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07.10.2020

Ausstellungseröffnung: „Die letzten Europäer“

Ausstellungseröffnung: „Die letzten Europäer“ (Foto: Dietmar Walser)
Ausstellungseröffnung: „Die letzten Europäer“ (Foto: Dietmar Walser)

Am Sonntag, dem 4. Oktober 2020, wurde die aktuelle Ausstellung des Jüdischen Museums Hohenems – „Die letzten Europäer – Jüdische Perspektiven auf die Krisen einer Idee. Die Familie Brunner. Ein Nachlass“ – im Salomon-Sulzer-Saal feierlich eröffnet.

Museumsdirektor Hanno Loewy erzählte in seiner Begrüßung über die Herausforderungen in der Umsetzung dieser Ausstellung, die auf Grund von Corona ein halbes Jahr verspätet eröffnet wurde. Er informierte auch darüber, dass das Jüdische Museum innerhalb des nächsten Jahres ein Ort der offenen Debatte über die Zukunft Europas sein wird. Unter dem Titel „A Very Central European University“ werden ein europäisches Tagebuch geführt, Informationen zur Ausstellung bereitgestellt sowie Vorträge, Gespräche und Diskussionen veranstaltet, die auch über digitale Medien verfolgt werden können. Die Ausstellung kann bis zum 3. Oktober 2021 besucht werden.

Brüchige Grenzen erfordern Diskurs und Reflexion

Als überzeugter Europäer betonte Bürgermeister Dieter Egger in seiner Begrüßung die Wichtigkeit des Diskurses und der Reflexion über Europa. Die aktuelle Situation zeigt uns wesentliche Themen auf, die eine sachliche Analyse benötigen und aus der wir viel lernen können. Er bedankte sich beim Jüdischen Museum und beim Kuratorenteam für diese wichtige Ausstellung, die in Hohenems gezeigt wird.

Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink erwähnte den aktuell mühsamen Weg, den wir derzeit in Europa erleben, der brüchige Grenzen aufzeigt, die wenig belastbar sind. Sie ist aber davon überzeugt, dass durch den Diskurs wieder Kompromisse möglich werden. Diese Ausstellung in Hohenems hat internationale Strahlkraft. Dafür zollte Schöbi-Fink Hanno Loewy und seinem Team höchsten Respekt.

Die Eröffnungsrede hielt die Kulturanthropologin Aleida Assmann, führende europäische Kulturwissenschaftlerin auf dem Gebiet des kulturellen Gedächtnisses, des Erinnerns und des Vergessens. Assmann ging in ihrer Rede auf Stefan Zweig ein, dessen Familie mütterlicherseits aus Hohenems stammt. Sein Wunsch war die Entwicklung einer wachsamen Gesellschaft. Er setzte sich unter anderem stark für eine Lehrplanänderung, von der Kriegsgeschichte hin zur Kulturgeschichte, in den Schulen nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

Die Familie Brunner. Ein Nachlass.

Ariel Brunner, als direkter Nachkomme der Hohenemser Familie Brunner, kam unter erschwerten Reisebedingungen aus Brüssel zur Eröffnung. Der Nachlass seines Vaters Carlo Alberto Brunner wurde als Dauerleihgabe an das Jüdische Museum übergeben. Die Geschichte der Familie wird in der Ausstellung gezeigt, kuratiert von Hannes Sulzenbacher.

Der Hauptteil der Ausstellung wurde durch die beiden Kuratorinnen Michaela Feurstein-Prasser und Felicitas Heimann-Jelinek im Untergeschoß des Museums umgesetzt. Dabei wird der europäische Imperativ „Nie Wieder!“ stark in Frage gestellt. Die Werte der Aufklärung, die die Grundlage europäischer Verständigung nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts bildeten, werden in ihr Gegenteil verkehrt und so zum Instrument der Abschottung und der Ausgrenzung. Die Corona-Pandemie ließ die europäische Gemeinschaft noch weiter auseinander statt näher zusammenrücken.

Begleitende Veranstaltungen und Führungen sowie weitere Informationen finden Sie unter www.jm-hohenems.at!