A+
A+
A+
Bürgermeldungen
drucken
Stadtplan
27.10.2015

Hohenems im Ersten Weltkrieg (19)

Während des Jahres 1915 gab es auch Denkanstöße für einen Frieden. Die Kriegsbegeisterung nahm ab, Medien lenkten die öffentliche Meinung. Schritte zur Versöhnung galten als unpatriotisch, als Zeichen von Schwäche.

Schon 1914 hatte Papst Benedikt XV. den Kriegsausbruch verurteilt. Seine mahnenden Worte standen in einem krassen Gegensatz zu den Menschen, die den Krieg begeistert begrüßten mit Sprüchen wie „Franzosen, Belgier, Serben, ihr alle müsst jetzt sterben“. Im Juli 1915 bezeichnete der Papst den Krieg als „grauenhaft nutzlose Schlächterei“. Seine Aufrufe zu Frieden und Verständigung verhallten im Kriegslärm der Schlachten.

Frauen für Frieden

Initiativen für einen Frieden gab es bereits im April 1915. Mehr als 1.000 Vertreterinnen von Frauenvereinen aus zwölf Staaten trafen sich in Den Haag zu einer Konferenz, um gemeinsam über Wege zum Frieden zu diskutieren. Einzelne Staaten verboten die Teilnahme an dieser Konferenz wie z. B. Deutschland. Großbritannien verweigerte vielen Bürgerinnen die nötigen Reisedokumente. Die Resolutionen blieben ungehört.

Friedenssehnsucht

„Weltfriedens-Gedanken“ waren auch Thema im Vorarlberger Volksblatt vom 3. Oktober 1915, doch es blieb bei einem Abriss über große historische Friedenschlüsse. Das gedruckte Wort – wenn auch zensuriert – war meinungsbildend. „Friedens-Raunen“ nannte es der Redakteur des Bregenzer Tagblattes (11. Sept. 1915), womit er die Stimmung in der Bevölkerung wiedergab. „Der erste Schritt zur Versöhnung“ könnte aber – so der Tenor des Artikels – als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden. „Wenn uns das Wort Friede auf den Lippen dräugt“, so deshalb, „weil wir es sein werden, die die Bedingungen festsetzen werden, unter welchen die Waffen aus der Hand gelegt werden dürfen.“

Kino mit Klavierbegleitung

„Maler-Meister Adolf Hefel“ übernahm bei dieser Vorstellung die Klavierbegleitung. (HGBl. Nr. 52/1915)

In Wien diskutierte eine Gruppe von Industriellen um Julius Meinl laut über Wege zu einem Frieden. Andererseits begann man 1915 „Kriegs-Propagandafilme“ zu produzieren nach Art einer Wochenschau. Friedenssehnsucht und Propaganda vermischten sich.
Das „I. Hohenemser Turnhallen-Kino (Maximilianstraße Nr. 1)“ präsentierte ein vielfältiges Programm. Die Bilder waren von „der hohen k.k. Statthalterei in Innsbruck zensuriert“. Schulpflichtige Kinder durften einzelne Vorführungen nur besuchen, wenn „die Herren Lehrer“ es gestatteten.

Stimmungsbilder

Schützenwacht (Ausschnitt). Von einem Hohenemser Standschützen im Südtirol. (HGBl. Nr. 31/1915)

Die meisten Soldaten betrachteten den Krieg zu Beginn als einen voraussichtlich nicht lange andauernden Ausnahmezustand. Viele junge Männer aus bürgerlichem Hause gehörten zu jenen Kriegsbegeisterten, die vom anerzogenen Hurra-Patriotismus „Für Gott, Kaiser und Vaterland“ und von Sehnsüchten nach Abenteuer geleitet wurden. Die Stimmungen der Gemusterten und Einberufenen lassen sich mit den Begriffen „Kriegsbereitschaft, Kriegsergebenheit oder Pflichterfüllung“ umschreiben.

Krieg als Schicksal

Das Hauptquartier: Buben spielen im Tiergarten 1915. (Bildnachweis: Kulturkreis)

Der Großteil der ländlichen Bevölkerung fügte sich dem „Schicksal Krieg“ wie einer unvermeidlichen Naturkatastrophe. Vorarlberg war weder mit direkten Kriegshandlungen noch mit Zerstörungen konfrontiert. Doch der Krieg zog immer deutlichere Spuren und war ein ständiger Begleiter im Alltag. Kriegsbilderbücher und Propaganda-Postkarten stellten den Krieg als großes, heroisches Abenteuer dar. Das Spiel der Schulkinder im Hohenemser Tiergarten spiegelte die gesellschaftlichen Wertvorstellungen wieder. Das Militär war die „Schule der Nation“, der „Zauber der Montur“ begeisterte Männer und Buben.

Heimaturlaub

Soldaten war es untersagt, zuhause über ihre Kriegserlebnisse zu sprechen, manche konnten auch nicht darüber reden. In Gasthäusern durfte an Soldaten kein Alkohol ausgeschenkt werden, um deren Zungen nicht zu lösen. Im Oktober kam Bäckermeister Johann Fenkart (17.10.1915) von der italienischen Front auf Heimaturlaub. Gesund aber „doch 8 kg leichter geworden“ deute er gegenüber seiner Frau die eigene Gefühlslage so an: „[…] wenn man älter sei, so nehme man die Sache nicht mehr so leicht auf, da stehen sie halt doch ziemlich nahe dem Feind gegenüber, was einem oft Kopfarbeit macht.“ (Briefe. Archiv Alfons Peter)

In russischer Gefangenschaft

Mit Fortdauer des Krieges und der Versorgungsmisere schwächte sich die patriotische Begeisterung deutlich ab. Todesnachrichten und die Ungewissheit um das Schicksal vieler Soldaten beschwerten das Leben der Familien. Das im Gemeindeblatt abgedruckte „Verzeichnis der Kriegsgefangenen von Hohenems“ (HGBl. Nr. 45/48/50/1915) vermittelte zwar Zuversicht, doch die russischen Gefangenenlager lagen weit im Osten: Taschkent, Kainsk, Ufa etc. Insgesamt gab die Liste (mit Nachmeldungen) Auskunft über den Aufenthaltsort von 75 Gefangenen, davon waren allerdings vier in Italien und zwei gestorben. Transportstrapazen, Kälte und schlechte Ernährung machten die Gefangenen für Krankheiten anfällig.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems

Übersicht über Beiträge zu "Hohenems im Ersten Weltkrieg"

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2014)

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2015)