Stadtverwaltung Hohenems
A+
A+
A+
Bürgermeldungen
drucken
Stadtplan
29.11.2017

„Was wir noch zu sagen hätten“

Hinten v. l.: Die „emsbachinnen“ Katharina Waibel, StR. Mag. Patricia Tschallener, Gabriele Bösch, Sabine Aberer, Renate Feichtinger, Daniela Peter und Angela Jäger; vorne v. l.: Gertrud Mathis und Hilde Giesinger

Der 7. Abend der „emsbachinnen“ im Pfarrsaal St. Karl war von Emotionen und geselligen Gesprächen gekennzeichnet. Über 100 Interessierte folgten der Einladung, die „Geschichten“ von der Steirerin Hilde Giesinger und Gertrud Mathis aus Ostpreußen-Masuren zu hören.

Nach einer Begrüßung durch Angela Jäger führte Katharina Waibel ein Gespräch mit Hilde Giesinger. Sie kam vor über 60 Jahren nach Hohenems, um hier zu arbeiten. Heute würde man dazu Wirtschaftsflüchtling sagen. Anfangs wurde sie mit Sprüchen konfrontiert wie „Ihr hürotend üs di beschta Mä weg“, doch im Laufe der Zeit wurden sie und ihre Freundinnen gut aufgenommen. Durch harte Arbeit konnte sich Hilde eine Nähmaschine im Wert von 5.200 Schilling ersparen und als Schneiderin dazu verdienen. Nachdem sie Ronald kennengelernt hatte, wurde auch das Heimweh besser, nichtsdestotrotz fuhr sie jährlich mindestens ein- bis zweimal in die Steiermark – bis heute.

Sabine Aberer leitete dann zu Gertrud Mathis über. Die 91-jährige Dame hat ihre Lebensgeschichte niedergeschrieben und las jenen Teil vor, der von ihrer Kindheit bis zur Hochzeit mit Ernst Mathis führte. Geprägt war diese Zeit durch ihre eigene Flucht im Zweiten Weltkrieg. Als Gertrud in Hohenems ankam, wurde sie von der Familie Mathis zwar freundlich aufgenommen, in Hohenems selbst aber war die Skepsis gegenüber den Fremden größer als die Willkommensfreude. „Die Meinung 1947 war: ‚Die Fremden, die Fremden nehmen uns was weg‘“, so Frau Mathis gegen Ende ihrer Lesung.

Im Anschluss konnten die Besucher/innen zwischen einer österreichischen Gerstensuppe und einer türkischen Linsensuppe wählen und ließen den Abend bei Gesprächen und einem Glas Wein gesellig ausklingen. Das weibliche Wirken in der Stadt wurde erneut sichtbar gemacht. Zudem wurde aus den Gesprächen klar, wie wenig sich doch in den letzten 70 Jahren verändert hat.