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Im „Gedächtnis der Welt“
28.01.2010
Die Handschriften A, B und C des Nibelungenliedes wurden diesen Montag von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.
Die Handschrift C, mit 2442 Strophen die umfangreichste erhaltene Überlieferung, wie auch die Handschrift A, wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom Lindauer Arzt Jakob Hermann Oberreit in der Bibliothek des Hohenemser Palastes gefunden. Insgesamt existieren rund 30 Handschriften (teils auch nur Fragmente) des zu Beginn des 13. Jahrhunderts vermutlich im Bereich des oberösterreichischen Passau entstandenen Nibelungenliedes; gerade die über Jahrhunderte in Hohenems erhaltene Handschrift C diente dank ihres Umfangs jedoch als eine der wichtigsten Quellen bei der germanistischen Rekonstruktion der ursprünglichen Fassung, die nicht erhalten ist. Die Handschrift C befindet sich im Besitz der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, während die Handschrift A in der Bayerischen Staatsbibliothek in München archiviert ist. Die Handschrift B ist in der Stiftsbibliothek St. Gallen zu finden.
Diesen Montag, den 25. Jänner, wurden die drei ältesten erhaltenen Handschriften mit einem Festakt in München von der UNESCO offiziell in das Weltdokumentenerbe („Memory of the World“) aufgenommen. Der Schritt wird von der Organisation in ihrer Begründung durchaus auch als „Rehabilitierung“ des Werkes und Befreiung aus seiner Rezeptionsgeschichte seit dem 19. Jahrhundert verstanden, die im 20. Jahrhundert vorerst darin mündete, dass das Werk einen der Eckpfeiler des nationalsozialistischen Literaturkanons bildete. Fokus wird auf die Einflüsse verschiedener historischer und anderer literarischer Quellen auf das Nibelungenlied, die Schilderung einer von Island bis Ungarn reichenden, frühen europäischen Szenerie wie auch die vielfältigen Einflüsse und Interpretationen, die das Werk selbst bewirkt hat, gelegt. Anlässlich des Festaktes wird die selten öffentlich ausgestellte Handschrift A derzeit in der Bayerischen Staatsbibliothek in München gezeigt.
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