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Bürgermeldungen
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Stadtplan
11.08.2015

Sommergespräche: Interview mit Alt-Stadtrat Mag. (FH) DI Karl Dobler

Alt-Stadtrat Mag. (FH) DI Karl Dobler

Persönliches:

  • 50 Jahre, verheiratet, zwei Kinder
  • Gesellschaftender Unternehmer Medizinaltechnik in Liechtenstein
  • von 2005 bis 2010 in der Stadtvertretung und in fünf Ausschüssen aktiv
  • von 2010 bis 2015 Wirtschaftsstadtrat sowie in fünf Subgremien aktiv

Sie sind nach den letzten Gemeindewahlen aus der Stadtpolitik ausgeschieden. Wie beurteilen Sie den Wahlkampf und das Wahlergebnis?

Wahlkampf ist immer hart, da es Wettbewerb ist. Mir persönlich hat dieses Mal einiges nicht gefallen, speziell in der Endphase. Das Ergebnis ist selbstverständlich zu akzeptieren. Wenn man selber eine andere Vorstellung hat, ist das natürlich nicht so erfreulich, aber dann muss man eben nach den Gründen suchen, warum es zu diesem Ergebnis kam und daraus dann die notwendigen Maßnahmen ableiten.

Welche Projekte konnten in den vergangenen fünf Jahren aus Sicht des Wirtschaftsressorts umgesetzt werden?

Ich hatte mir nach den Wahlen in 2010, gemeinsam mit dem Ausschuss, zehn Ziele erarbeitet, wobei ich gesagt habe: Die drei erstgereihten will ich unbedingt erreichen. Das Hauptziel war die Umwidmung des Betriebsgebiets BBA14, das zweite Ziel die Belebung der Innenstadt und das dritte Ziel Ruf- Image und Auftritt der Stadt Hohenems zu verbessern. Beim Projekt BBA14 hätte ich am liebsten gehabt, wenn noch während meiner Amtszeit die Bagger aufgefahren wären, aber das ist natürlich ein großes Projekt, das sich quer durch viele Gremien und Instanzen zieht. Die wichtigsten Schritte haben wir aber ganz klar erreicht.

Dann natürlich die Belebung der Innenstadt. Da haben wir ein großes Umdenken in der Bevölkerung und vor allem in der Politik herbeigeführt. Vor fünf Jahren hat dieses Thema fast niemanden wirklich interessiert und nur wenige haben ernsthaft an die Belebung geglaubt. Die Innenstadt ist aber das Kernstück einer Stadt und darauf muss man viel mehr Fokus und Geld setzen, natürlich ohne die Peripherie außer Acht zu lassen. Und heute ist es wirklich so, dass es in vielen Köpfen drin ist und das sehe ich als großen Fortschritt. Inzwischen sind auch die Investoren gekommen, v. a. Markus Schadenbauer-Lacha, der am Meisten bewegt hat.

Die Innenstadtentwicklung ist inzwischen unaufhaltsam. Es ist nur noch die Frage offen, wie schnell es weiter geht. Im langfristigen Finanzplan der Stadt wurden die Rahmenbedingungen geschaffen. Auch die Fraktionen sehen heute im Wesentlichen, dass etwas getan werden muss. Es hängt somit vor allem am politischen Willen.

Es geht natürlich nicht alles gleichzeitig. Wenn ich zu A ja sage, muss ich eventuell zu B nein sagen oder erst später ja sagen, aber grundsätzlich ist fast alles machbar. Bezüglich Image muss man vor allem aufpassen, dass Streitereien nicht zu Lasten der Stadt in die Öffentlichkeit getragen werden. Das hat die letzten fünf Jahre recht gut funktioniert, auch wenn viele Politiker am Anfang der letzten Legislaturperiode diesem Spiel der freien Kräfte noch skeptisch gegenüber standen. Das war neu in Hohenems, weitestgehend auch in Österreich.

Ich denke, dass es auch in der Bevölkerung gut ankam, dass man nicht mehr so viel Negatives gehört hat. Die Fraktionen haben erkannt, dass man Probleme lieber erst intern löst, bevor man an die Öffentlichkeit geht. Im Zuge der heurigen Wahlen hat sich das leider eher wieder zum negativen umgekehrt.

Welche Herausforderungen stehen Ihrer Meinung nach in den kommenden fünf Jahren an?

Arno Gächter wird seine Ziele selber finden und bewerten. Ich bin allerdings noch immer davon überzeugt, dass die drei von mir aufgezählten Ziele die wichtigsten sind, allen voran das Projekt BBA14, das pro Jahr rund eine halbe Million Euro an Steuereinnahmen bringen wird. Daher ist jedes Jahr, das wir hier verpassen, ein Jahr, in dem wir eine halbe Million verlieren. Aber neue Besen kehren anders. Da muss das neue Team selber herausfinden, wie es diese Dinge
bewertet.

Wie geht es Ihnen nun ganz ohne Politik und welche persönlichen Ziele haben Sie nun im Blick?

Ich habe das Gefühl, ich bin seit drei Monaten durchgehend im Urlaub. Es ist ein völlig neues Lebensgefühl. Allein aus dem Grund, weil der Termindruck weg ist. Auf Monate raus musste ich schauen, wann ich mal einen Tag frei haben wollte. Ich habe nach wie vor meine Vereine, in denen ich aktiv bin, aber das ist im Vergleich dazu nicht der Rede wert, was den Faktor Zeit angeht.

Persönliches Ziel ist es nun, unser Unternehmen weiter hochzubringen und dann werden sich vermutlich neue Projekte ergeben. Ich habe immer wieder neue Ziele und Herausforderungen gefunden und denke, das wird auch in Zukunft so der Fall sein.

Welches Fazit ziehen Sie über die vergangene Periode?

Zuerst muss ich die Frage erläutern, warum ich überhaupt in die Politik gegangen bin, denn es ist ein harter Job. Das sieht man von außen nicht unbedingt, aber es ist so. Ich bin in die Politik gegangen, weil ich aus Götzis zugezogen bin, um neue Leute und meine neue Heimat kennenzulernen. Ich habe dabei extrem viele Leute kennengelernt und die Hohenemser/innen zu schätzen gelernt.

Ich wollte etwas tun für meine Stadt und ich wollte dazu lernen und Politik verstehen. Diese persönlichen Ziele habe ich eigentlich alle abgehakt. Die politischen Ziele sind natürlich nie ganz erreicht, aber ich bin für mich persönlich zufrieden. Ich habe im Wesentlichen das erreicht, was ich erreichen wollte, was mir auch den Ausstieg aus dem Amt des Stadtrats erleichtert hat.