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Bürgermeldungen
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Stadtplan
22.07.2015

Sommergespräche: Interview mit Stadträtin Mag. Patricia Tschallener

Mag. Patricia Tschallener

Persönliches:

  • 34 Jahre, in einer Beziehung mit Judith
  • seit 2008 Lehrerin an der HTL Dornbirn, zuständig für die Werkstättenleitung und Koordination im Ausbildungsschwerpunkt Logistik
  • Ausbildung: HLW Rankweil, Studium der Wirtschaftspädagogik und Lehramt Italienisch & Spanisch in Innsbruck
  • seit 2014 politisch aktiv bei den Emsigen & Grünen, seit 2015 Stadträtin für Bildung und Kultur

Sie wurden bei der konstituierenden Sitzung erstmals zur Stadträtin gewählt. Wie haben Sie den Wahlkampf erlebt und wie beurteilen Sie das Ergebnis?

Wir mit unserer plakatfreien Aktion haben gezeigt, dass man auch ohne Plakate und Untergriffe mit sachlicher Arbeit punkten kann. Das Plus von 7 % war aber nicht nur dem Wahlkampf geschuldet, sondern vor allem der Arbeit, die Bernhard und die Fraktion in der Stadtvertretung geleistet haben, zu verdanken.

Welche Reaktion gab es in Ihrem privaten und beruflichen Umfeld nach der Wahl zur Stadträtin?

Manche haben mir den Vogel gezeigt, so auf die Art: „Jetzt gehst du auch noch in die Politik!“
Andere haben wiederum gesagt, es sei gut, dass ich das mache und probiere. Speziell aus dem Badmintonverein, aus dem vermutlich ein Großteil meiner Wähler/innen stammt, kam wegen meiner Sachlichkeit großer Zuspruch.

Wie versuchen Sie die Fußstapfen zu füllen, die Günter Linder Ihnen mit dem Kultur- und Bildungsressort hinterlassen hat?

Ich glaube, ich habe es da ganz angenehm, da ich vermutlich nicht mit ihm verglichen werde. Erstens, weil ich jünger bin, zweitens eine Frau und drittens total unerfahren an dieses Ressort herangehen kann und zudem aus einer anderen Fraktion komme.

Ich habe meine Linie, die ich immer mehr ausbilde und die ich auch weiterverfolgen werde. Bestimmte Dinge werde ich sicher ein bisschen anders angehen, aber auf die positive Vorarbeit, speziell im Kulturbereich, lässt sich definitiv aufbauen.

Welche Herausforderungen sehen Sie die nächsten fünf Jahre auf sich zukommen?

Es stehen einige (nicht nur politische) Herausforderungen in Hohenems an, die mit Motivation, Mut und vor allem Sachlichkeit angegangen werden müssen.
Im Bereich der schulischen Bildung ist der Spielraum gering, da die didaktische Methodenwahl bei den Schulen liegt. Dennoch möchte ich erreichen, dass verstärkt alternative  pädagogische Ansätze, wie Waldpädagogik oder offene Lernformen, ergänzend zu den klassischen Unterrichtsmethoden eingesetzt werden.

Demnächst soll eine Analyse über den tatsächlichen Stand der Deutschkenntnisse von Schüler/innen in den Volksschulen stattfinden. Bestrafungen der Eltern, z. B. durch Kürzung der Familienbeihilfe, hilft bei akuten Fällen weder dem Kind, noch löst es das Problem. Hier soll in Zukunft präventiv in Zusammenarbeit mit Bernhard im Rahmen der Integrationspolitik gearbeitet werden, damit das Bewusstsein bei den Eltern verstärkt wird, den Familien aktiv geholfen werden kann, sich die Kinder dadurch besser integrieren können und gute Bildungs- und Zukunftschancen haben.

Zudem soll im Herbst mit einer Überarbeitung des Schülerbetreuungskonzepts begonnen werden, sodass organisatorisch eine Zuverlässigkeit für die Eltern, aber auch ordentliche Rahmen- und Arbeitsbedingungen für die Schülerbetreuer/innen gegeben sind. Ziel soll sein, dass die Kinder sich wohlfühlen, die Eltern zufrieden sind und die Betreuer/innen gerne ihre Aufgaben erfüllen.
Das Projekt Volksschule Neunteln soll nächstes Jahr mit der Ausschreibung des Architektenwettbewerbs starten.

Und im Kulturbereich?

Wir dürfen 2016 in Hohenems 400 Jahre Buchdruck in Vorarlberg feiern. Im Jahr 2017 jährt sich der gräfliche Schutzbrief der Juden in Hohenems zum 400. Mal. Es ist für mich neben solchen Projekten selbstverständlich, dass Hohenems international, national und regional weiterhin so erfolgreich bleibt, wie es durch das breite und vielfältige Kulturangebot bereits ist.

Da wir leider nicht den gewünschten finanziellen Spielraum haben werden, wird hier eine meiner Hauptaufgaben sein, die Rahmenbedingungen für die ehrenamtlich Mitwirkenden so zu gestalten, dass es ihnen weiterhin viel Motivation und Freude bereitet, hier aktiv zu sein. Ohne diese Unterstützung vieler Hohenemser/innen wäre die Kultur in Hohenems nicht das, was sie ist. Dafür gilt es hier auch allen Mitwirkenden ein herzliches Dankeschön auszusprechen.

Außerdem möchte ich das Thema Stadtarchiv angehen. Da geht es um längerfristige Verbesserungen und Ergänzungen des Ist-Zustands, im Hinblick auf eventuell eine zusätzliche Anstellung und vernünftigere Räumlichkeiten.

Was soll nach diesen fünf Jahren von Ihrer Politik übrig bleiben?

Ich möchte speziell bei den Deutschkenntnissen im Übergang von Kindergarten zur Schule Schritte nach vorne setzen, dass in Hohenems alternative, pädagogische Ansätze umgesetzt werden und dass die Eltern eine Wahlmöglichkeit zwischen klassischem und alternativem Unterrichtsstil haben.

Die Volksschule Neunteln ist ein großes Projekt, das ich begleiten werde und mir ein großes Anliegen ist. Im Kulturbereich stehen Jubiläen an, die ich recht gut über die Bühne bringen möchte. Außerdem soll der aktuelle Stand gehalten und stetig weiter entwickelt werden.