäßige Abläufe sind durch Corona weggebrochen. Die schrittweise Lockerung bringt nun auch wieder Stück für Stück Normalität in die Lerncafés: „Es bestätigt sich, dass sich Kinder und Jugendliche durch die Kombination zwischen Lernen und Begegnung gut entfalten können“, so Bröll.

Best Practice: Das neue Lerncafé in Hohenems

Am Beispiel des neuen Lerncafés in Hohenems wird deutlich, wie es gelingt, Kindern gerechte Bildungschancen zu ermöglichen: „Wir haben uns von Seiten der Stadt Hohenems das Ziel gesetzt, dass jedes Kind zumindest einen Pflichtschulabschluss schafft“, erläuterte Vizebürgermeisterin Patricia Tschallener. „Manche Kinder brauchen Lernhilfen außerhalb der Räumlichkeiten der Schule. Sie brauchen die Unterstützung durch Menschen, die ihnen auch die kleinsten Fortschritte aufzeigen und sie so motivieren dranzubleiben. Hier braucht es uns alle – Gemeinden, Privatpersonen, Unternehmen und auch soziale Einrichtungen, wie die Caritas. Es müssen schnelle, einfache Lösungen gefunden werden, die nur gemeinsam zu erreichen sind“, so Tschallener.