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Stadtplan
19.10.2015

Hohenems im Ersten Weltkrieg (18)

Die italienische Front war hart umkämpft. Einige Soldaten schrieben ihre Erlebnisse in Tagebüchern auf. Die Heeresleitung richtete sich auf einen zweiten Kriegswinter ein.

Aus militärischer Sicht waren Hoffnungen auf ein Kriegsende unrealistisch. Die Lage hatte sich mit dem Sieg über Serbien zugunsten der Mittelmächte verändert. Die alliierten Streitkräfte hingegen missachteten die griechische Neutralität und landeten im Oktober 1915 in Saloniki, um in die bevorstehenden Kämpfe auf dem Balkan einzugreifen.

Italienische Front

Frontverlauf in den Dolomiten und am Isonzo 1915.

Im selben Monat scheiterte auch der dritte italienische Großangriff an der Isonzo-Linie. Nach wochenlangen Kämpfen konnte der erneute Versuch der Italiener, den Fluss zu überschreiten und auf Triest vorzustoßen, abgewiesen werden. Die Verluste an Verwundeten und Gefallenen bei dieser Offensive waren auf beiden Seiten erheblich; Italien: 60.000 Mann (davon ca. 11.000 Tote), Österreich-Ungarn: ca. 42.000 Mann (davon ca. 9.000 Tote). Diese Front blieb heftig umkämpft, keine Seite konnte entscheidende Vorteile verzeichnen.

Aus dem Tagebuch eines Frontsoldaten

Josef Peter, Antons Bruder, war ebenfalls im Trentino eingesetzt; hier als Werkführer (sitzend mit Plan) vor einem Unterstand auf der Cima d‘Oro. (Bildnachweis: Alfons Peter)

Die Kämpfe an beiden Frontlinien wurden unter hohem Materialeinsatz geführt. Im Süden starteten die italienischen Truppen Offensiven in den Dolomiten. Ein paar Zeilen aus dem Tagebuch (11.-12. X. 1915) von Kanonier Anton Peter geben Einblicke in die Situation an der Front: „Als es dann gegen 6 h lichter wurde, kam von dem Beobachter auf dem Noditsch die Nachricht, daß feindliche Truppen über Pregasina sich unserer Stellung nähern. […] Es entspann sich sodann bis 12 h ein heftiger Artilleriekampf. Infanterie des Feindes […] stürmte aus den Schützengräben und aus den von der Natur geschaffenen Mulden u. Nischen gegen unseren Drahtverhau vor, wo sie aber größtenteils durch das Gewehrfeuer u. Handgranaten umkamen. Der Kampf war heftig und dauerte bis abends 21 h, wo wir dem, sich im Gebüsche zurückgezogenen Feinde, unsere letzten Schrapnells nachsandten. Am Morgen des nächsten Tages, 12. Oktober, war es ziemlich ruhig. Gegen Mittag wurden einige Schlupfwinkel feindlicher Mannschaft entdeckt und durch unsere Geschütze gesäubert.“ (Privatarchiv Alfons Peter)

Beschlagnahme von Schlitten

Die Erfahrungen des ersten Kriegswinters zeigten Folgen: Das Militärkommando Innsbruck forderte die Bevölkerung von Hohenems auf, betriebstaugliches Material für „Pferdezug“ wie „Personenschlitten, Holzfuhrschlitten, Heuschlitten (mit großem Laderaum)“ ebenso „Hörner- und Handschlitten und Rodeln“ etc. bei der Gemeinde zu melden und als beschlagnahmt zu betrachten. (HGBl. Nr. 37/1915)

Es mangelte zunehmend an der Versorgung der Soldaten mit warmer Kleidung und Lebensmitteln, ebenso fehlte Futter für die Tiere. Die Heeresverwaltung schrieb dem politischen Bezirk Feldkirch eine Heulieferung von „8.000 Meterzentner Heu und 1.000 Meterzentner Stroh“ vor, die Bezahlung an die Lieferanten erfolgte entsprechend der Heuqualität. (HGBl. Nr. 35/1915) Streue wurde ebenfalls angekauft.

Vorratskeller der Gasthäuser

Gasthaus Frühlingsgarten um 1912. (Bildnachweis: Anton Reis)

Ab Anfang Juli 1915 wurden Vorräte von alkoholischen Getränken und Esswaren registriert. Die Wirtsleute der 37 Gasthäuser, Produzenten und Händler in Hohenems waren aufgefordert, „Sämtlich in ihrer Verwahrung befindlichen eigenen und fremden Weine, nach Menge und Gattung anzuzeigen.“ Auch die anderen „gehörigen Waren in Verwahrung“ waren an die Behörden bis September meldepflichtig. (HGBl. Nr. 37/1915) Bei Bedarf konnte die Gemeinde auf diese Reserven zurückgreifen.

Fleischlose Wochentage

Fleischersatz. HGBl. Nr.34/1915.

Brot und Mehl konnte man nur mit einem „Bezugsbüchlein“ einkaufen, in dem die je nach Familiengröße zugeteilten Mengen aufgeschrieben waren. Wegen des knappen Mehlvorrats wurde Brot nur noch für eine Woche ausgegeben. Der allgemeine Mangel zeigte sich an der amtlichen Vorschreibung von zwei fleischlosen Tagen pro Woche. Im Bregenzer Tagblatt vom 2. Oktober 1915 war die Rede davon, dass künftig diese Vorschrift sogar auf drei oder vier Tage ausgedehnt werden solle.
Als Alternative boten Kaufleute in Hohenems „frische Meerfische“ und Schnecken an. Pfarrer Renn notierte in seiner Chronik: Die Obsternte stehe „im Großen und Ganzen gut. Ebenso Kartoffeln, Kraut und Türken“. (almanach30, S. 52)

Wochenmarkt

Mitte Oktober führte die Gemeinde – „einem oft gehegten Wunsche der Bevölkerung entsprechend“ – einen Wochenmarkt ein: „Die Landwirtschaft treibende Bevölkerung der Marktgemeinde Hohenems wird nunmehr ersucht, den wöchentlich stattfindenden Markt zu besuchen und dort ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse feilzuhalten.“ Jeweils am Samstag von 7.30 bis 12 Uhr sollte der Markt auf der Parzelle Nr. 78 und 828 abgehalten werden. In Anbetracht der wirtschaftlichen Lage verzichtete die Gemeinde auf Standgebühren. (HGBl. Nr. 42/1915) Zu den angebotenen Waren sind leider keine Aufzeichnungen vorhanden.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems

Übersicht über Beiträge zu "Hohenems im Ersten Weltkrieg"

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2014)

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2015)