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Bürgermeldungen
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Stadtplan
01.12.2015

Evaluierung Forstbetrieb

Die Mitarbeiter/innen sind stets mit vollem Eifer bei der Sache.

Die Stadt Hohenems beauftragte die Firma „Land & Forst Projekte Österreich“ aus Wien, den städtischen Forstbetrieb im Rahmen eines Gutachtens zu evaluieren.

Für die Erstellung des Gutachtens wurden Unterlagen aus dem Rechnungswesen der Stadt Hohenems, dem Waldwirtschaftsplan, Aufzeichnungen und Kalkulationen des Forstbetriebs und mündliche Befragungen des Forstbetriebsleiters herangezogen.

Der Forstbetrieb der Stadt Hohenems ist keine typische Waldbewirtschaftung, sondern ein multifunktionaler Betrieb mit einem vielfältigen Aufgabenbereich. Die Kostenstruktur aus dem Jahr 2013 zeigt, dass nur rund 46 Prozent der angefallenen Kosten dem reinen, holzproduzierenden Forstbetrieb zuzuordnen sind; 54 Prozent der Kosten entfallen auf eine Reihe von kommunalen und sonstigen Dienstleistungen.

Die fünf städtischen Mitarbeiter betreuen den Waldbesitz der Stadt Hohenems im Ausmaß von 400 Hektar. Darüber hinaus nimmt der Forstbetrieb auch umfangreiche Aufgaben im Dienste der Sicherheit und Lebensqualität für die Allgemeinheit wahr. Nur die Erlöse und Kosten aus der Forstproduktion (Sägerundholz, Brennholz, forstliche Nebenprodukte) und der Jagd zur Beurteilung der Betriebsleistung heranzuziehen, greift also bei weitem zu kurz.

Arbeiten in schwierigem Gelände

Über 80 Prozent des betreuten Waldgebiets – dazu gehören neben den stadteigenen Flächen auch 75 Hektar Waldbesitz der Marktgemeinde Lustenau im Gemeindegebiet von Hohenems und Dornbirn – ist Schutzwald. In diesen steilen und zum Teil schwer zugänglichen Gebieten sind die Holzernte- und Pflegekosten entsprechend hoch. Schutzwaldprojekte werden gemeinsam mit Projektpartnern umgesetzt; intakte Schutzwälder schützen das Siedlungsgebiet von Hohenems vor Hochwasser, Muren, Steinschlag und Lawinen. Ein intakter Schutzwald im großflächig ausgewiesenen Wasserschutzgebiet sichert auch die Qualität des Trinkwassers.

Der Forstbetrieb verwaltet auch mehrere forstliche Bringungs-, Güterweg- und Jagd-genossenschaften, welche einen enormen Verwaltungsaufwand darstellen. 
Er erstellt Gutachten, berät und unterstützt projektbezogen ca. 450 Kleinprivatwaldbesitzer/innen und ist auch für den Alpbesitz zuständig. Er sorgt für die Klarheit von Grundstücksgrenzen und deren laufende Instandhaltung. Er ist Anlaufstelle zur Abwicklung von Elementar- bzw. Katastrophenschäden und kooperiert eng mit der Wildbach- und Lawinenverbauung. Auch für die Instandhaltung der Wasserschutzbauten ist er zuständig.

Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre haben die ländliche Infrastruktur in Hohenems sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Schadensbehebung an den Forst- und Wanderwegen ist trotz Zuwendungen aus dem Katastrophenfonds mit hohen Kosten verbunden.
Bei den in immer kürzeren Abständen auftretenden Hochwasserereignissen trägt der Forstbetrieb wesentlich zur Schadensbegrenzung bzw. -behebung bei.

Mit der Errichtung und Erhaltung von Wanderwegen und Mountainbikerouten leistet der Forstbetrieb auch einen wesentlichen Beitrag zur Freizeit- und Tourismusinfrastruktur.

Die städtischen Forstarbeiter sind aber nicht nur im Berggebiet unterwegs. Zu ihren Aufgaben zählt auch die Umwelt- und Landschaftspflege im Siedlungsraum der Stadt, wie beispielsweise die Betreuung von Parkbäumen, der Schillerallee und des Auwaldes am Alten Rhein, sowie umfangreiche Aufgaben des Pflanzenschutzes (z. B. Bekämpfung des Feuerbrands, Eindämmung der Neophyten-Problematik etc.).

Im städtischen Forstbetrieb werden auch Lehrlinge ausgebildet. Unlängst wurde der Forstbetrieb sogar als ausgezeichneter Lehrbetrieb prämiert. Zwei Lehrlinge schlossen innert kurzer Zeit die Lehre mit ausgezeichnetem Erfolg ab.
Zudem ist der Forstbetrieb der Stadt Hohenems ein Lehrbetrieb für das Bäuerliche Schul- und Bildungszentrum.

Gesamtkosten sind durch Holzerträge nicht zu decken

Mit schwerem Gerät ging es ans Werk.

Durch den Sturm Vivian im Jahr 1990 und die darauf folgenden Borkenkäferkalamitäten wurde ca. die Hälfte der Waldflächen der Stadt Hohenems stark in Mitleidenschaft gezogen. Diese Waldflächen wurden wieder aufgeforstet und bedürfen künftig über Jahrzehnte einer intensiven Pflege zur Heranziehung eines stabilen Schutzwaldes.
Bedingt durch Pflegerückstände aus den vergangenen Jahrzehnten, wie z. B. am Schwefelberg, entwickelten sich instabile Bestände, welche schon bei leichten Sturm- und Schneebruchereignissen stark beschädigt werden. Dies führt zu einem hohen Anteil an Schadholz und zu einer schlechten Holzqualität, was sich in hohen Erntekosten und schlechten Holzerlösen wiederspiegelt. Meistens müssen solche Bestände vor dem Erreichen des hiebreifen Alters abgetrieben und in weiterer Folge eine kostenintensive Verjüngung eingeleitet werden.

Nach getaner Arbeit

Zum einen wurden durch diese Ereignisse der jährliche Hiebsatz und somit die Holzerlöse über die Hälfte reduziert, die durch diese Schadereignisse entwaldeten Flächen führten für die Wiederaufforstung aber auch für die darauffolgende intensive Pflege der nächsten Jahrzehnte zu hohen Kosten, was wesentliche Investitionen für die Zukunft zur Folge hatte.

Ohne künftige, gravierende Schadereignisse kann zum anderen unter optimalen Voraussetzungen in einigen Jahrzehnten wieder mit einer normalen Waldbewirtschaftung und einer Kostendeckung des Forstbetriebes gerechnet werden.

In vielen der oben angeführten Aufgabenbereiche ist eine Kostendeckung gar nicht möglich, da Kosten keine direkt zurechenbaren Erträge gegenüberstehen.

Der geringe nachhaltige Hiebsatz (Waldwirtschaftsplan), hohe Pflegekosten und zahlreiche nicht kostendeckende Leistungen über den eigentlichen Forstbetrieb hinaus begründen daher den Abgang des Forstbetriebs. Diesem Abgang sind die Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungswirkung eines intakten Waldes gegenüberzustellen. Dies sind Dienstleistungen für die Allgemeinheit, welche in Zahlen schwer auszudrücken sind.

Insgesamt wird dem Forstbetrieb für die bisherige Waldbewirtschaftung im Gutachten ein gutes Zeugnis ausgestellt.