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Bürgermeldungen
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Stadtplan
20.12.2019

Hohenems spricht sich gegen Steinbrucherweiterung aus

v. l. Planungsstadtrat Markus Klien, Umweltstadtrat Gerhard Stoppel, Bürgermeister Dieter Egger, Wirtschaftsstadtrat Arno Gächter

Bürgermeister Dieter Egger stellt nun klar:
„Als uns die Betreiber ihre Erweiterungspläne für den Steinbruch Rhomberg in Hohenems vorgelegt haben, haben wir klar deponiert, dass wir eine sachliche und fachliche Prüfung anhand folgender Kriterien vornehmen werden:

  1. Die Sicherheit der Bürger in den Stadtteilen Unterklien und Emsreute muss zu 100 % garantiert sein.
  2. Die Trinkwasserquellen Unterklien als auch jene in Emsreute dürfen nicht beeinträchtigt oder gar gefährdet werden.
  3. Die Emissionen von Staub und Lärm müssen minimiert werden.
  4. Der Abtransport muss möglichst verkehrsschonend über die Schiene erfolgen.
  5. Zudem sollen die Auswirkungen auf das Landschaftsbild und den geschützten Landschaftsteil ‚Klien‘ genau untersucht werden.

Wir haben das letzte Jahr intensiv genutzt, um uns in vielen Gesprächen mit Fachleuten ein umfassendes Bild zu machen. Zudem haben wir Fachabteilungen der Stadt mit der Prüfung diverser Fragen beauftragt. Und wir kommen zu folgendem Schluss: Die Stadt Hohenems sieht eine Steinbrucherweiterung sehr kritisch und lehnt diese ab.

Zu den einzelnen Punkten:

1. Sicherheit

  • Die Geologie und Schichtung der einzelnen Gesteinsmassen im Bereich des Erweiterungsgebietes müssen als kompliziert betrachtet werden. Schon in der Vergangenheit hat es zwei größere Felsstürze gegeben (obwohl positive Gutachten vorlagen). Fachleute haben uns auf diverse Problematiken aufmerksam gemacht, insbesondere auf die Trennschichten zwischen den einzelnen Gesteinsmassen.
  • In unmittelbarer Nähe des Steinbruchs liegen zwei Wohngebiete, nämlich Unterklien und Emsreute, in welchen mehrere hundert Menschen leben. Durch die geplante Erweiterung würde das Abbaugebiet noch näher an die Wohngebiete heranrücken. Nach unserer Einschätzung besteht hier ein nicht vertretbares (Rest)Risiko, das unsere Bevölkerung gefährden könnte.
  • Schon aus diesem Grund ist eine Erweiterung abzulehnen. Die Sicherheit unserer Bevölkerung steht vor allen anderen Interessen.

2. Wasser
Im Unterklien ist das Wasserwerk ‚Klien‘ situiert, welches viele tausend Menschen in Dornbirn und Hohenems versorgt. Dieser Wasserkörper ist durch Schutzzonen geschützt. Die geplante Erweiterung würde in die Schutzzone II eingreifen. Eine Bebauung oder ein Gesteinsabbau stehen in krassem Widerspruch zu einem Steinbruchbetrieb. Die wasserrechtlichen Sachverständigen haben die Schutzzone damals mit guten Gründen so gefasst, wie sie heute ist. Und auch mit dem Ziel, das Wasserwerk ‚Klien‘ und die Quellen zu schützen. Auch ein internes Gutachten unserer Stadtwerke kommt zum Schluss, dass ein Gesteinsabbau die Quellen und den Wasserkörper negativ beeinflussen wird.

3. Geschützter Landschaftsteil ‚Klien‘
Kritisch ist auch der Abbau in einem geschützten Landschaftsteil zu sehen, da Natur und Tierwelt negativ beeinflusst werden. Nach unserer Einschätzung ist ein Steinbruchbetrieb in einem geschützten Landschaftsteil rechtlich nicht möglich. Hier wäre aber die Vorarlberger Landesregierung, im Besonderen Umweltlandesrat Johannes Rauch, gefordert, endlich klar Stellung zu beziehen.

Wir wissen um die Rohstoffsituation im Lande und verstehen das wirtschaftliche Interesse, aber die Sicherheit unserer Bevölkerung und der Schutz der Trinkwasserversorgung vieler tausender Menschen in Hohenems und Dornbirn stehen für uns über wirtschaftlichen Interessen. Deshalb lehnen wir als Stadt Hohenems eine Steinbrucherweiterung wie geplant ab. Wir werden uns in den kommenden Verfahren deshalb intensiv einbringen und unsere Bedenken fachlich untermauern, zum Schutze unserer Bevölkerung und der wichtigen Trinkwasserressourcen“, stellt Bürgermeister Dieter Egger klar.

„Für mich als Umweltstadtrat ist klar, dass es einen Grund gibt, wieso diese Schutzzone errichtet wurde. Der Schutz des Trinkwassers und des Naturraumes ‚Klien‘ hat für mich oberste Priorität – gleich wie die Sicherheit der direkt betroffenen Anrainer der Stadtteile. Derzeit sprechen die Gutachten hier eine recht deutliche Sprache und deshalb sehe ich das Vorhaben sehr kritisch.
Es liegt an der Firma Rhomberg darzulegen, wie sie sich die geplante Erweiterung in dieser Zone vorstellt“, ergänzt Umweltstadtrat Gerhard Stoppel.

„Die geplante Steinbruch-Erweiterungsfläche liegt in einem weitgehend naturnahen Waldbestand, der eine Verbindungsfunktion zwischen dem Talboden des Rheintals und der Mittelgebirgslandschaft einnimmt. Er ist durch einen Kalkbuchenwald charakterisiert. Für die Bevölkerung des angrenzenden Stadtteils ‚Klien‘ ist dieser Naturraum eine wichtiger Naherholungsbereich und prägt das Landschaftsbild im Norden von Hohenems. Er ist aus stadtplanerischer Sicht sowohl als Naturraum als auch in seiner Funktion im Großbiotop zu erhalten“, erläutert Planungsstadtrat Markus Klien.

„Die Firma Rhomberg als Antragstellerin hat nach wie vor das Recht auf ein ordentliches und faires Verfahren. Die uns vorliegenden Expertenmeinungen veranlassen uns jedoch, die Erweiterungspläne kritisch zu sehen. Sollten während des Verfahrens bzw. in den darin verwendeten Gutachten andere, klar abgesicherte Sichtweisen hervortreten, werden wir uns auch mit diesen selbstverständlich kritisch auseinandersetzen und unsere Position nochmals prüfen. Bis dahin sehen wir die Pläne aufgrund der aktuellen Gutachten jedoch skeptisch“, stellt Wirtschaftsstadtrat Arno Gächter seinerseits klar.