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Stadtplan
23.12.2020

Hirschkäfer – eine rare Besonderheit von Hohenems

Hirschkäferwiege

Hohenems ist noch eine der wenigen Gemeinden im Land, die regelmäßig Hirschkäferfunde nachweisen können. Aber auch hier ist der Verlust spürbar, da auch neben vielen natürlichen Feinden die Lebensräume für den Hirschkäfer stark abnehmen bzw. spezielle Insektizide (zB Maikäfer-Bekämpfung) verwendet werden.

Lebensraum

Ein Hirschkäfer bevorzugt für seine Entwicklung Altholzbestände, die älter als 150 Jahre sind, mit einem möglichst hohen Anteil an alten und morschen Bäumen und vor allem Baumstümpfe (bevorzugt Eichen) mit einem Durchmesser von mehr als 40 cm (Gereben & Krenn 2010).

Die Umwelt- und Forstabteilung der Stadt Hohenems haben zum Schutz der bedrohten und nach FFH-Richtlinie geschützten Tiere künstlich angelegte Hirschkäferwiegen (Ersatz natürlich vorkommender Entwicklungsstätten) an unterschiedlichen, von den Tieren bevorzugten, Standorten angelegt. Von Ende Mai bis Mitte Juli lassen sie sich mit ein bisschen Glück wunderbar während ihres „Hochzeitsfluges“ beobachten, wie auch einige erfreuliche Sichtungsmeldungen bestätigen.

Hirschkäferwiege - Warum das Ganze?

Hirschkäfer sind die imposantesten und größten einheimischen Käfer unseres Landes – ein wahrer Gigant mit einer Größe von bis zu 12 cm. Die durch die FFH-Richtlinie europaweit streng geschützten Tiere brauchen für ihre Entwicklung zum flugfähigen Imago fünf Jahre. Das eingebaute Holz der Hirschkäferwiege sollte nach zwei Jahren so verrottet sein, dass die Weibchen hier ihre Eier ablegen und das verrottete Holz den Larven als Nahrung dient und die lange Entwicklungsdauer ein erfolgreiches Ende in einem ungestörten Lebensraum findet.

Wichtiger Hinweis
Da es sich um eine geschützte Art nach der FFH-Richtlinie handelt, dürfen die Tiere sowohl lebendig als auch tot nicht aus der Natur entfernt werden. Sichtungen können Sie gerne der inatura Erlebnis Naturschau GmbH melden oder auch im Umweltreferat unter Tel. 05576/7101-1422.

Wie schaut eine Hirschkäferwiege im Detail aus? (Gereben & Krenn 2010)

  • mind. 5 ha Alteichenbestand (150- bis 250-jährig) Eichen oder Einzelbäume im Abstand von 50 bis 100 Metern auf einer 100-fachen größeren Fläche
  • naturfaule Stöcke/Bäume (Durchmesser >40 cm)
  • Bäume mit natürlichem und anhaltendem Saftfluss

Schutzkonzept "Spessartmodell"

Anlegen von künstlichen Hirschkäfer-Entwicklungssorten ("Hirschkäferwiegen)

  • Anhäufung von Eichenspänen und Sägemehl über natürlich angefaulte Eichenstümpfe
  • angefaulte Eichenstammteile, die in einer Tiefe von 30 bis 50 cm einsetzen und mit Eichensägemehl verfüllen
  • faule Eichenstämme in den Boden eingraben
  • in lichten Altbeständen
  • Boden muss wasserdurchlässig sein
  • Anlagen in 1 bis 2 km Abstand, alle 5 Jahre 2 bis 3 m3 Häcksel ergänzen

Weitere Infos unter diesem Link.