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Bürgermeldungen
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Stadtplan
15.07.2015

Sommergespräche: Interview mit Alt-Vizebürgermeister Günter Linder

Günter Linder

Persönliches:

  • 59 Jahre, verheiratet mit Hildegund, drei Kinder
  • Leiter der Qualitätssicherung bei der Feinjersey Group in Götzis
  • Mitglied beim Kirchenchor St. Karl
  • von 2005 bis 2010 Kulturstadtrat, von 2010 bis 2015 Vizebürgermeister sowie Stadtrat für Kultur, Bildung und Schulen

Sie sind nach den letzten Gemeindewahlen aus der Stadtpolitik ausgeschieden. Wie beurteilen Sie den Wahlkampf und das Wahlergebnis?

Das Ergebnis war enttäuschend. Es ist uns im Wahlkampf nicht gelungen die Sachthemen und die künftigen Ziele zu transportieren. Die Bürger/innen konnten zu wenig nachvollziehen, welche Sachgebiete sich in der Zukunft nach unseren Plänen entwickeln werden.
Dabei wurden wichtige Themen wie Betriebsgebietsentwicklung an der A14, Innenstadtentwicklung, Kindergärten, Kinderbetreuung und Schulentwicklungen bereits auf Schiene gebracht und zu einem Großteil gemeinsam mit den anderen Fraktionen beschlossen.

Welche Projekte konnten in den vergangenen fünf Jahren aus Sicht des Bildungs- und Kulturressorts umgesetzt werden?

Die letzten fünf Jahre waren geprägt von einer wertschätzenden Zusammenarbeit. So konnten die allermeisten Beschlüsse einstimmig gefasst werden.
Die wesentlichsten Punkte, die im Bildungsbereich umgesetzt wurden oder vor der Umsetzung stehen sind: die Evaluierung und Weiterentwicklung des Schulraumkonzeptes, der Neubau der Volksschule Neunteln oder die Einführung eines Bildungsmonitoringsystems zur Beobachtung der räumlichen Entwicklung der Jahrgangszahlen sowie des Förderbedarfs.

Ein Raum- und pädagogisches Konzept für die Sanierung und Erweiterung der Volksschule Herrenried wurde erarbeitet. Der Abschluss ist für 2016 geplant. Ebenso entstand ein solches Konzept für die neue Volksschule Neunteln, das in der mittelfristigen Finanzplanung für die Jahre 2016 bis 2018 berücksichtigt ist.
Zudem haben wir ein jährliches Vernetzungstreffen aller in Hohenems tätigen Pädagog/innen mit Fachvorträgen eingeführt sowie ein Konzept für die Schülerbetreuung, insbesondere im Hinblick auf die künftige Entwicklung des Bedarfes und der pädagogischen Erfordernisse, erstellt.

Und im Kulturbereich?

Auch im Kulturbereich wurden zahlreiche Projekte angestoßen oder bereits umgesetzt. Die Begleitung zweier neuer Festivals ist in der Startphase. DDr. Arnulf Häfele wurde mit der Aufarbeitung der NS-Zeit in Hohenems beauftragt. Die Herausgabe eines Buches ist für 2016 geplant.

Die Stadt ist dem Denkstättenkuratorium zur NS-Dokumentation Oberschwaben beigetreten. Zudem erfolgte in der vergangenen Periode die Verlegung von neun Stolpersteinen zum Gedenken an ermordete Juden und Jüdinnen.
Ein historischer Rundgang durch Hohenems mit der Aufstellung entsprechender Informationsstelen wurde erstellt.

Weiters wurden Richtlinien für die Gewährung von Zuschüssen zur Förderung denkmalgeschützter Gebäude, Grundlagen für einen Baurechtsvertrag für das Alte Zeiten Museum sowie ein Konzept, wie und auf welcher Grundlage künftig Ehrungen der Stadt vorgenommen werden sollen, erarbeitet. Ebenso die Grundlagen für eine Sanierung des Nibelungenbrunnens.

Welche Herausforderungen stehen nach Ihrer Meinung in den nächsten fünf Jahren an?

Die künftige Ausrichtung des Bildungsressorts basiert vor allem auf der weiteren Entwicklung des Betreuungsbedarfs der Kinder, der Entwicklung der Ganztagesschulen und der Schule der 10- bis 14-Jährigen und dem daraus resultierenden Raumbedarf. Der Entwicklung der Reformpädagogik ist ebenfalls Augenmerk zu schenken. Die Ansiedlung einer höheren Schule in Hohenems ist weiterhin mit Nachdruck zu betreiben.

Die künftige kulturelle Ausrichtung wird eine Evaluierung der Kulturstrategie und auch die Entscheidung beinhalten, ob die Stadt weiterhin selbst kaum Veranstaltungen durchführen oder diese allenfalls in Kooperation mit einem bestehenden Verein koordinieren soll. Dem Erhalt eines möglichst ausgewogenen Kulturangebots ist weiterhin Augenmerk zu schenken.

Das Stadtarchiv gehört neu und personell in einer Vollzeitbeschäftigung aufgestellt und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es beherbergt die Geschichte unserer Stadt und ist daher zusammen mit dem umfangreichen Pfarrarchiv ein wesentlicher Bestandteil der Hohenemser Identität.

Wie geht es Ihnen nun ganz ohne Politik und welche persönlichen Ziele haben Sie nun im Blick?

Zunächst bin ich dankbar für die Erfahrungen der letzten zehn Jahre, die ich als Stadtrat und Vizebürgermeister machen durfte. Die Zeit ohne Politik bietet nun Gelegenheit, die weitere Entwicklung unserer Firma noch besser mitzugestalten.
Nun bleibt am Ende eines Arbeitstages jedoch mehr Freizeit über, die ich gerne zusammen mit meiner Frau oder auch für eine Spritztour mit dem Motorrad nütze. Natürlich sind wir auch weiterhin treue Besucher der Hohenemser Kulturveranstaltungen.

Welches Fazit ziehen Sie über die vergangene Periode?

Mittelpunkt allen Handelns waren ressortunabhängig die Menschen. Alle oben genannten Konzepte und Grundlagen beider Ressorts wurden ausschließlich mit hausinternen Fachleuten, den Ausschussmitgliedern sowie dem jeweils betroffenen Personenkreis erarbeitet, wofür ich allen Beteiligten noch einmal herzlich für die konstruktive Zusammenarbeit danke.