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Stadtplan
08.09.2015

Hohenems im Ersten Weltkrieg (12)

In den ersten vier Monaten des zweiten Kriegsjahres konnte keine Seite wesentliche Erfolge erzielen. Die Fronten im Osten, Westen und Süden waren verhärtet.

Italiens Eintritt in den Krieg war zu erwarten, die Standschützen wurden aufgeboten. Seit Februar 1915 tobte um die Festung Przemysl (Galizien) eine Winterschlacht unter unvorstellbaren Bedingungen. Auch viele Soldaten aus Hohenems saßen dort fest. Die Heimat lebte und zitterte mit. Pfarrer Renn schrieb in seiner Chronik: „Przemysl gefallen. Es war ein Schrei, der durch die ganze Gemeinde ging. Bisher hatte man sich bezüglich unserer Landstürmer mit dem Gedanken getröstet, sie seien dort ziemlich sicher, jetzt wusste man gar nichts mehr über ihr Schicksal.“ (almanach30, S. 42)

Durch Hunger bezwungen

Emser Soldaten etwa 1915: stehend v. l.: Karl Nägele (Bergmannstraße), Johann Öhe (Kaiser-Franz-Josef-Straße), Lehrer Klien (Nussdorfstraße), Jakob Klien (Torggler), Kaspar Amann (Mohrenwirt), Josef Nägele (Franz-Michael-Felder-Straße), Anton Jäger (Bergmannstraße), Schnetzer; sitzend v. l.: Josef Anton Wehinger (Andreas-Hofer-Straße), Schuhmacher Waibel, Wäger (Ganghoferstraße). (Foto: Kulturkreis)

Die zensurierten Medien hatten bislang von erfolgreichen Abwehrkämpfen gegen den „Russischen Bären“ berichtet. Nach 133 Tagen Belagerung kapitulierte am 22. März 1915 die noch aus 110.000 Soldaten bestehende österreichische Garnison und ging in russische Gefangenschaft. Das tödliche Drama wurde von den österreichischen Kriegsberichterstattern als Heldenepos inszeniert: „Przemysl ehrenvoll gefallen“ – „Durch Hunger bezwungen“!

Giftgas – eine der schlimmsten Waffen

An der Westfront blieb die Pattsituation unverändert. Dies verdeutlichte, dass der Krieg noch länger dauern werde. Daher griffen die Deutschen als erste zu einer neuen Waffe, um eine Entscheidung herbei zu führen: Giftgas.
Trotz Verbot chemischer Kampfstoffe durch die Haager Konvention (1907) kam Chlorgas in der Schlacht bei Ypern (Belgien) zum Einsatz. Die Deutschen starteten am 22. April 1915 den ersten Gasangriff in der Geschichte. Tausende Gasflaschen hatten ihre Soldaten in den Schützengräben positioniert: Der Wind wehte günstig und trug eine riesige gelbliche Wolke von flüssigem Chlor auf die französischen Stellungen zu. Die Wirkung war verheerend. Tausende erstickten, Tausende überlebten schwer verätzt. „In dem Moment hat die Wissenschaft ihre Unschuld verloren", urteilte der Historiker Ernst Peter Fischer.

Italien – Neutralität oder Eintritt in den Krieg

Ungewiss blieb, wie sich Italien entscheiden würde. Seit 1882 war Italien im Militärbündnis „Dreibund“ mit Deutschland und Österreich eingebunden. Dadurch sollte die „südliche Front“ für die Mittelmächte geschützt bleiben.
Allgemein hatte man bei Kriegsbeginn erwartetet, dass sich Italien seinen Bündnispartnern anschließen würde. Doch die italienische Regierung zögerte, denn formal gesehen war Italien nicht gezwungen einzugreifen, da es Österreich militärisch nur zu Hilfe kommen sollte, wenn dieses von außen angegriffen würde. Aber das war 1914 nicht der Fall – Österreich hatte bei Kriegsbeginn Serbien angegriffen.

Standschützen

Standschützen-Übung für den Ernstfall am 2. Mai 1915. (HGBl. Nr. 18/1915)

Eine Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn war eine Frage der Zeit. Quasi als letzte Reserve wurden die Schützenvereine zu Standschützen-Bataillons zusammengefasst. Im April fand die erste Inspektion der Standschützeneinheiten Vorarlbergs statt. Für den Ernstfall wurden die Schützen in Frontdiensttaugliche und Mindertaugliche unterteilt. (Vorarlberger Volksfreund, 27. April 1915) Die Hohenemser Standschützen hielten wöchentliche Übungen ab. Die Ausrüstung mussten sie selbst mitbringen.

Mobilisierung zu Pfingsten

Standschützen-Hauptmann Eduard Jäger mit Familie, 1915/16 (Foto: Erich Jäger)

Die Standschützen wurden mobilisiert und auf Pfingstsonntag (23. Mai 1915) einberufen: „Die Hohenemser versammelten sich bei der Turnhalle. … Alte graubärtige Männer und junge halbwüchsige Burschen stehen nebeneinander. Unter ihnen befinden sich stramme Schützen und rüstige Menschen, aber auch solche, die nur in der Schützenmatrikel gestanden, die seit Jahren keinen Schießprügel in der Hand gehabt, die von Militär keine Ahnung haben, sogar Krüppel humpeln mit.“ So schilderte Pfarrer Renn die Situation und meinte: „Heute muss alles Krieger sein, ob er will und kann oder nicht.“ 93 Mann unter dem Kommando des Hauptmanns Eduard Jäger, darunter viele Familienväter, marschierten zum Bahnhof. (almanach30, S. 47)

Der achte Gegner

In den folgenden Tagen herrschte strenge Briefzensur, das Passwesen wurde verschärft, der Jahrgang 1897 einberufen. „Die Luft ist drückend, wie vor einem Gewitter. Abends wird alles klar: Italien hat Österreich den Krieg erklärt.“ (almanach30, S. 48) Der Bündnispartner Italien trat an die Seite der Alliierten.

Mag. Edmund Banzer, Kulturkreis Hohenems

Übersicht über Beiträge zu "Hohenems im Ersten Weltkrieg"

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2014)

Hohenems im Ersten Weltkrieg (Beiträge 2015)