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Bürgermeldungen
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Stadtplan
01.02.2017

Jahreshauptversammlung

Jährliches Highlight: Der Alpauftrieb
Logistische und konditionelle Herausforderung für Mensch und Tier
Reges Interesse im Gasthof Habsburg

Am Dienstag, dem 24. Jänner 2017, fand die Jahreshauptversammlung der Agrargemeinschaft Emser Alpen im Gasthof Habsburg statt.

Obmann Karl Klien und Alpmeister Norbert Fenkart gaben dabei einen interessanten Tätigkeitsbericht über die vergangene Alpperiode zum Besten:

Die Alpen Schuttannen, Süns und Vordermellen sind im Eigentum der Stadt Hohenems. Die Verwaltung oblag bis zum Jahr 2000 der Stadt Hohenems.
Der Land- und Alpwirtschaftsausschuss der Stadt bestellte einen Alpmeister auf fünf Jahre, welcher mit dem Obmann des Ausschusses die Alpwirtschaft leitete.
Ab 1993 wurde ein städtischer Mitarbeiter mit der Lohnverrechnung und Kassaführung beauftragt. Erst ab dem Jahr 2000 wurden diese Aufgaben von Emser Landwirten übernommen.
29 Hohenemser Landwirte, welche überwiegend Rinderhaltung betrieben, schlossen sich zu einer öffentlich rechtlichen Körperschaft als „Agrargemeinschaft Emser Alpen“ zusammen.
Die Gründungsversammlung fand am 24. Februar 2000 im Gasthaus Habsburg statt.
Der Ausschuss ist derzeitig mit folgenden Funktionären besetzt: Obmann und Geschäftsführer Karl Klien, Obmann-Stellvertreter Ing. Christian Winklehner, als Alpmeister Norbert Fenkart, Schriftführer Klaus Amann und Goswin Häfele.

Der bürokratische Aufwand wie Personalmanagement, Lohnabrechnung, Förderwesen, Führung des Alpbuches und die jährlichen Sitzungsvorbereitungen gleichen heute einem mittleren Unternehmen.
Ziel der Gründung war ein rechtlich verbindendes Pachtverhältnis zwischen der Stadt Hohenems als Grundeigentümerin und den Alpbewirtschaftern herzustellen.
Somit wurde in wirtschaftlicher Hinsicht eine ordentliche Betreuung und Pflege der Alpen, vor allem zur Sicherung, Entlastung und Aufrechterhaltung der bäuerlichen Heimbetriebe im Tal sichergestellt.
Ein wichtiger Bestandteil im Vertrag ist aber auch die Pflege und Offenhaltung der Kulturlandschaft zur Nutzung als Erholungsraum durch die Allgemeinheit. Schwendarbeiten werden durch die Mitglieder, Landwirte, aber auch durch Freiwillige durchgeführt.
Der jährliche Pachterlös der städtischen Eigenjagden wird zur Sicherung und Aufrechterhaltung der Infrastruktur zweckgebunden der AG zur Verfügung gestellt.
Die Bewirtschaftungsform erfolgt nach den Richtlinien des biologischen Landbaus und ist als Biobetrieb amtlich anerkannt. Der Pachtvertrag wurde auf die Dauer von 20 Jahren abgeschlossen, also bis 2020.

Die Niederalp Schuttannen und die Hochalpen im Mellental wie Süns und Vordermellen sowie jene der Agrargemeinschaft Hintermellen weisen eine gesamte Weidefläche von über 610 Hektar auf und werden zur Sömmerung mit 540 Stück Rindern bestoßen.
Früher wurden neben den Rindern aus Vorarlberg auch viele aus der Schweiz und Liechtenstein aufgetrieben.
Nunmehr stammt das Vieh aus Vorarlberg – zum Großteil aus den umliegenden Gemeinden der Stadt Hohenems.
Die Alpsaison startet bald nach Beginn der Vegetationszeit, dies ist meist Anfang Juni. Die Weideflächen der Niederalpe Schuttannen bieten je nach Witterung für rund vier Wochen Futter.
Gegen Anfang Juli werden die 540 Rinder für neun Wochen auf die Hochalpen getrieben, welche aufgrund des späteren Vegetationsbeginns ein Futterangebot an jungen Gräsern und Kräutern bieten.
Der Viehtrieb von Schuttannen ins Mellental ist eine logistische Meisterleistung, aber auch eine große Herausforderung für das Vieh und die Alpverantwortlichen. Dieser beginnt bei Dunkelheit um 4 Uhr in der Früh ab Schuttannen, aufgeteilt in zwei Herden im zeitlichen Abstand von rund einer Stunde.

Die Rinder werden von 26 fachkundigen und erfahrenen Älplern begleitet und geführt. Der Weg führt über das Ebnitertal und Valorsertal über die Alpe Binnel ins Mellental. Ab dem Valorsertal müssen steile und enge Pfade passiert werden, welche ein hohes Gefahrenpotenzial für Vieh und Personal darstellen. Nicht selten kam es vor, dass Rinder abgestürzt sind und entweder lebend oder tot geborgen werden mussten.
Voraussetzung für die Begehbarkeit ist eine zweimal jährlich stattfindende Instandhaltung, die aufgrund der Topografie händisch ausgeführt wird.
Der Viehtrieb führt durch elf Alpgebiete und dauert meist rund zehn Stunden mit dem Ankunftsziel Hintermellen. Dies erfordert eine gute Ausdauer und Kondition für Mensch und Tier.
Ende August erfolgt die ganze Prozedur umgekehrt in Richtung Schuttannen, wo die Rinder noch rund drei bis vier Wochen verweilen – bis zum endgültigen Alpabtrieb zum Sammelplatz in der Mühlegg.

Die Anwesenheit von Bürgermeister Dieter Egger während der ganzen Versammlung bekundete das Interesse der Stadt an der Alpbewirtschaftung. Der Bürgermeister bedankte sich für deren überdurchschnittlichen Einsatz zur Aufrechterhaltung der traditionellen Alpbewirtschaftung, was neben den wirtschaftlichen Aspekten auch in ökologischer und touristischer Hinsicht von großem Nutzen ist.