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Stadtplan
03.11.2015

Hohenems im Ersten Weltkrieg (20)

Die USA verhielten sich neutral, ihre Versuche zu vermitteln scheiterten. Im Lande riefen die Gemeinden zu Geldspenden auf, um mit Hilfspaketen das Los der Kriegsgefangenen und Frontsoldaten zu lindern.

Ein Blick über den Atlantik: Die USA hatten sich Ende des 19. Jahrhunderts in Mittel- und Südamerika ihr eigenes „Imperium“ geschaffen. Die Präsidenten handelten „erfüllt vom Glauben an die Mission Amerikas im Leben der Völker“. Washington verfolgte wirtschaftliche Interessen und forderte den gleichberechtigten Zugang zu den Märkten.

USA als Vermittler und Reservekraft

Präsident Wilson setzte zunächst alles daran, die USA vom Kriegsgeschehen in Europa fernzuhalten. Er misstraute einem „zusammengestoppelten vorzeitigen Frieden“. Die Zeit nach dem Krieg sah er als Chance für sein Land: „Falls Amerika sich aller Welt gegenüber freundschaftlich benimmt, wird es den Vorzug haben, geistiger Vermittler sein zu können. Es sieht danach aus, als ob die Vereinigten Staaten nach dem Kriege die Reservekraft der Welt in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht bilden wird.“ (VoV, 17. Dez. 1915)

Das Geschäft mit dem Krieg blühte

Amerika lieferte Waffen und Munition an Großbritannien, Frankreich und Russland. Die US-Regierung setzte weiter auf Neutralität, ihre Vorstöße zu einer Vermittlung lehnten Deutschland und Großbritannien ab. In London predigte Bischof Arthur Winnington-Ingram 1915: „Tötet die Deutschen! Tötet sie! [...] Für mich ist es ein Krieg um der Reinheit willen, für mich ist jeder, der in ihm fällt, ein Märtyrer!"

Nur der Sieger macht Frieden

Hurra! Wir wer‘n das Ding schon schieben. Propaganda-Postkarte (Bildnachweis: Wien Museum)

In der Machtzentrale des deutschen Kaisers verfestigte sich die Idee eines „Siegfriedens“: Allein der Sieger bestimmt die Bedingungen des Friedens. So musste der Krieg weiter geführt werden bis zum Sieg. Denn keiner der kriegsbeteiligten Staaten hatte seine zu Beginn formulierten Ziele auch nur annähernd erreicht. Das schnelle Siegen fand nicht statt. Eine Niederlage hätte in den Verliererstaaten gleichermaßen zu gravierenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen geführt.

Kriegerkreuz und Kriegernamen

Vor einem Jahr noch hatte das geschmückte Kriegergrab auf dem Friedhof St. Anton für Aufregung gesorgt. Pfarrer Renner hielt fest: „Auf demselben stehen jetzt 30 Kriegernamen. Wer kirchlich bestattet ist, dessen Name wird aufs Kriegerkreuz geschrieben.“ (almanach30, S. 52) Doch bis Ende 1915 waren auf den „Feldern der Ehre“ 65 Soldaten aus Hohenems gefallen. Die Folgen der stetigen Einberufungen waren bei der Feier des Patroziniums sichtbar: „Vereine erschienen, aber ihre Reihen sind kurz.“ (almanach30, S. 52)

Pakete für Weihnachten

Liebesgaben-Paket für unsere Kriegsgefangenen. (HGBl. Nr. 47/1915)

Der Bürgermeister rief zu einer Sammlung für die Hohenemser in Kriegsgefangenschaft auf: „Es ist daher unsere Ehrenpflicht, denselben die Not und Entbehrung, all ihr Leid und die Sehnsucht zu mildern.“ (HGBl. Nr. 47/1915) Die Pakete sollten vor Weihnachten in den Lagern eintreffen. In Hohenems spendeten 247 Personen, überwiegend waren es kleine Beträge. Die Sammlung ergab 1.424,50 Kronen.

Ungezieferseife und Laussalbe

In jedem Paket konnten noch zusätzlich eine Hose, Handschuhe und Ungezieferseife mitgeschickt werden. (HGBl. Nr. 50/1915) Neben warmen Kleidern baten Soldaten und Gefangene auch um Laussalbe gegen Kleider- und Leibläuse, wie es in einem Liedtext heißt: „[…] Russen haben wir getrieben tausendweis´ in Moor und Sumpf, ihre Läuse sind geblieben, sitzen uns in Hemd und Strumpf, […] Bruder, schicke Lausesalbe, Lausesalbe schicke her!“ (Volksliederarchiv)

Geschwächtes Österreich-Ungarn

Tageszeitungen berichteten von den „Kriegsschauplätzen“ meist nur Erfolge, Einbußen hatte vorwiegend die generische „Viererbande“. Gegen Jahresende war Friede in den Medien kein Thema mehr. Österreich-Ungarn war geschwächt, ein Beenden des Krieges ohne Zustimmung des Bündnispartners Deutschland undenkbar. Pfarrer Renn hielt öfters Kriegsvorträge, am 22. Dezember im Lokal des katholischen Arbeitervereins zum Thema: „Der Durchbruch durch Serbien und seine Bedeutung.“ (VoV, 22.Dez. 1915)

Kummer und Sorgen zu Hause

Stellenangebote. HGBl. 44/1915.

Das Jahr 1915 endete wie es begann, mit Kriegselend an den Fronten und sorgenvollem Warten zu Hause: „Ich warte auch schon mit Schmerzen bis mein lb. Mann zurückkommt, denn in heutigen Verhältnissen ist es keine Kleinigkeit, allein ein Geschäft mit fremden Leuten u. für 4 Kinder sorgen gibt manche schlaflose Nacht […]“, schrieb Therese Fenkart am 9.12.1915 an ihren Bruder Anton. (Briefe. Archiv Alfons Peter)
Arbeitskräfte fehlten, wehrdienstpflichtige Männer mussten einrücken. Ihre Arbeiten übernahmen mehr und mehr Frauen zuhause und auch in den Textilbetrieben.

Weihnachtsfriede

Nein! An der Dolomitenfront notierte Anton Peter am 24. Dezember 1915 in sein Tagebuch: „[…] 12h 5 feindlicher Angriff mit zwei Alpinbataillonen am Felsentor. Der Feind wurde trotz großer Übermacht mit bedeutenden Verlusten zurück geschlagen. Feindlicherseits betrugen die Toten 250 u. viele Verwundete, unserseits 18 Tote und gegen 50 Verwundete. […] Der Kampf dauerte bis am Vormittag 8 Uhr.“ (Tagebuch. Archiv Alfons Peter)
Die Kriegsfurie wütete weiter, trug ungehemmt Zerstörung, Not und Tod ins neue Jahr.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems

Wenn Sie Tagebücher, Feldpostkarten, Bilder oder Erinnerungsstücke aus der Zeit des Ersten Weltkrieges haben, melden Sie sich bitte bei Mag. Edmund Banzer, E-Mail edmund.banzer@cable.vol.at oder Tel. 05576/73315.

Übersicht über Beiträge zu "Hohenems im Ersten Weltkrieg"

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2014)

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2015)