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Stadtplan
19.10.2015

Hohenems im Ersten Weltkrieg (14)

Der Kampf ums Dasein im eigentlichen Sinne prägte den Alltag der Soldaten und der Familien im Hinterland. Auf der Suche nach einer neuen Heimat flohen Tausende aus Südtirol. Erfolge im Osten ließen auf ein Kriegsende hoffen.

1915: Zuhause bestimmte seit Monaten die Kriegssituation das Leben der Menschen: „Im Grunde ist nichts anders als sonst, als einst in der sagenhaften Zeit des Friedens. Aber es ist doch alles anders geworden, alles ernster, alles schwerer, alles nachdenklicher. Man hört so wenig weinen, wie man laut lachen hört“, schrieb Hermann Hesse nach einem Besuch im Dt. Reich.

Der Krieg wurde zum Alltag

Vorsorge für den Winter. (HGBl. Nr. 24/1915).

Der Traum vom schnellen Sieg war geplatzt. Frieden war nicht in Sicht. Der Alltag des Krieges schlich sich in das Leben der Menschen. An der Front wie in der Heimat galt es, sich auf einen längeren Krieg einzurichten, das Überleben zu organisieren. Der zweite Kriegswinter stand vor der Tür, Eigenvorsorge tat Not. Denn die kriegführenden Länder hatten ihre gesamte Wirtschaft und Industrie in den Dienst des Militärs gestellt, die beinahe letzten personellen Reserven wurden mobilisiert.

Neue Waffen für eine neue Art von Krieg

Der Luxusliner Lusitania (Stapellauf 1906) sank am 7. Mai 1915 nach Torpedoeinschlag in 18 Minuten.

Kriegsalltag 1915 - das bedeutete Stellungskrieg in den Schützengräben, der Giftgaseinsatz hatte die Kriegslage nicht verändert. Deutschland suchte gegen England die Entscheidung zur See und erklärte die Gewässer um Großbritannien und Irland zum Kriegsgebiet. Anfang Mai wurde von einem deutschen U-Boot vor der irischen Küste das britische Passagierschiff RMS Lusitania versenkt. Es hatte amerikanisches Kriegsmaterial für England an Bord und über 1200 Passagiere, darunter Kinder, US-Amerikaner und zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Durch diese Katastrophe ließ sich ein Teil der amerikanischen Öffentlichkeit für einen Kriegseintritt begeistern.

Zeppelin über London – Kämpfe am Isonzo

12. Juni 1915: Josef Peter (Bernhards) berichtet seinem Bruder Anton (Festung Riva) vom ersten gefallenen Kameraden im Trentino; zensurierte Feldpost. (Fotonachweis: Alfons Peter)

Am 31. Mai 1915 begann die „Luftschlacht um London“: Ein deutscher Zeppelin erschien kurz nach Sonnenaufgang über der britischen Hauptstadt und warf Bomben ab. Zwar waren die Zeppelin-Angriffe wenig effektiv, aber die Londoner Bevölkerung war geschockt, dass der Große Krieg nun auch sie erreicht hatte.

Nach dem Kriegseintritt Italiens fanden im Juni ernste italienisch-österreichische Kampfhandlungen statt. Von den Dolomiten bis zum Isonzo-Fluss im Osten bildete sich eine teilweise im Hochgebirge liegende neue Front. Dieses Grenzgebiet entwickelte sich zum Hauptkampffeld an der südwestlichen Front.
Trotz materieller Überlegenheit gelang es den italienischen Truppen 1915 nicht, über den Isonzo Richtung Slowenien vorzustoßen.

Flüchtlingswelle aus Südtirol

Flüchtlinge aus Südtirol. (VoV, 5. Juni 1915)

Die expansionistischen Kriegspläne Italiens lösten auch eine Fluchtbewegung aus Südtirol aus. Da das Trentino Frontland wurde, steigerte sich das Misstrauen gegenüber den Trentinern. Nicht selten standen sie gleichsam unter Generalverdacht und galten als „illoyal“. Darüber hinaus schlug den Flüchtlingen mancherorts die Ablehnung der einheimischen Bevölkerung entgegen, angesichts der immer schlechteren Lebensbedingungen sank die Hilfsbereitschaft. Hohenemser Hausbesitzer und Gastwirte wurden bei Strafandrohung aufgefordert, sämtliche ankommenden Flüchtlinge sofort zu melden. (HGBl. Nr. 22/1915)

Erfolge im Osten – Aussicht auf Frieden

Mitte Juni 1915 gelang österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen die Rückeroberung von Przemysl. Dies bedeutete einen entscheidenden Durchbruch durch die russischen Stellungen und eine Entlastung der Ostfront. Im Juli 1915 hatten die Mittelmächte weitere Erfolge, wichtige Städte wie Warschau, Brest-Litowsk und Vilnius konnten sie einnehmen.
Doch Siege und Niederlagen hielten die Waagschalen des Krieges weiter im Gleichgewicht. Das Engagement internationaler Frauenorganisationen für Frieden wurde in den kriegführenden Staaten quasi als unpatriotisch eingestuft.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems

Übersicht über Beiträge zu "Hohenems im Ersten Weltkrieg"

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2014)

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2015)