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10.11.2020

Primar Dr. Peter Cerkl vom LKH Hohenems zur Corona-Pandemie:

Die Intensivstationen stoßen an ihre Grenzen.
Primar Dr. Peter Cerkl

„Was viele befürchtet haben und manche nicht glauben wollen, tritt nun gerade ein. Corona hat sich mit steigenden Infektionszahlen vehement zurückgemeldet.

Ursache hierfür ist einerseits der Herbstbeginn (kalte Temperaturen erhöhen die Infektiosität des Virus, man hält sich wieder vermehrt in geschlossenen Räumen auf), andererseits sind wir auch müde geworden. Müde, ständig von Corona hören zu müssen, müde, Masken zu tragen, Hände zu waschen, Abstand zu halten und soziale Kontakte zu reduzieren.

Das Problem ist aber, dass nicht wir – Sie und ich, die Menschen, die Wirtschaft oder die Politik – den Takt vorgeben können, wie die Situation verlaufen wird, sondern das Virus. Wir sind jedoch gefordert, unseren Beitrag zu leisten: Jeder einzelne von uns!
Ich bin immer wieder verblüfft, wie leichtfertig wir mit dem Leben unserer Mitmenschen spielen, um unsere persönlichen Freiheiten nicht einschränken zu müssen. Man soll mich bitte nicht falsch verstehen: Ich will niemandem das Recht auf eine Corona-Infektion absprechen, wenn man sich dazu entscheidet, die Maßnahmen nicht einzuhalten. Es stellt sich nur die Frage, ob die Menschen (vielleicht auch ältere und Risikogruppen), die dadurch „unfreiwillig“ angesteckt werden, sich entscheiden durften.

Selbsternannte Experten und statistikverliebte Zahlenjongleure versuchen uns ständig davon zu überzeugen, dass es sich bei einer Corona-Infektion „nur“ um eine leichte Grippe handelt oder gar einen harmlosen Fledermausschnupfen. Sie verbreiten, dass die Sterblichkeit gering und mit Grippe vergleichbar ist. Zum einen bin ich der Meinung, dass jeder Schwerkranke oder Tote, der vermeidbar wäre, einer zu viel ist.

Zum anderen hatten wir bedingt durch den ersten Lockdown eine lächerlich geringe Anzahl von aktiv Infizierten und damit auch ausreichend Platz auf unseren Intensivstationen. Momentan stellt sich uns die Lage allerdings anders dar. Die Sterblichkeit hängt direkt mit den Betten auf den Intensivstationen zusammen. Ich möchte Ihnen eindringlich mitteilen, dass – wenn die Zahlen weiter so steigen – in spätestens 14 Tagen unsere Intensivbetten in Vorarlberg voll sind.

Verordnungen, Empfehlungen oder Verbote werden keine Wirkung zeigen, wenn wir im privaten Bereich nicht konsequent mithelfen, die Infektionszahlen wieder zu drücken!
Es ist nun an uns allen, dass wir für die Gesundheit aller im Land weiterkämpfen, Maske tragen, Hände waschen, Abstand halten und vor allem private Kontakte außerhalb der engsten Familie fürs Erste drastisch einschränken. Oder aber wir geben auf und nehmen mehr Schwerkranke und Tote in Kauf. Für mich ist das kein Weg!“