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Stadtplan
06.12.2016

Brauchtumstausch

Brauchtumstausch

Eine einstige Hohenemserin, die nun in Niederösterreich lebt, veranlasste einen „Brauchtumstausch“ – Hohenems traf Karlstein an der Thaya in Niederösterreich – die Funkenzunft Erlach berichtet:

Auf Einladung der ehemals im Erlach wohnhaften Sonja Amann, die nun seit vielen Jahren am sogenannten „Rosenhof“ in Karlstein an der Thaya/Niederösterreich lebt, begab sich die Erlacher Funkenzunft mit Obmann Norbert Fenkart und Vizeobmann Werner Lampert (insgesamt 24 Personen) Anfang November 2016 in Kleinbussen ins Waldviertel. Es sollte dort, laut gegenseitiger Vereinbarung, mit Baumaterial der Karlsteiner ein Funken in der traditionellen Erlacher Bauweise errichtet werden (Kegelform).

Der Grund für den ungewöhnlichen Funkenbau war: Sonja ließ bei den Gemeindeverantwortlichen in Karlstein nicht locker, bis über das Vorarlberger Brauchtum des Funkenabbrennens dort so viel Neugier geweckt war, dass vereinbart wurde, der Brauch solle einmal durch Vorarlberger dort unten in einem Festakt vorgezeigt werden. Schließlich waren alle Gemeindeverantwortlichen über die Idee begeistert und es wurden die Rahmenbedingungen abgesteckt. In Karlstein wird jedes Jahr ein Sonnwendfeuer angezündet, der Brauch ist also bekannt.

Die Erlacher Funkenzunft brachte natürlich auch eine „einheimische Funkenhexe“ über die rund 700 Kilometer weite Strecke mit, die in einem „Schisarg“ transportiert wurde. Zudem überreichte man den Gastgebern einen Geschenkskorb, einen Zinnkrug mit dem Zunftwappen sowie Emser Almanache, die das Funkenbrauchtum genau erläutern. Vor Ort wurden zudem traditionelle Vorarlberger Käsknöpfle zubereitet.

Empfangen wurden die Hohenemser im Pfarrer-Weidinger-Kräuterzentrum von Bürgermeister Ernst Herynek und Vizebürgermeister Manfred Damberger. Es folgte die Besichtigung des Kräuterzentrums: Spezialität sind Kräuterschnäpse. Anwesend war auch der jetzige Kräuterpfarrer Benedikt – er folgte dem berühmten Kräuterpfarrer Weidinger nach. Dann ging es zu Fuß in den Gemeinde- und Feuerwehrsaal zum Karlsteiner Abend. Es gab das traditionelle Waldviertler Gericht, einen Schweinebraten mit Kartoffelknödeln.

Am Folgetag wurde der Funken durch die Erlacher vor Ort am „Funkenplatz“ gefertigt. Die Karlsteiner hatten bereits die Buscheln angefertigt, die Stangen geschnitten und die technische Gerätschaft gestellt. Einzelne halfen auch tatkräftig mit. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass sogar einige wenige syrische Flüchtlinge aus Karlstein mit Freude am Funkenbau mithalfen. Sonja Amann engagiert sich auch in diesem Bereich zum Wohle der Gemeinde.

Anschließend wurde die Funkenzunft im Festzelt empfangen. Am Abend erfolgte der Fackelzug der Karlsteiner mit Blasmusik, den Hohenemser Gästen und dann der Karlsteiner Bevölkerung in penibler Dreierreihe. Vom Zentrum vor dem Rathaus weg führte der Festzug bis zum Platz vor dem Funken.

Am Abend sind auch die Emser Stadträte Mag. (FH) Markus Klien (selbst ein Erlacher) und Martin Buder zu dem Fest gestoßen, welche das Fest nicht verpassen wollten. Dieser willkommene Besuch gab dem Abendempfang beim Funken einen offiziellen Charakter, da Markus Klien im Namen der Stadt Hohenems einige Grußworte sprach und Geschenke übergab.

Nach der Festansprache wurde der Funken samt Funkenhexe am Platz abgebrannt. Entzündet haben ihn Erlacher und Karlsteiner gemeinsam. Die Erlacher erklärten natürlich öffentlich, dass der Termin des Funkens eigentlich später wäre (schließlich wird damit eigentlich der Winter vertrieben). Die Karlsteiner hatten dennoch ihre Freude mit dem Vorarlberger Brauchtum, das viele so nicht kannten und jubelten „Funka Ho, Funka Ho!“ (sie hatten extra gefragt, ob es einen Ruf zur Anfeuerung gebe).
Auch zahlreiche Vorarlberger, die nun im Waldviertel leben, schauten gerne vorbei. Es wurde ein großes Fest unter der Beteiligung der Feuerwehr und vieler anderer freiwilliger Helfer.

Untergebracht war die Funkenzunft im Nebenort Raabs an der Thaya, einer früheren Seniorenresidenz, die zur Jugendherberge umgebaut wurde, wo sie ebenfalls herzlich empfangen wurden. Zahlreiche Repräsentanten aus Karlstein erschienen zur Abreise, um sich persönlich zu verabschieden. Zudem wurde noch ein Großbauernhof für Schweinemast besichtigt, ehe es zurück nach Vorarlberg ging.

Gegenbesuch

Im Mai folgt voraussichtlich ein Gegenbesuch der Karlsteiner in Hohenems, wo sie ihr traditionelles Maibaumfest in Hohenems vorzeigen wollen. Am 27. Mai 2017 soll es voraussichtlich soweit sein. Geplant ist die Maibaum-Stellung am Schlossplatz. Zustimmung seitens der Stadt wurde bereits signalisiert.

So hat der Wegzug von Sonja Amann, einst Mitglied der Erlacher Funkenzunft, zwei Kommunen in Freundschaft verbunden. Der Gegenbesuch der Karlsteiner wird sicher den einen oder anderen Kontakt festigen.

Wir würden uns freuen, wenn nicht nur die Erlacher, sondern alle Hohenemser Bürger im Mai 2017 der Karlsteiner Delegation ihre Aufwartung machen würden.

Erlacher Funkenzunft