A+
A+
A+
Bürgermeldungen
drucken
Stadtplan
10.09.2015

Sommergespräche: Interview mit Bürgermeister DI Richard Amann

Bürgermeister DI Richard Amann

Persönliches:

  • 58 Jahre, verheiratet mit Anni, zwei Söhne
  • Gelernter Beruf: Bergbauingenieur/Montanist
  • seit September 2004 in der Stadtvertretung sowie Bürgermeister

Sie wurden bei der Bürgermeister-Stichwahl erneut zum Stadtoberhaupt gewählt. Wie beurteilen Sie den Wahlkampf und das Wahlergebnis?

Der Wahlkampf war sehr emotional und polarisierend und hat sich letztlich auf die FPÖ bzw. Dieter Egger und die ÖVP bzw. mich konzentriert. Die anderen Parteien – außer den Emsig-Grünen – sind dabei leider unter die Räder gekommen. Viele wichtige und weittragende Entscheidungen der letzten fünf Jahre sind im Wahlkampf weitestgehend ausgeblendet worden und Themen – speziell Verkehr, Innenstadt, Vision Stadt Hohenems – für die es überwiegend einstimmige oder deutlich mehrheitliche Beschlüsse gab, wurden neu aufgerollt und hinterfragt.

Das Ergebnis der Gemeindewahlen war für mich enttäuschend, da die letzten fünf Jahre von sehr guter Arbeit und einem guten Miteinander aller Fraktionen geprägt waren. Die Stichwahl war für mich dann eher erfreulich, auch wenn hier die Anfechtung des Ergebnisses durch die FPÖ noch im Raum steht. Ich bin hier aber zuversichtlich, da die Vorwürfe der Wahlmanipulation nicht nachvollziehbar und nicht haltbar sind.

Welche Reaktionen gab es in Ihrem privaten und beruflichen Umfeld nach der erneuten Wahl zum Bürgermeister?

Die Reaktionen waren sehr erfreulich und aufbauend, weil damit auch die Fortsetzung eines konstruktiven Miteinanders und Arbeitens für unsere Stadt gesehen werden. Dass die ÖVP nicht die alleine bestimmende Kraft ist, hatten wir ja bereits die letzten fünf Jahre. Das war sicher mit ein Grund, dass sich alle Fraktionen, wenn auch mit unterschiedlichen Sichtweisen, sehr konstruktiv und kooperativ in die politische Arbeit eingebracht haben und so wichtige grundlegende Entscheidungen für die Entwicklung der Stadt entstehen konnten.

Welche Projekte konnten in den vergangenen fünf Jahren umgesetzt werden?

Das wichtigste Projekt war die Verkehrsentlastung der Innenstadt und die Inbetriebnahme der neuen L190 (Spange), der dann sehr schnell der Umbau des ÖBB- und Busbahnhofes folgte sowie die Generalsanierung des Krankenhauses – ein klares Bekenntnis des Landes zur Stadt Hohenems. Als nächsten Meilenstein kann nach über 17 Jahren die Herausnahme aus der Landesgrünzone und die Umwidmung des Betriebsgebietes BBA14 bezeichnet werden. Das ist die Basis für viele Arbeitsplätze und zusätzliche Kommunalsteuer für Hohenems. Die enorme Reduktion der Pro-Kopf-Verschuldung um über 30 % innert der letzten zehn Jahre lässt Spielraum für wichtige Investitionen in die Stadtentwicklung zu. Hohenems hat sich finanziell sehr gut entwickelt.

Eine sehr starke Entwicklung hatten wir auch im Ausbau der Kinderbetreuung und Kindergärten sowie der Sanierung und Erweiterung unserer Schulen. Mit dem Umbau der Volksschule Herrenried sind nun alle Schulen am letzten Stand, es steht noch der Neubau der Volksschule Schwefel vor der Umsetzung, damit dann durchgängig die neue Pädagogik an allen Volksschulen umgesetzt werden kann. Der Kunstrasenplatz, neue Spiel- und Tschutterplätze, das Judo-Bundeszentrum oder die finanzielle Förderung der neuen Tennisplätze sind nur einige Maßnahmen, die ehrenamtlich tätiges Engagement fördern und unterstützen. Aber auch auf die starke kulturelle Entwicklung unserer Stadt dürfen wir stolz sein.

Neben den vielen baulichen und strukturellen Maßnahmen wurde eines der künftig unverzichtbaren Instrumente gestartet, bei dem wir landesweit auch eine gewisse Vorbildfunktion übernommen haben. Das ist der Prozess Vision Stadt Hohenems und vor allem die Umsetzung angepasster Bürgerbeteiligung bei wichtigen Entscheidungen. Sei es das Verkehrskonzept, die Gestaltung der Innenstadt, das Spielraumkonzept oder einfach nur die Neugestaltung der Schuttannenstraße. Diesen Entscheidungen gingen allesamt breite und ausführliche Prozesse mit Bürger/innen und betroffenen Gruppierungen oder Organisationen voraus. Diese Beteiligungsprozesse bringen eine ausführliche Befassung mit dem jeweiligen Thema mit sich, welche die Basis für die politischen Gremien bilden.

Welche Herausforderungen stehen nach Ihrer Meinung in den kommenden fünf Jahren an?

Das wird in erster Linie die Schaffung eines gedeihlichen und konstruktiven Miteinanders sein. Wir müssen wieder weg vom Populismus und medienorientiertem Handeln und hin zu guter Sachpolitik kommen, bei der das Wohl unserer Bevölkerung und unserer Stadt im Vordergrund steht.

Die Umsetzung der Visionsergebnisse und die konsequente Einbeziehung der Bürger/innen in wichtige Entscheidungen werden der Weg in eine erfolgreiche Zukunft sein. Die große Herausforderung wird jedenfalls die Neugestaltung und Aufwertung der Innenstadt sein – ein Prozess, der nun kurz vor der Umsetzung steht. Diese Chance sollten wir nicht vergeben, auch nicht im Hinblick auf die vielen großen Herausforderungen, die uns noch bevorstehen.

Was soll nach diesen fünf Jahren von Ihrer Politik übrig bleiben?

Hohenems hat sich mitten im Rheintal klar positioniert und wird sich durch die Aufwertung des Zentrums und die damit einhergehende Entwicklung seiner Ortsteile deutlich von den anderen Kommunen abheben. Kultur, Wohn- und Lebensqualität und eine gesunde, nachhaltige, wirtschaftliche und bürgerfreundliche Entwicklung werden die Alleinstellungsmerkmale unserer schönen Stadt sein. Darum haben wir uns die letzten Jahre bemüht und die Basis für die Umsetzung in den kommenden fünf Jahren gelegt.