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19.10.2015

Hohenems im Ersten Weltkrieg (17)

Die Mittelmächte konzentrierten Truppen für einen Angriff gegen Serbien. Ihre Ressourcen an Kriegsmaterial schmolzen zusammen. Das Rote Kreuz und Familien verschickten Hilfspakete an Gefangene und Frontsoldaten.

Zurückgeschlagener russischer Vorstoß. Propaganda-Feldpostkarte 1915 (Bildnachweis: Privatarchiv)

Der Drei-Frontenkrieg erschwerte die Lage der Mittelmächte. Das stehende Heer wurde an den Fronten gegen Russland und Serbien gebraucht. Monat für Monat wurden neue Jahrgänge in Vorarlberg einberufen. Im August 1915 waren die Jahrgänge1865 bis 1874 zur Landsturmmusterung aufgeboten. Alter und mangelhafte Ernährung wirkten sich auch auf den Gesundheitszustand aus, von 177 Männern waren in Hohenems nur 76 tauglich. (almanach30, S. 51). Zusätzlich wurden weiterhin Standschützen zum Dienst an der Südwestfront aufgeboten.

Einmarsch in Serbien

Geschäft mit dem Krieg. (VoV, 19. Sept. 1915)

Durch den Kriegseintritt Bulgariens erhielten die Mittelmächte Verstärkung. Ihre verbündeten Truppen begannen Anfang Oktober 1915 einen neuen Großangriff gegen das Königreich Serbien. Der serbische Widerstand brach langsam zusammen, im Dezember besetzten österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen unter deutschem Oberbefehl ganz Serbien.

Glocken schmelzen zu Kanonen

Seit Jahrhunderten holten Landesherren in Kriegszeiten Glocken aus den Kirchtürmen und schmolzen sie in militärisches Gerät um. Kirchenglocken enthielten große Mengen Kupfer und Zinn, die sogenannte „Glockenspeise“. Diese Metallreserven waren für die Produktion von Munition und Kanonen unentbehrlich. Die beabsichtige Abnahme einzelner Glocken erregte allerdings heftige Emotionen in der Bevölkerung. Daher versuchten es die Behörden Ende Mai 1915 vorerst mit einem Aufruf zur freiwilligen Abgabe von „entbehrlichen“ Kirchenglocken. Patriotismus und Geschäftssinn bildeten eine Allianz.

Einsatz an der Front

Jede Stunde bereit, mit dem Stutzen in der Hand. (HGBl. Nr.34/1915)

Die Vorarlberger Standschützen hatte man an die Reichsgrenze im Süden und Südwesten verlegt. Nicht zum Frontdienst Taugliche kehrten nach Hohenems zurück. Sie berichteten, dass die Standschützen dort nicht nur Wachdienste oder Transporte übernähmen. Überraschenderweise seien sie – ohne militärische Grundausbildung – direkt an die Front gegen Italien gestellt worden. Doch dafür war die Ausrüstung der Schützen äußerst mangelhaft. Sie erhielten die „Montur“ der k. u. k. Gebirgstruppen, da man befürchtete, dass sie womöglich mit „Freischärlern“ verwechselt würden.

Spendenfreudige Emser

Das Rote Kreuz rief die Bevölkerung auf, Geld zu spenden oder mit Wolle und Stoffen die Arbeit der Nähstube zu unterstützen. Daraus fertigten Frauen seit Kriegsbeginn „Liebesgaben“ – warme Wäsche und Wollsachen – für Gefangene aus Hohenems und „unsere Helden an der Front“, damit sie „die rauen Wintertage leichter überstehen“. (HGBl. Nr. 42/1915)
Die Gemeinde rief zur Abgabe von Zigarren, Zigaretten oder Tabak auf. Am „Zigarrentag“ sammelten Frauen für die Soldaten insgesamt 192 kg Tabakwaren: 590 Virginier-Zigarren, 167 Cuba, 1.794 Portoriko und 36.450 Zigaretten etc. Zusätzlich schickten Familien Pakete an ihre Soldaten. Für Liebesgaben aus der Heimat bedankte sich im Namen der Standschützen Eduard Jäger und wünschte eine Veröffentlichung seines Schreibens im Gemeindeblatt.

Sandsäcke für den Kampf in den Bergen

Die Vorarlberger Standschützen baten um Stoffsäcke aus der Heimat: „Bei dem Kampf in den Bergen bietet oft der Sandsack den einzigen Schutz des Soldaten gegen die Kugeln des Feindes. Der Bedarf nach solchen Säcken in Größe 60 x 40 cm aus beliebigem, nicht auffällig gefärbtem Stoff ist sehr groß.“ Die „auf drei Seiten geschlossenen Säcke“ konnten in Lustenau, Hohenems und Höchst „in großen Massen“ abgegeben werden. (HGBl. Nr. 33/1915)

Die Bürde der Frauen

Viele Arbeiten wurden beschwerlicher, da Zugtiere fehlten. Ein Großteil der wehrfähigen und handwerklich ausgebildeten Männer wurde an die Fronten geschickt. „Schon zwei Gehilfen wurden mir vom Kaiser zur Fahne gerufen. Jetzt habe ich den Sebastian Bodenmüller wieder, wo schon einmal 6 Jahre bei uns war. U. das alles hat sehr viel mit sich gebracht, so allein das Geschäft führen ist schwerer als man glaubt. Die lb Männer gehen halt schwer ab…“, schrieb die Bäckersfrau Theresia Fenkart an ihren Bruder Anton am 17. Oktober 1915. (Briefe, Archiv Alfons Peter)
Karl Kraus schrieb 1915 in Wien „Nichts hat sich geändert, höchstens, daß man es nicht sagen darf“. Doch ging das Leben weiter, mit Einschränkungen. Jeder Kriegsmonat brachte neue Herausforderungen für die Frontsoldaten und ihre Familien zuhause.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems

Übersicht über Beiträge zu "Hohenems im Ersten Weltkrieg"

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2014)

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2015)