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Bürgermeldungen
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Stadtplan
19.10.2015

Hohenems im Ersten Weltkrieg (13)

Der Kriegseintritt Italiens an der Seite der Entente traf Österreich-Ungarn ins Mark, eine dritte Front tat sich auf. Zuhause fehlten Arbeitskräfte für die Ernte, da weitere Jahrgänge einberufen und nachgemustert wurden.

Seit 1882 war Italien im Militärbündnis „Dreibund“ mit Deutschland und Österreich eingebunden. Dadurch schien die Grenze nach Süden für die Mittelmächte gesichert zu sein, um die Kräfte an den Fronten gegen Frankreich und Russland konzentrieren zu können.

Nationalismus und Faschismus

Schulter an Schulter: Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Josef warten auf den Dritten im Bunde. (Foto: E. Schuler)

Italien war 1914 militärisch absolut unvorbereitet und die Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung war eher gering. Ein wesentlicher Grund für die abwartende Haltung der italienischen Regierung war, dass sie mit Österreich und der Entente Verhandlungen führte.

Italien forderte für eine Kriegsteilnahme eine angemessene „Belohnung“, nämlich Gebietsgewinne (z. B. Südtirol, Trentino, Triest), die Österreich aber verweigerte. Die Entente-Mächte dagegen machten 1915 die größeren Zugeständnisse. Der Wille zum Kriegseintritt wurde vor allem durch Nationalisten und den noch jungen Benito Mussolini gesteigert, der als Sozialist zu einem fanatisch-nationalistischen Faschisten mutierte.

Enttäuschte Dreibundpartner

Italien ist unser achter Feind. Kommentar zur Kriegserklärung. (VoV, 26. Mai 1915)

„Die österreichische Faust auf das verräterische Italien!“ So titelte das Vorarlberger Volksblatt seine Ausgabe vom 27. Mai 1915 und warnte davor, den neuen Gegner zu unterschätzen. Wütende Kommentare über den früheren Bündnispartner Italien füllten die Frontseiten aller Tageszeitungen.

Von patriotischen Kundgebungen in Wien und von einer Begeisterungswelle in Tirol wurde berichtet, dass „im Lande eines Andreas Hofer … 500 Männer zwischen 72 und 76 Jahren sich als freiwillige Standschützen gemeldet haben“. (VoV, 27. Mai 1915)

Viel Feind, viel Ehr!

Eugen Peter (Jg. 1892) kam 1915 an die italienische Front. (Foto: Lydia Häfele)

Die Vorarlberger Landes-Zeitung wertete den Gedanken als „heilige Sache“, jetzt „gegen die Welt von Fremden“ zu kämpfen: „Die vereinigten Gegner, Engländer, Franzosen, Italiener, Russen und Serben, Japs, Portugiesen, Rumänen und ihre aus allen Weltgegenden, bis aus Hinterindien und den Südseeinseln herbeigeholten wilden und halbwilden Verbündeten, werden nun … die Niederringung der Mittelmächte erzwingen wollen …“ (VLa, 29. Aug. 1915)

Inter arma silent musae - Im Krieg schweigt die Gelehrsamkeit

Im Gemeindeblatt wurde die neue Kriegssituation nicht kommentiert, die Zensur ist spürbar. Pfarrer Renn erwähnt Auswirkungen auf die Unterrichtssituation, da weitere Lehrer einrücken mussten. Doch der Patriotismus überwog: „In Schützenuniform nahm er (= Lehrer Karl Hotz aus Götzis) Abschied von der Schule und den Lehrern. Er wurde den Schülern in allen 3 Klassen der Bürgerschule vorgestellt, als erster, der in den großen Krieg zieht. Hotz ging mit jugendlicher Begeisterung.“ (almanach30, S. 48)

Bürgermeister bei den Standschützen

Arbeitermangel für Heuernte. (HGBl. Nr. 23/1915).

Für die Soldaten an der Front wurden weiterhin Liebesgaben gesammelt, besonders Tabak, Spirituosen und Backwaren. Der Bürgermeister besuchte im Juni die im Pozza-Fassatal (Dolomiten) stationierten Standschützen. Diese waren „in bester Gesundheit und guter Stimmung“ und schickten herzlichste Grüße an ihre Familien. Aber fortan war die private Weitergabe und Zustellung von Briefen von der Front verboten. (HGBl. Nr. 27/1915)

Arbeitskräftemangel zur Erntezeit

Durch die zunehmenden Einberufungen zum Landsturm oder den Standschützen fehlten vor allem in der Landwirtschaft vermehrt männliche Arbeitskräfte, was sich vor allem in der nahenden Erntezeit bemerkbar machte. Besonders in Kleinbetrieben mussten Frauen und Kinder durch arbeitsintensiven Körpereinsatz die zum Wehrdienst Verpflichteten ersetzen. Wer konnte schon zusätzliche Helfer bezahlen?

Gegen Jahresmitte finden sich im Gemeindeblatt Anzeigen von Grundstückseigentümern, die Betretungsverbote für ihrer Felder und Wiesen aussprachen. Die Gemeinde setzte wieder Flurwächter ein, „um Feldfruchtdiebstählen etc. wirksam vorzubeugen“. Die Organe der Flurwacht hatten die Aufgabe, „jede nach 7½ Uhr abends auf den Feldern angetroffene Person sofort wegzuweisen“. (HGBl. Nr. 31/1915

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems

Übersicht über Beiträge zu "Hohenems im Ersten Weltkrieg"

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2014)

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2015)