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Bürgermeldungen
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Stadtplan
23.07.2015

Sommergespräche: Interview mit Alt-Stadtrat Kurt Raos, MSc

Alt-Stadtrat Kurt Raos, MSc

Persönliches:

  • 58 Jahre, verheiratet, ein Sohn
  • Zollbeamter
  • Masterstudium für Politische Bildung (MSc) sowie akademisch geprüfter Personal- und Organisationsentwickler
  • von 1990 bis 1997 Stadtvertreter, von 1997 bis 2000 Stadtrat für Gesundheit und Soziales, von 2000 bis 2005 Vizebürgermeister und Stadtrat, von 2010 bis 2015 Stadtrat für Umwelt, Forst-, Land- und Jagdwirtschaft

Sie sind nach den letzten Gemeindewahlen aus der Stadtpolitik ausgeschieden. Wie beurteilen Sie den Wahlkampf und das Wahlergebnis?

Von Seiten der Freiheitlichen ein sehr professionell geführter Wahlkampf. Die Hohenemser Bürger/innen wollten Veränderung. Einzig die Emsigen & Grünen konnten einigermaßen mithalten. Die Anderen wie SPÖ und Bürgerbewegung Hohenems (BBH) sind zwischen den großen Blöcken ÖVP und FPÖ zerrieben worden.

Welche Projekte konnten in den vergangenen fünf Jahren aus Sicht des Umweltressorts umgesetzt werden?

Es war für die Bürgerbewegung immer ein Anliegen, dass das Image von Hohenems endlich ein besseres wird, „Schaffa – nit stritta“ war unser Motto und wir haben das auch gelebt. In meinem Ressort Umwelt, Land-, Jagd- und Forstwirtschaft haben wir viel erreicht. Wir haben die erfolgreiche Programmreihe „Naturvielfalt in der Gemeinde“ aufgebaut. Wir haben die Nutzung der Wanderwege mit einem Gestattungsvertrag mit der gräflichen Familie und deren Gutsverwaltung rechtlich abgesichert, die Wanderwege saniert, u. a. den Zick-Zack-Weg, Leiternweg usw.

Weiters war die Umstellung bei der Müllsammlung, Papierabholung ab Haus, ein richtiger Schritt, den wir initiiert haben. Ein Schwerpunkt bildete die Aufgabe zur Aufnahme in das e5-Programm. Stolz sind wir auch auf die Errichtung eines kleinen Naturschutzgebiets am Alten Rhein.

Die Wiederholung des Tages der Artenvielfalt war ebenfalls ein tolles Projekt. Das große Engagement für die Schutzwaldprojekte und die Wildbachverbauung war eine der wichtigsten Aufgaben, weil es hier um die Sicherheit der Stadt Hohenems gegangen ist. Als wichtige Aufgabe sahen wir aber auch die Kontrollfunktion bei Entscheidungen in der Stadt. Unter anderem haben wir erreicht, dass die vom Bürgermeister beabsichtigte Ausgliederung der Stadtwerke wieder rückgängig gemacht wurde. Die Hoheit über unser Wasser ist nun sichergestellt.

Bei etlichen Verträgen, die der Stadtvertretung zur Beschlussfassung vorgelegt worden sind, konnten wir gravierende Mängel aufzeigen und erreichen, dass durch entsprechende Änderungen Schaden von der Stadt abgewendet worden ist. Weiters gehörte die Ausschussarbeit in unzähligen Ausschusssitzungen zu den Kernaufgaben.

Welche Herausforderungen stehen für Ihren Nachfolger Martin Buder in den nächsten fünf Jahren an?

Das „Leben und Entwickeln“ des Visionsprozesses ist die Grundlage für die zukünftige Entwicklung von Hohenems. Eine wesentliche Basis und Grundlage für eine erfolgreiche Stadtentwicklung ist das lebendige „Räumliche Entwicklungskonzept (REK)“. Wo arbeiten wir, wo wohnen wir, wo verbringen wir unsere Freizeit, welche Ressourcen stehen uns dazu zur Verfügung?

Diese Fragen gilt es zu erarbeiten, zu beantworten. Vision Stadt Hohenems ist somit für mich auch Vorbereitung, Grundlage und Anstoß für ein umfassendes Räumliches Entwicklungskonzept. Dieses Entwicklungskonzept soll Wegweiser für die Zukunft von Hohenems sein und soll Fehlentwicklungen schon in den Planungsphasen minimieren. Der Visionsprozess, somit die Grundlage für das REK, kann nicht – ist nicht – ein Wunschkonzert. Jedes Ziel im REK muss „fertig gedacht“ sein. Hohenems muss für sich spezifische Ziele im REK definieren. Die Ziele im REK müssen einer Erfolgskontrolle standhalten.

Ziele des REK dürfen nicht durch Ideologien behindert werden. Die Zielfindung für ein REK muss ein Lernprozess bleiben, der immer nur vorläufig abgeschlossen werden darf. Der Visionsprozess ist also ein gezielter Blick in die Zukunft, deren Einsichten in einem REK Niederschlag finden müssen. Zukunft gestalten und definieren kann nur mit engagierten Bürger/innen, einer motivierten Stadtverwaltung und vorausschauenden Kommunalpolitiker/innen erfolgen. Dies sind für mich die Erfolgskriterien für einen lebendigen Visionsprozess und ein zukunftsweisendes Räumliches Entwicklungskonzept und somit für die Entwicklung der Stadt Hohenems.

Weiters muss dringend an der Umsetzung des Verkehrskonzeptes gearbeitet werden (blaue Zonen, bauliche Gestaltung, usw.). Im Bereich der Bildungsinfrastruktur ist es unbedingt erforderlich, dass im Neunteln eine Schule gebaut wird. Zudem ist die Modernisierung und Entwicklung der Stadtverwaltung ein ständiger Prozess, der nicht aus den Augen verloren werden darf.

Wie geht es Ihnen nun ganz ohne Politik und welche persönlichen Ziele haben Sie nun im Blick?

Es gibt bei mir schon ein weinendes und ein lachendes Auge. Ich habe die Politik für Hohenems immer sehr gerne gemacht. Nun, persönliche Ziele habe ich direkt keine, ich betreibe sehr viel Sport, lese sehr viel, gehe in dieser Woche noch auf den Jakobsweg und so weiter. Für künftig könnte ich mir vorstellen, ehrenamtlich im Sozialbereich tätig zu sein.

Welches Fazit ziehen Sie über die vergangene Periode?

Es ist der Bürgerbewegung nicht gelungen, ihre produktive und engagierte Arbeit für die Stadt Hohenems den Bürger/innen näherzubringen.