Stadtverwaltung Hohenems
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14.03.2017

Bildungsrevolution im Tourismus startet!

Andrew Nussbaumer (r.) bei der Eröffnung des Europäischen Frühlings 2015
Weitere Informationen finden Sie unter www.gascht.at
Mike Pansi (r.) im Rahmen einer „Schlossplatz – ma trifft sich“-Veranstaltung

Im Herbst 2017 erfolgt in Vorarlberg der Startschuss für einen regelrechten Meilenstein der heimischen Tourismusausbildung: Dann beginnt die neue „GASCHT“, die Gastgeberschule für Tourismusberufe.

„Für die Umsetzung der Tourismusstrategie 2020, wofür es motivierte Mitarbeiter im Tourismus braucht, die Spaß daran haben, in einer Dienstleistungsbranche mit Menschen in Kontakt zu stehen, steht der Mensch im Mittelpunkt“, so „GASCHT“-Schulleiterin Nicole Okhowat-Lehner. In der „GASCHT“ soll interaktiver Unterricht nach modernsten pädagogischen Ansätzen sowie erlebnisorientiertes Lernen, Begleitung durch Bildungscoaches, Ausbildung nach Stärken und Talenten, modularer Unterricht und höchste Qualität der Lehrer und Ausbildungsbetriebe gelebt werden.
Die Praxis werden sich die Schüler/innen somit in ausgewählten, hochwertigen Qualitätsbetrieben im Land aneignen. Dazu zählen auch die beiden Hohenemser Betriebe „Palast“ und die „Kochmeisterei Pansis“.

Start im Herbst 2017

Mit Beginn des kommenden Schuljahres wird die vierjährige Ausbildung, die auf eine moderne Verschränkung von Theorie und Praxis setzt, starten. Dabei können die Schüler/innen aus den drei Berufsrichtungen „Service & Gastgeberkompetenz“, „Rezeption & Hotelmanagement“ sowie „Küche & Kulinarik“ wählen. Am Ende der Ausbildung steht dann wahlweise ein Lehrabschluss, ein Hotelfachschulabschluss mit Lehrabschluss bzw. das Gastgeberdiplom. Zertifikate für individuell gewählte Module ergänzen die Abschlüsse.

Orientierungsjahr

Im Vergleich  zur herkömmlichen Schul- und Lehrausbildung steht am Beginn das sogenannte Orientierungsjahr. Professionelle Bildungscoaches helfen, die Talente und Berufswünsche der Auszubildenden zu finden und gemeinsam mit Eltern, Pädagogen und dem Ausbildungsbetrieb einen entsprechenden, persönlich zugeschnittenen Ausbildungspfad zu planen. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr kann dann zwischen einem praxisorientierten Pfad und einem theorieorientierten Pfad gewählt werden.

Schulort als Heimatbasis

Jede/r Schüler/in entscheidet sich für einen der drei Schulorte Bezau, Bludenz oder Hohenems als Heimatbasis, je nach gewählter Fach- beziehungsweise Berufsrichtung. Touristische Leitbetriebe unterstützen die „GASCHT“ aus voller Überzeugung bei der praktischen Ausbildung, für die sie sich als Partner zur Verfügung stellen. Internationale Kooperationen komplettieren darüber hinaus das Schulangebot. Zudem werden auch branchenfremde Module, aufgrund der Einteilung in Wahl- und Pflichtmodule, konsumiert werden.

Aufnahmebedingungen

Für die Aufnahme in die „GASCHT“ kann sich grundsätzlich jede/r bewerben. „Entscheidend ist die Motivation der Kandidaten. Wir schauen uns aber auch Zeugnisse an“, betont Okhowat-Lehner. „Schulabgänger oder -wechsler brauchen uns zur Anmeldung nur das letzte Zeugnis bzw. das Halbjahreszeugnis zu schicken. Anschließend findet ein Motivationsgespräch statt.“ Obwohl es sich um eine Privatschule handelt, fällt kein Schulgeld an.


Zwei Hohenemser Betriebe machen mit!

Unter den derzeit 40 teilnehmenden Ausbildungsbetrieben sind – mit dem „Palast“ um Geschäftsführer Andrew Nussbaumer und Mike Pansis „Kochmeisterei Pansis“ – auch zwei Hohenemser Betriebe, welche die Gemeindeblatt-Redaktion zu einem kurzen Interview gebeten hat.

Redaktion: Warum beteiligen Sie sich mit Ihrem Unternehmen an der neuen Tourismusausbildung „GASCHT“?

Nussbaumer: Weil die Gascht eine sehr innovative Ausbildung darstellt und für unseren Betrieb und die Branche ein große Chance auf neue, interessierte junge Menschen bieten kann und wird.

Pansi: Gerade in der heutigen Zeit sehen wir uns mehr und mehr mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Wir bilden ein Berufsbild aus, das 110 Jahre alt ist und nicht mehr den Anforderungen eines modernen Koches bzw. des Koches der Zukunft entspricht. Die „GASCHT“ bietet da ein modernes, modaleres Ausbildungssystem, das vom ersten Tag an die individuellen Stärken des Auszubildenden fördert und fordert.

Was versprechen Sie sich für Ihren Betrieb davon?

Nussbaumer: Junge Menschen, die aufgrund des professionellen Coachings in Schule und Betrieb die gastronomische Ausbildung durchziehen und somit zu bestens ausgebildeten Arbeitskräften reifen können. Diese jungen Leute aus unserem Land sollen in meinem Betrieb lernen können.

Pansi: Mehr Fachkräfte, die entgegen der internationalen kulinarischen Austauschbarkeit die Stärken von Regionalität, hoher Qualität und Ausbildung in sich tragen und ihren eigenen Stil finden. Da sie dort lernen, wo Wissen entsteht – z. B. Käse beim Senner, Bier beim Bierbrauer, Lebensmittel beim Landwirt – kommen sie mit einem größeren praktischen Wissen zu mir und ich profitiere als Betrieb von dieser Ausbildungsform noch mehr. Ich kann einen Teil dieser schulischen Ausbildung aktiv und direkt mitgestalten, was bisher nicht möglich ist.

Was bedeutet die Ansiedelung dieser neuen Tourismusschule in Hohenems aus Ihrer Sicht für die Stadt Hohenems?

Nussbaumer: Es sieht aber sehr gut für unsere Stadt aus, dass die neue Tourismusschule nach Hohenems kommt. Für mich ist es, situiert neben dem Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum, der beste Platz im Lande. Hier können die Schüler beider Schulen dann bereits an einem Miteinander arbeiten, was im Erwachsenenalter dann für die Betriebe, die land- und gastwirtschaftliche Zusammenarbeit wichtig ist.

Pansi: Ein gewaltiges USP (Alleinstellungsmerkmal) für die Stadt. Der „HOST“ (Gastgeber) einer Ausbildungsstätte dieses Niveaus zu sein, kann nur ein großes Plus sein. In Zukunft werden wir Absolventen und Fachkräfte der „GASCHT“ haben, die sich international hoffentlich mit den Besten messen können. Dies ist eine Visitenkarte im Ausland, nicht nur für die Branche, sondern auch für Hohenems. Wenn man es „richtig“ macht, kann ein touristischer Campus entstehen, der global mit den besten Formaten genannt werden wird.

Welche Möglichkeiten eröffnen sich für die Auszubildenden durch diese neue Form der Ausbildung?

Nussbaumer: Sie können wählen zwischen mehr Anteil an Theorie oder Praxis, je nach Fähigkeiten und Interessen der Schüler. Darüber hinaus können sie Wahl-Module buchen, die sie interessieren – wie beispielsweise Sommelier, Käseprofi, Gesunde Küche, etc. – je nach ihren Vorlieben.

Pansi: Schier Unendliche – und ich möchte das jetzt nicht als Träumer verstanden haben, sondern konkret als jenes Rüstzeug, was man ihnen mitgibt. So eine hochwertige und qualitative Ausbildung von A bis Z mit Verknüpfungspunkten über den Tellerrand hinaus – gerade hier mit dem WIFI-Standort und anderen Möglichkeiten im Umfeld – denke ich passt das wie die Faust aufs Auge. Produzenten und verarbeitende Prozesse der Hochkulinarik, die an einem Strang ziehen – mehr Regionalität und zukunftsbildende Gemeinsamkeiten gehen doch schon fast nicht mehr – und das nimmt sich der zukünftige „GASCHTLER“ mit in seiner berufliche Karriere. Natürlich muss jeder dann individuell etwas daraus machen, aber das Rüstzeug ist ein sehr gutes für zukünftige Herausforderungen in der Branche.

Warum sollte man sich als Auszubildende/r für Ihren Betrieb als Ausbildungsort entscheiden?

Nussbaumer: Wir sind ein sehr innovativer Betrieb mit einem jungen Team, zentral im Rheintal gelegen, sind seit Jahren ein zertifizierter, ausgezeichneter Lehrbetrieb und bieten ein breites Feld an Angeboten für unsere Gäste. Vom Restaurant mit internationaler Küche über unsere Erlebniswelten, Ritteressen bis hin zu Barbetrieb mit Schwerpunkt Cocktails.

Pansi: Man sollte sich jetzt da nicht persönlich vor die anderen Qualitätsbetriebe im System stellen, da wir – glaube ich – alle erkannt haben, dass wir gemeinsam für unsere Branche ausbilden und gerade die höchste Qualität selbst das Kriterium sein muss. Das was wir täglich unseren Gästen bereiten, müssen wir ebenfalls in dem gleichen – wenn nicht sogar höheren – Ausmaß unseren Mitarbeitern zukommen lassen. Einen sehr guten Betrieb macht nicht die Hardware aus, sondern das, was dem Gast verborgen bleibt: das „Herz des Hauses“ – und das sind unsere Mitarbeiter. Dies ist auch eine große Verantwortung, die man damit als Betrieb bzw. Unternehmer übernimmt. Für mich heißt das nicht die Asche weiter zu geben, sondern das Feuer und die Leidenschaft für den Beruf, in diesem Fall Koch, zu entzünden.